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Chatzimarkakis erwägt für Landtagswahl im Saarland Bündnis aus ÖDP und Grünen

Gedankenspiele von Jorgo Chatzimarkakis : ÖDP-Chef erwägt für Landtagswahl Bündnis mit grünen Ulrich-Gegnern

Die Grünen zerfleischen sich, nun bietet sich die kleine ÖDP als Alternative an – mit einem Gedankenspiel für die Landtagswahl im März 2022.

Jorgo Chatzimarkakis, der einstige Vordenker der saarländischen FDP, ist immer noch Stratege. Als Landeschef der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP), der er seit drei Jahren ist, macht er sich Gedanken darüber, wie seine Kleinpartei von der Selbstzerfleischung der Grünen profitieren könnte.

Sollte sich bei den Grünen das Hubert-Ulrich-Lager bei der Wahl eines neuen Landesvorstandes und bei der Aufstellung der Landtagskandidaten durchsetzen, will Chatzimarkakis (Spitzname „Chatzi“) mit prominenten grünen Ulrich-Gegnern für die Wahl im März 2022 ein Bündnis schmieden. Kontakte gab es in den vergangenen Wochen angeblich schon. „Wenn die sich selbst zerstören, wollen wir einigen Ökologen von den Grünen die Chancen geben, trotzdem Landespolitik zu machen“, sagte er der SZ. Sonst bestehe die Gefahr, dass im Landtag wieder keine ökologische Politik gemacht werde.

Die ÖDP biete sich den Wählern als „echte und ehrliche, vor allem konsequente Alternative für ökologische Politik“ an. Chatzmarkakis, der in Brüssel als Generalsekretär des europäischen Wasserstoffverbandes tätig ist, erwägt, bei der Landtagswahl Spitzenkandidat zu werden. Zudem stellt er eine enge Kooperation mit der Familienpartei in Aussicht, die bei vergangenen Landtagswahlen bis zu 3,0 Prozent (2004) erreichte.

Das Problem der ÖDP ist ihre organisatorische Schwäche. Sie stellt mit Manuela Ripa zwar die einzige Europa-Abgeordnete aus dem Saarland, verfügt mit gut 40 Mitgliedern aber nicht über lokale Strukturen.

Hauptunterschiede zu den Grünen sind laut Chatzimarkakis die Forderung nach einem Verbot von Firmenspenden für Parteien, das Eintreten für eine „Gemeinwohl-Ökonomie“, die nicht an Profiten orientiert ist, und die Forderung, Familienarbeit mit Erwerbsarbeit gleichzusetzen. „Wir sind der ökologische Stachel im Hintern der Grünen“, sagt Chatzimarkakis. Auch setze die ÖDP nicht allein auf Elektromobilität, sondern sei technologieoffen.

Eine andere Herangehensweise als die Grünen hat die ÖDP Saar auch beim Klimaschutz. Der Spitzenkandidat für die Bundestagswahl, der Pharmazie-Professor Claus Jacob aus St. Ingbert-Hassel, bezweifelt stark, dass das 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung des globalen Temperaturanstiegs noch zu erreichen ist. Deshalb hält er es für wichtig, sich jetzt verstärkt daran zu machen, die Folgen des Klimawandels abzumildern, etwa durch Aufforstung, weniger Oberflächenversiegelung, Anlage von Mooren oder verstärkte Speicherung von Wasser. Aus dem gleichen Grund befürwortet Chatzimarkakis, die Freiwilligendienste für junge Menschen deutlich attraktiver zu machen.