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General Jens Arlt aus Saarlouis soll in Afghanistan Tausende vor Taliban retten

Der Saar-General soll Tausende vor Taliban retten : Der General und die Mission seines Lebens

Jens Arlt leitet am Flughafen in Kabul die dramatische Evakuierung deutscher Staatsbürger und afghanischer Ortskräfte. Wer ist der Mann, der jetzt so viel Verantwortung trägt?

Der Auftrag ist klar umrissen: Solange es irgendwie geht, so viele Menschen wie möglich aus Kabul ausfliegen – so hatte es Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) vorgegeben. Am Kabuler Flughafen muss Jens Arlt, der aus Saarlouis normalerweise die 4400 Soldaten der Saarland-Brigade kommandiert, die Dinge nun regeln.

Der 52 Jahre alte Brigadegeneral leitet die dramatische Evakuierungsoperation in Kabul. Kramp-Karrenbauer hat ihm dafür „taktische und strategische Beinfreiheit“ zugesichert. In den nächsten Tagen soll der Einsatzverband, dem neben Fallschirmjägern auch Spezialkräfte, Militärpolizisten und Sanitäter angehören, auf bis zu 600 Soldaten wachsen.

Für den Offizier, der schon mehrfach im Afghanistan-Einsatz war, ist das sicherlich die Mission seines Lebens. Der Erfolg wird am Ende allerdings nicht nur von ihm und seinen Leuten abhängen, sondern vor allem von den USA (sichern den Flughafen) und den Taliban (kontrollieren den Zugang zum Airport).

Die Saarland-Brigade mit Standorten in Saarlouis, Lebach, Merzig, Zweibrücken und Seedorf (Niedersachsen) ist der einzige Verband der Bundeswehr, der darauf spezialisiert ist, deutsche Staatsbürger aus Krisenregionen zu evakuieren. Der Auftrag, sich für solche Operationen bereitzuhalten, wechselt alle paar Jahre zwischen den Fallschirmjägern in Seedorf und in Zweibrücken/Merzig. Aktuell sind die Niedersachsen an der Reihe. Spezialisten für „Schnelle Luftevakuierungen“ können schon Stunden nach der Alarmierung im Flieger sitzen. Im aktuellen Fall sollen sie bereits seit Samstag einsatzbereit gewesen sein und wie auf glühenden Kohlen auf ihren Marschbefehl gewartet haben. Los ging’s erst am Montag.

In der Brigade wird Arlt als ruhiger und sachlicher Typ beschrieben, der sich um seine Soldaten kümmere und sich in Gesprächen ungewöhnlich viel Zeit nehme. Und als jemand, „der von vorne führt“, wie einer aus der mittleren Führungsebene der Brigade sagt. So wie bei Fallschirmsprung-Übungen, bei denen der drahtige General die Maschine gerne als erster verlässt. Als die Bundeswehr im März die Eignung des neuen Militär-Airbus A400 M für das Absetzen von Soldaten an Automatik-Fallschirmen erprobte, war Arlt der erste Bundeswehr-Soldat überhaupt, der auf diese Weise aus dem Flugzeug sprang – nachdem das Verfahren zuvor mit Puppen getestet worden war. „Ein unglaublich gutes Gefühl“, sagte er anschließend. Menschen, die seit seinem Wechsel nach Saarlouis vor anderthalb Jahren mit ihm zusammenarbeiten, sagen, Arlt sei „sehr umgänglich und offen“, ein „feiner Mensch“ und „nicht etepetete“. Er handle wohlüberlegt, seine Einschätzungen seien präzise.

 Jens Arlt bei einer Sprung-Übung im Juni 2000
Jens Arlt bei einer Sprung-Übung im Juni 2000 Foto: Ruppenthal

Man sollte sich ob Arlts angenehmer Art aber nicht täuschen: Mental und körperlich betrachtet gehört der dreifache Familienvater zum Härtesten, was die Bundeswehr unter ihren 180 000 Soldaten aufzubieten hat. Über Jahre hinweg diente sich der gelernte Panzeraufklärer beim Kommando Spezialkräfte (KSK) in Calw vom Zugführer bis zum Kommandeur der Einsatzkräfte hoch.

Arlt war mit dem KSK in den 2000er Jahren mehrmals auf dem Balkan und in Afghanistan im Einsatz, als die Elite-Einheit dort in streng geheimen Einsätzen Kriegsverbrecher und Terroristen jagte.

Dass er nach dem offiziellen Ende des Afghanistan-Einsatzes noch einmal dorthin aufbrechen muss, zu einem Einsatz, den die Weltöffentlichkeit quasi live mitverfolgen kann, hätte er wohl selbst nicht erwartet.