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Corona an Saar-Schulen: Wie viele Kinder in Woche 1 in Quarantäne mussten

Corona-Debatte um Massenquarantänen : Schul-Bilanz nach einer Woche – Wie viele Kinder im Saarland in Quarantäne mussten

Während andere Bundesländer bereits lockerere Quarantäneregeln für Schüler umsetzen, ist man im Saarland noch nicht so weit. Wer entscheidet überhaupt?

Noch bewegen sich die Prozentzahlen weit hinter dem Komma: Nur 0,14 Prozent der 118 000 Schüler und Schülerinnen im Saarland waren am Freitag auf Grund von Quarantäne-Maßnahmen vom Schulunterricht ausgeschlossen. Am ersten Schultag waren es 59 Kinder, die als Verdachtsfälle zuhause bleiben mussten - 0,05 Prozent. Was heißt: Die Zahl  hat sich mehr als verdoppelt. Allein am Freitag kamen zwischen zehn Uhr morgens und 16 Uhr mittags etwa 50 Schüler hinzu, schließlich waren es 169. Außerdem waren drei Lehrkräfte in Quarantäne - von 9400 Lehrkräften insgesamt.

Das Problem nimmt zweifelsohne Fahrt auf, die politische Debatte bundesweit auch. In Nordrhein-Westfalen, wo die Schulen bereits zwei Wochen wieder offen sind, liegen die Inzidenzen in der Gruppe der Fünf- bis 14-Jährigen bei bis zu 500. Doch der Trend geht nicht zu strengeren, sondern zu differenzierteren Regeln. Berlin hat bereits weniger strenge Quarantäneregeln für Schüler erlassen, der Hamburger Schulsenator marschiert in die selbe Richtung, und auch Bayern will die 14-Tage-Quarantäne nicht beibehalten. Am Freitag positionierte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und machte sich für bundeseinheitliche Vorgaben stark. „Darauf sollten sich die Gesundheitsminister der Länder endlich einigen", sagte der CDU-Politiker im Gespräch mit dem „Spiegel". Für Montag ist ein Treffen anberaumt. Wenn die Schüler im Unterricht Masken getragen hätten, müsse man nicht die ganze Klasse in Quarantäne schicken, meinte Spahn. „Pragmatisch wäre, dass nur die Sitznachbarn für fünf Tage in Quarantäne gehen und sich dann freitesten können. Eine ganze Schulklasse wie jetzt in Quarantäne zu schicken, führt dazu, dass irgendwann Hunderttausende Schülerinnen und Schüler für zwei Wochen nicht am Unterricht teilnehmen, obwohl sie gar nicht infiziert sind.“

Auch die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) hatte dieser Tage signalisiert, dass sie das Quarantäne- Verfahren für optimierungsbedürftig hält, hatte Kritik Richtung Gesundheitsämter adressiert, die für die Anordnung der „Massenquarantäne“ zuständig sind. An der Saarbrücker Dellengartenschule mussten zu Wochenbeginn gleich zwei ganze Klassen wieder nach Hause geschickt werden.

Die Gesundheitsämter sind den Landkreisen unterstellt und richten sich nach RKI-Empfehlungen. Doch offensichtlich gibt es erhebliche Spielräume, sonst könnten die Berliner Behörden nicht anders verfahren: nur noch fünf Tage Quarantäne. In Berlin wurde die Entscheidung dafür aus dem Kompetenzbereich der Gesundheitsämter herausgenommen. Ob und wer im Saarland über Lockerungen entscheiden wird, war am Freitag noch unklar. Die Frage über Zuständigkeit und  Entscheidungswege für einen solchen Schritt konnte das Gesundheitsministerium am Freitag nicht klar beantworten. Derweil steht die Bildungsministerin in der Frage schulbezogener Quarantäne-Anordnungen „in enger Abstimmung mit dem Vorsitzenden des Landkreistages“ Patrik Lauer (SPD). Der hatte sich sofort mit einer Gegenrede zu Wort gemeldet, nachdem Streichert-Clivots Kritik öffentlich geworden war. „Unsere Gesundheitsämter wollen Schule nicht verhindern, sondern schützen“, sagte Lauer. Dazu seien eben auch umfangreichere Quarantänemaßnahmen notwendig.

Wie geht es nun weiter? Und wann? Die Bildungsministerin  erklärt auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung: „Es ist gut, dass der Bundesgesundheitsminister jetzt einen klaren Auftrag an die Gesundheitsministerkonferenz adressiert hat, die am Montag tagen wird. Die Ergebnisse bleiben abzuwarten, wir werden sie im Saarland beraten.“ Sie verwies darauf, dass Schulen Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen umsetzten, die „deutlich über das Niveau“ hinausgingen, das für andere gesellschaftliche Bereiche gelte. „Zum Schulstart haben wir die Regelungen an unseren Schulen auch deshalb verschärft, um Quarantäne-Anordnungen in hoher Zahl oder gar ‚Schulschließungen von innen‘ möglichst zu vermeiden.“ Unter anderem müssen saarländische Kinder deshalb jetzt wieder im Unterricht Masken tragen, vorerst weitere zwei Wochen lang.

Zum politischen Streit in der Großen Koalition wird das Thema Schulquarantäne, das jetzt schon fast 200 Familien vor Probleme stellt, offensichtlich nicht genutzt. Die CDU-Landtagsfraktion wollte sich am Freitag nicht äußern. Die Opposition jedoch nahm die Problemlage zum Anlass, um grundsätzliche Einwände los zu werden. Barbara Spaniol (Linke) sagte auf SZ-Nachfrage, die Landesregierung reagiere grundsätzlich zu träge. Nicht nur in Sachen Quarantäne an Schulen seien andere Bundesländer schon weiter. „Die 14-Tage-Zeitspanne ist viel zu lang, andere Länder haben bereits Lösungen gefunden.“ Spätestens zum Schulstart nach den Sommerferien hätte man hier zu Lande startklar sein müssen. Wenn in Püttlingen in einer Kita aktuell 80 Kinder in Quarantäne müssten, sei dies „nicht mehr zu verantworten“, so Spaniol.