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Grenzgänger-Streit: Saarland-Fußballer unterliegt vor Steuergericht

Millionen-Streit um Grenzgänger-Regel : Fußball-Profi aus dem Saarland unterliegt vor höchstem Steuergericht

Fußball-Profis von Saar-Clubs wie dem 1. FC Saarbrücken konnten mit einem Wohnsitz in Frankreich lange Steuern sparen. Dann bat das Finanzamt sie nachträglich zur Kasse. Ein Kicker zog vor das höchste Steuergericht.

Niederlage für einen Profi-Fußballer vor dem Bundesfinanzhof: Er stand im Saarland unter Vertrag, hatte seinen Wohnsitz aber in Frankreich. Dadurch profitierte der Sportler von den Regeln für Grenzgänger, besteuert wurde er im Nachbarland. Dabei blieb es jedoch nicht, der Fall landete vor Gericht.

In der Vergangenheit warben der 1. FC Saarbrücken, die SV Elversberg oder der FC Homburg bei Neuverpflichtungen mit möglichen Steuervorteilen für Grenzpendler. Das Finanzamt befreite sie von der Lohnsteuer in Deutschland. Doch im Fall des Fußballers kassierte das Finanzamt seine Freistellungsbescheide im Februar 2019. Und forderte für die Jahre 2016 bis 2018 nun Steuern in unbekannter Höhe nach.

Offenbar kein Einzelfall, es könnte um Dutzende Betroffene gehen, eine Millionensumme. Zahlen kommentierten die Behörden nicht, es gilt das Steuergeheimnis. „Wir haben nichts falsch gemacht“, klagte ein FCS-Profi, als unsere Zeitung die Fälle im März 2019 öffentlich machte. „Das Finanzamt hat den Bock geschossen und will nun rückwirkend für drei Jahre Geld.“

Mindestens ein Berufssportler zog vor das saarländische Finanzgericht. Der Kicker sei zu Recht zur Kasse gebeten worden, befand das Gericht im September 2020 in einem Eilverfahren. Allerdings ließen die Richter eine Beschwerde beim Bundesfinanzhof (BFH) in München zu. Jetzt wird bekannt: Der BFH hat den Einspruch im Juni als unbegründet zurückgewiesen. Es bestünden „keine ernstlichen Zweifel an der Rechtmäßigkeit“ des Vorgehens des Finanzamts, heißt es in einem Beschluss, der unserer Zeitung vorliegt. Aber hat die Steuerbehörde vorher einen Fehler gemacht?

Der Hintergrund: Seit 2016 müssen Sportler, Künstler und Models ihre Einkünfte dort versteuern, wo sie arbeiten. So sieht es die sogenannte Sportlerklausel im Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Frankreich vor. Trotzdem hatten Fußballer saarländischer Vereine, die jenseits der Grenze leben, weiterhin Freistellungsbescheide ausgestellt bekommen. Das führte zu Nachfragen, als ein Ex-Bundesligaprofi nach Baden-Württemberg wechselte. Dort vertrat man die Ansicht, dass die Sportlerklausel die Grenzgängerregelung toppt. Dem schloss sich das Bundesfinanzministerium an, nachdem das saarländische Finanzministerium um eine Klärung gebeten hatte.

Wieso behandelten die hiesigen Steuerbehörden die Fußballer trotz Sportlerklausel wie Grenzgänger? Keiner habe die Sportlerregelung auf dem Schirm gehabt, auch nicht die Beamten im Finanzministerium, zeigte sich ein Vereinsvertreter nach Aufhebung der Freistellungsbescheide überzeugt. „Das ist denen unendlich peinlich.“ Dagegen erklärte das Haus von Finanzminister Peter Strobel (CDU) damals, man gehe davon aus, die Regelung gelte für „selbständige Sportler“, die wie im Tennis umherreisen, nicht aber für die Angestellten von Fußballklubs. Ähnlich argumentierte der Kläger, ohne die Richter am Bundesfinanzhof überzeugen zu können. Eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Arbeitnehmern konnten sie ebenfalls nicht erkennen, die Unterscheidung sei auf einen „vernünftigen, einleuchtenden Grund zurückzuführen“. Nicht ins Gewicht fiel für den BFH auch, dass sich der Regionalliga-Kicker „nach der Ligazugehörigkeit und den Statuten des Sportverbandes als Amateurspieler“ einstufte. Abgeschlossen ist der Fall nicht, bisher ging es nur um vorläufigen Rechtsschutz. Im Hauptverfahren vor dem Saarbrücker Finanzgericht steht nach SZ-Informationen die Entscheidung noch aus.