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Hygiene-Experten fordern strenge Maskenpflicht an Schulen im Saarland

Experten sprechen sich gegen weiteren Lockdown aus : Hygiene-Fachleute fordern strenge Maskenpflicht an Schulen im Saarland

Der Berufsverband der Hygieneinspektoren im Saarland fordert eine strenge Maskenpflicht in Schulen. Doch es geht in erster Linie nicht um die Aerosole. Was ist der Hintergrund dieser Forderung?

Der Berufsverband der Hygieneinspektoren Saar-Lor-Lux hat eine strenge Maskenpflicht für die Schulen nach dem Ende der Sommerferien gefordert. An einer Maskenpflicht führe kein Weg vorbei, sagte Henning Adam, Sprecher des Berufsverbandes, der SZ. „Man muss sich bewusst sein, dass die weitaus überwiegende Zahl der Infektionen in Schulen nicht auf Aerosole, sondern auf Tröpfchen zurückzuführen ist“, sagte Adam. In den saarländischen Schulen galt seit dem 17. Juni die Regelung, dass am Tischplatz in den Klassenräumen die Maskenpflicht aufgehoben ist. Die CDU-Landtagsfraktion hatte sich am Freitag ebenfalls für die Maskenpflicht ausgesprochen. „In der Regel werden nur der direkte Tischnachbar, nicht aber alle Schülerinnen und Schüler im gesamten Klassensaal betroffen sein“, erklärte Adam. Daher seien die AHA+L-Regeln nach wie vor das einzig wirksame Mittel. „Nur das Tragen von Masken verhindert die meisten Infektionen“, betonte der Sprecher des Berufsverbands, der in den sechs Saar-Gesundheitsämtern beschäftigte Hygieneinspektorinnen und Hygieneinspektoren sowie Gesundheitsaufseherinnen und Gesundheitsaufseher vertritt. In dem Verband sind nach Angaben der Internetseite derzeit 43 Mitglieder organisiert.

Was die Diskussion um die Lüftungsgeräte angehe, habe der Berufsverband auch eine klare Meinung, sagte Adam. Wenn solche Geräte eingesetzt würden, dann müssten diese mit einem Schwebstofffilter (Hepafilter), die mindestens die Filterklassen h13/h14 erfüllten, was mehr als 99,95 Prozent Abscheidegrad entspreche, ausgestattet sein. „Diese Geräte ersetzen aber keinesfalls das regelmäßige Querlüften in den Klassenräumen“, erklärte Adam. In Schulen würden Luftreiniger nur „minimale Effekte“ erzielen. „In schlecht zu lüftenden Räumen sind diese Geräte sicher sinnvoll, aber in gut zu lüftenden Räumen können Luftreinigungsgeräte die Fensterlüftung nicht ersetzen“, sagte der Hygiene-Fachmann.

Zudem machte sich der Berufsverbandssprecher beim Kampf gegen die erneut steigenden Zahlen von Corona-Infektionen für die Kontaktnachverfolgung bei Infektionsfällen stark. „Die Kontaktnachverfolgung in den Gesundheitsämtern wird in den nächsten Wochen und Monaten das Mittel sein, um einen Lockdown zu verhindern“, sagte Adam. Nur die Gesundheitsämter seien in der Lage, durch effektive Kontaktnachverfolgung Orte mit hohem Übertragungs-Potential und Infektionsherde aufzudecken. „Nur die Gesundheitsämter können durch intensive Ermittlung von Kontaktpersonen erkennen, ob Risikogruppen beteiligt sind oder ob die Gefahr besteht, dass ein Erregereintrag in Risikogruppen oder. vulnerable Einrichtungen passieren kann“, erklärte Adam. Nur die Hygienekontrolleurinnen und Hygienekontrolleure seien in der Lage, bei Bekanntwerden eines Infektionsgeschehens in einem sogenannten „Risikosetting“ sofort Maßnahmen einzuleiten, um die Infektionskette rasch und wirksam zu unterbrechen. Die Definition und das Management von engen Kontaktpersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko gestalte sich jedoch teilweise „immens schwierig“. Adam beklagte, dass die Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber den Maßnahmen, die notwendig seien, vor allem gegenüber Anordnungen von häuslicher Quarantäne, sinke.

Der Berufsverband der Hygieneinspektoren sei zudem dafür, dass ungeimpfte Personen zukünftig, um am Gesellschaftsleben teilhaben zu können, einen PCR-Test benötigten. „Das halten wir uneingeschränkt für gerechtfertigt, da wir beobachten, dass die Antigen-Schnelltests, bei Personen mit niedriger Viruslast Schwächen zeigen“, erklärte Adam. Antigentests könnten eine Infektion mit Sars-Cov-2 bei einer hohen Viruslast sicher erkennen. Ihre Zuverlässigkeit nehme jedoch leider mit sinkender Viruslast rasch ab, wie die Erfahrungen zeigten.

Im Weiteren gebe es Erkenntnisse, dass doppelt geimpfte Personen, die mit der Delta-Variante infiziert sind, in den ersten Tagen eine hohe Viruslast zeigten. Sie hätten in den ersten Tagen der Erkrankung vermutlich eine ähnlich hohe Viruslast wie ungeimpfte Personen mit Covid-19. Dies gehe aus den jüngsten Zahlen von Public Health England hervor. Eine Stu­die aus Singapur zeige jedoch, dass bei Menschen, die den vollen Impfschutz haben, die Viruslast bei einer Infektion mit der Delta-Variante nach einigen Tagen rasch zurückgehe. Diese sogenannten „Durchbruchinfektionen sind selten, werden uns im Herbst aber vermehrt beschäftigen“, lautet die Prognose des Sprechers des Berufsverbands.

„Der Berufsverband der Hygieneinspektoren spricht sich klar dafür aus, auch bei steigenden Infektionszahlen keinen weiteren harten Lockdown in Erwägung zu ziehen“, betonte Adam. Die Entscheidungen müssten immer abhängig von der aktuellen Situation in den Krankenhäusern insbesondere auf den Intensivstationen und der Lageeinschätzung der Gesundheitsämter getroffen werden. Auch wenn die Inzidenzen nach oben gingen, sei dies immer noch kein Grund, über neue Einschränkungen nachzudenken, wenn die Belegung der Intensivstationen mit Covid-19 Patienten weiterhin niedrig bleibe, so Adam. Ausbruchsgeschehen und Infektions-Zusammenballungen würden sicher auftreten. „Nach der Ferienzeit auch gehäuft. Sie werden aber durch die Gesundheitsämter spezifisch eingedämmt werden können, so dass auch diesbezüglich keine ,Gefahr im Verzug’ ist“, betonte der Hygiene-Fachmann.

Jetzt müssten von der Politik Maßnahmen getroffen werden, um die Impfbereitschaft, insbesondere bei den jüngeren Menschen zu erhöhen, lautet der Appell des Berufsverbands. „Der Zeitpunkt wurde unserer Meinung nach schon verpasst“, kritisierte Adam. „Wenige Impfskeptiker, werden sich für eine Prämie oder eine Bratwurst impfen lassen.“ Diese Ideen seien nicht zu Ende gedacht, meinte Adam. Die nicht ausreichende Impfquote bei den jüngeren Bürgern sei der Faktor, der den Hygiene-Fachleuten bereits jetzt und mit Hinblick auf den Herbst „immense Schwierigkeiten“ mache, da sie bemerkten, dass sich viele junge Menschen infizierten.