1. Saarland
  2. Landespolitik

Fluglärm über dem Saarland in TRA Lautern soll zunehmen

Verteidigungsministerium nennt mehr militärische Ausbildungsflüge „unabdingbar“ : Streit um angekündigte Zunahme von Fluglärm im Saarland

In diesem Jahr soll es deutschlandweit mehr militärische Ausbildungsflüge geben. Auch im Luftraum über dem Saarland. Dabei ist der schon heute überdurchschnittlich betroffen. Laut Bundesverteidigungsministerium wird es aber auch eine Entlastung im Saarland geben.

Die von Fluglärm geplagten Saarländer müssen in diesem Jahr mit noch mehr Kampfjet-Getöse rechnen. Das geht aus einer Antwort des Bundesverteidigungsministeriums auf eine Frage der Pirmasenser Bundestagsabgeordneten Brigitte Freihold (Linke) hervor (wir berichteten). Doch wie viel mehr Belastung kommt 2021 auf die Bevölkerung hierzulande zu? Und warum ist das überhaupt nötig? Die SZ hat in Berlin nachgefragt.

Dort bestätigte ein Sprecher von Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), dass „zukünftig grundsätzlich mit einer Intensivierung des Ausbildungsflugbetriebs zu rechnen“ sei. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man aber nicht konkret sagen, wie viel mehr Fluglärm auf die Bevölkerung zukommt. Nur eines steht fest. „Es werden alle Übungslufträume in Deutschland betroffen sein.“ Also auch die TRA (temporary reserverd airspace) Lauter, die ohnehin deutschlandweit am stärksten von Kampfjets genutzt wird.

Für die Linksfraktion im Saarländischen Landtag ist das nicht nachvollziehbar. Die Sprecherin der Fraktion, Barbara Spaniol, hat erneut Maßnahmen gegen die weiter steigende Lärmbelastung der Bürgerinnen und Bürger gefordert. „Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer tut auch in diesem Punkt nichts für ihr Land und lässt die Saarländerinnen und Saarländer weiter unter dem militärischen Fluglärm leiden“, sagt Landtagsabgeordnete aus Homburg. Das beste Mittel gegen die enorme Lärmbelastung, die auch von der Airbase Ramstein ausgehe, wäre Abrüstung und eine aktive Friedenspolitik.

Laut Verteidigungsministerium seien die zusätzlichen Ausbildungsflüge jedoch „unabdingbar“. Die Streitkräfte müssten die Vorbereitung auf Einsätze zur Krisenbewältigung sicherstellen und gleichzeitig einen angemessenen Anteil zur Verteidigungsvorsorge gewährleisten.

Wie das Verteidigungsministerium mitteilte, könnte es 2021 im Frühjahr und Spätsommer unabhängig von den zusätzlichen Ausbildungsflügen zu leichten Entlastungen in der TRA Lauter kommen. Dann nämlich seien zwei Verlegungen von Geschwadern geplant. Schon in den vergangenen Jahren seien in der Airbase Spangdahlem stationierte 52nd Fighter Wing US Air Force vorübergehend verlegt worden. In diesen Zeiten hätte es eine Entlastung, die das Ministerium nicht mit Zahlen belegte, gegeben.

Der Grünen-Abgeordnete Markus Tressel, der das Saarland in Berlin vertritt, sagt, dass Bundes- und Landesregierung seit Jahren eine Entlastung der Region versprechen. „Bisher hatten alle Maßnahmen aber bestenfalls eine temporäre Wirkung.“ Er fordert eine verbindliche Begrenzung der jährlichen Nutzungsstunden für die TRA Lauter und eine gerechtere Verteilung. Aktuell steht eine kleine Anfrage seiner Partei zur Fluglärmbelastung in der Region aus.

Darin fragen die Grünen unter anderem, was die „Arbeitsgruppe Fluglärm Saarland/Rheinland“ in den letzten Jahren erreicht hat. Diese „AG Fluglärm“ besteht aus Vertretern des saarländischen und rheinland-pfälzischen Innenministeriums, des Verteidigungsministeriums, des Luftfahrtamtes der Bundeswehr und der Flugbetriebs- und Informationszentren der Bundeswehr (FLIZ) und ist 2008 gegründet worden.

Wie das Saar-Innenministerium mitteilte, finden alle zwei Jahre Sitzungen statt. In diesem Rahmen würden Vertreter des Saarlandes immer wieder ihrer Forderung Nachdruck verleihen, „sowohl weiterhin an der gleichmäßigeren Verteilung des militärischen Übungsflugaufkommens auf die TRAs im Bundesgebiet hinzuwirken, wie auch konsequent, weitere Möglichkeiten auszuloten, einen gerechteren Ausgleich zwischen dem berechtigten Interesse der saarländischen Bürger zur Lärmreduzierung und anderseits dem Übungsbedürfnis der Streitkräfte zu erreichen.“