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Frankreich-Strategie im Saarland: Umsetzung geht nur schleppend voran

Zweisprachigkeit bis 2043? : Es stottert bei der Frankreich-Strategie: So steht es um den Französisch-Unterricht im Saarland

Knapp ein Drittel der Wegstrecke zum erklärten Ziel der saarländischen Landesregierung „Zweisprachigkeit bis 2043“ wurde bereits zurückgelegt. Die Umsetzung der Frankreich-Strategie im Saarland geht allerdings nur schleppend voran.

„Wir legen größten Wert darauf, das Erlernen der französische Sprache und die Beschäftigung mit der Kultur bereits ab dem Kita-Alter zu fördern. Wir sind bundesweit Spitze, was das angeht. Man könnte auch sagen, wir sind das französischste aller Bundesländer“, sagt Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Das „französischste aller Bundesländer“ hatte vor knapp zehn Jahren eine Frankreich-Strategie ins Leben gerufen. Die Aufgabe: Das Saarland soll bis zum Jahr 2043 zu einem mehrsprachigen Raum „deutsch-französischer Prägung“ entwickelt werden. Ein Drittel der Wegstrecke zum erklärten Ziel der saarländischen Landesregierung wurde bereits zurückgelegt. Wie weit ist das Land nach zehn Jahren der Umsetzung?

„Es besteht weiterer Handlungsbedarf“

Zu einer Bewertung des Status quo lässt sich die Bildungsministerin nicht hinreißen. Auch eher vorsichtig-optimistisch die Einschätzung des CDU-Fraktionsvorsitzenden Stephan Toscani. „Die Umsetzung der Frankreich-Strategie ist ein langfristiger Prozess, bei dem schon viele Fortschritte gemacht wurden, andererseits aber auch noch einiges zu tun bleibt“, so Toscani auf Anfrage. „Mehrsprachigkeit bietet jungen Menschen enorme Chancen. In der frühkindlichen Sprachvermittlung zunächst bei den Kitas anzusetzen, war richtig. Hier besteht aber weiterer Handlungsbedarf.“ Die Frankreich-Strategie wurde innerhalb der Großen Koalition maßgeblich von der CDU initiiert.

Notwendig sei, so Toscani, ein flächendeckend durchgängiger französischer Sprachunterricht. „Nicht als Konkurrenz zu Englisch, sondern als Ergänzung. Hier wird sich zeigen, ob die Landesregierung die Prioritäten richtig setzt.“

Je näher an der Grenze, desto mehr Angebote

Gerade an den Französisch-Angeboten in Kitas und Grundschulen hapert es. „Es gibt noch viel zu tun“, urteilen etwa zwei leitende Regierungsmitarbeiter, die sich seit Jahren mit der Entwicklung der Frankreich-Strategie befassen. Christine Klos und Karl Terrollion haben in einer Bestandsaufnahme 2022 festgestellt: „Jede Kindergeneration muss neu für die Mehrsprachigkeit gewonnen werden. Und noch nicht alle Kitas im Saarland verfügen über muttersprachiges französisches Personal in ihren Teams. Dabei ist ersichtlich, dass je weiter man von der Grenze entfernt wohnt, die Mehrsprachigkeit in der frühkindlichen Bildung noch umso weniger selbstverständlich ist.“

Zahlen des Bildungsministeriums zum Französisch-Angebot in saarländischen Kitas und Schulen:

  • Kitas: Von den 493 Kitas im Saarland arbeiten 250 Kitas bilingual, also rund 51 Prozent. In das Netzwerk der so genannten Elysée-Kitas wurden zwischen 2018 und 2022 15 weitere saarländische Kitas aufgenommen. Mittlerweile sind es im Saarland damit 83 Elysée-Kitas bei 196 Elysée-Kitas bundesweit, was 43 Prozent aller Elysée-Kitas entspricht.
  • Grundschulen: Derzeit bieten 42 der insgesamt 161 Grundschulen im Saarland Französisch ab der 1. Klasse an, vier Schulen planen ein solches Angebot für das kommende Schuljahr 2023/24. Fünf dieser 42 Grundschulen sind bilinguale Einrichtungen. An allen anderen Grundschulen im Saarland wird Französisch ab der 3. Klassenstufe unterrichtet.
  • Deutsch-französisches Abitur AbiBac: Am Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis, am Gymnasium Johanneum in Homburg, am Illtalgymnasium in Illingen und am Warndt-Gymnasium in Völklingen können Schülerinnen und Schüler gleichzeitig mit dem deutschen Abitur auch das französische baccalauréat erwerben – das sogenannte AbiBac. Die beiden Abschlüsse und die damit verbundenen Hochschulzugangsberechtigungen werden sowohl in Frankreich als auch in Deutschland vollwertig anerkannt.
  • Deutsch-Französischen Gymnasium und Deutsch-Luxemburgisches Schengen-Lyzeum: Am Lycée Franco-Allemand de Sarrebruck/Deutsch-Französischen Gymnasium und am Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeum Perl prägen Mehrsprachigkeit und binationale Bildungsangebote bzw. -abschlüsse die deutsch-französische bzw. deutsch-luxemburgische Ausrichtung und den Charakter als Schulen der im Alltag gelebten grenzüberschreitenden und internationalen Begegnung.
  • Berufliche Schulen: Das Modell „Deutsch-Französischer Berufsschulzweig“ im Saarland wird zurzeit in sechs Bereichen umgesetzt: „Automobil“ am BBZ St. Ingbert, „Tourismus“ am KBBZ Halberg, „Hotellerie/Gastronomie“ am TGBBZ II Saarbrücken und „Bauwesen“, „Energie“ und „Informationssysteme“ am TGBBZ I Saarbrücken. Das Modell zielt auf die Förderung der internationalen Mobilität und des beruflichen Austausches zwischen Frankreich und Deutschland bereits während der dualen Ausbildung. Darüber hinaus sollen zukünftig auch Lehrkräfte und Experten der beruflichen Bildung eine Zeit lang im jeweiligen Nachbarland arbeiten.