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Joachim Arnold: Zeltpalast-Chef will in Merzig Impfzentrum aufbauen, darf aber nicht

Zeltpalast-Unternehmer : Warum bekommt Joachim Arnold in Merzig keine Genehmigung für ein Impfzentrum?

Der Unternehmer Joachim Arnold verzweifelt an der Bürokratie. Er ist seit Ende November startklar, um im Zeltpalast Merzig täglich bis zu 1000 Menschen zu boostern. Aber er darf nicht loslegen. Warum nicht?

Omikron rollt an, die Hütte brennt, jede Impf-Hand wird bis Ende des Jahres gebraucht. Nur als Notruf lassen sich die Botschaften der letzten 14 Tage aus der Politik  deuten. „Ich bin dankbar für jeden Arzt und jedes Impfzentrum, das impft!“ Das hörte man just am Mittwoch beim ZDF-Jahresrückblick von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). Von solcherart Äußerungen muss sich der  Merziger Unternehmer Joachim Arnold (Musik und Theater Saar) mittlerweile provoziert fühlen. Denn er könnte im Saarland auf Anhieb für eine enorme Beschleunigung des Impftempos sorgen, also den „Turbo“ einlegen, den Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) kürzlich versprach. Arnold hat nämlich ein zusätzliches Impfzentrum startklar, doch seit Ende November wartet er auf ein Go – sei es vom Land, vom Landkreis oder der Kommune Merzig.

Wie das Boostern funktioniert

Als die ersten Alarm-Meldungen kamen, dass bis Ende des Jahres nicht genug geimpft werden könne, wurde Arnold, fix, wie er nun mal ist, aktiv. In seinem Merziger Zeltpalast zog er ein Impfzentrum hoch, ganz nach dem Modell der vier Impfzentren, die das Land in Saarbrücken, Neunkirchen, Büschfeld und Saarlouis unterhält. Das war kein Hexenwerk, denn Arnold hat bereits Erfahrung auf diesem Feld, er betreibt ein Testzentrum im Zeltpalast. 

Zehn Impfkabinen sind vorhanden, Parkplätze sowieso, ein digitales Termin-Buchungssystem ist installiert, bis zu 20 Ärzte und medizinisch-technisches Personal stehen auf Abruf bereit, sogar eine mediale Informationsstrategie wurde vorbereitet. „Wir sind sofort betriebsbereit. Wir könnten im Drei-Minuten-Takt jeden Tag bis zu 1000 Menschen boostern“, sagt Arnold. Denn Auffrischungsimpfungen lassen sich weit schneller durchführen als Erstimpfungen, bei denen eine Aufklärung erfolgen und viel mehr dokumentiert werden muss. Arnold will sich ausschließlich auf das Boostern von Menschen ab 30 Jahren konzentrieren – mit dem Impfstoff Moderna. Denn in den Kampf um den Impfstoff Biontech, den vor allem Ärzte nachfragen, weil ihre Patienten darauf bestehen, möchte er sich nicht begeben: „Den Ärzten soll nichts weggenommen werden.“

Unkompliziertes, schnelles Impfen in Merzig

Doch die Bürger sollen es unkompliziert und bequem haben. Anders als bei vielen anderen Kurzzeit-Impfaktionen, die Kommunen oder Vereine jetzt überall forcieren, müsste im Zeltpalast, so Arnold, niemand stundenlang anstehen, denn geimpft werde nur mit Termin. „Unser Vorteil ist das systematische, schnelle Arbeiten“, so Arnold.

 Anders als viele, mitunter auch Ärzte, die ihre Teilnahme an der Impfkampagne gerne als sozialen Akt  darstellen, macht Arnold keinen Hehl aus seinem ökonomischen Interesse. Wobei er zunächst einfach nur schnelle Hilfe anbieten wollte und jetzt auch bereit wäre, die gesamte Infrastruktur einfach nur an eine staatliche Stelle weiterzugeben. Für kleines Geld, Hauptsache, die gute Sache käme überhaupt ins Laufen. „Es ist doch Wahnsinn, dass alle nach schnellem Boostern rufen, und wir hier alles haben, um es zu realisieren, es dann aber nicht machen dürfen.“

Impfzentrum kommt nicht in Gang

Ähnlich enttäuscht ist Dr. Achim Schweitzer, den Arnold als ärztlichen Leiter des Zeltpalast-Impfzentrum gewinnen konnte. Der Unfallarzt sieht im Zeltpalast-Modell „ideale Voraussetzungen“: „Wir könnten unterstützend tätig sein, das war meine Motivation“, sagt er der SZ. Doch Schweitzer hält die Idee schon wieder für beerdigt: „Es wird jetzt überall geimpft, in den Impfzentren gibt es genügend Termine.“ Trotzdem werden er und Arnold nicht schlau daraus, warum ihnen niemand im Land das Rundum-Sorglos-Paket abnimmt.

Impfstoff scheint knapp

Der Knackpunkt scheint die große Impfstoff-Menge zu sein, die der Zeltpalast kontinuierlich bräuchte, zusätzlich zu dem, was in den vier Impfzentren des Landes zur Verfügung stehen muss. Und das in einer Phase, da über Impfstoffmangel im Frühjahr spekuliert wird. Bekanntlich hat der Bund sowieso schon eine Rationierung für die Ärzte verfügt, nur rund 30 bis 40 Dosen wöchentlich werden über die Kassenärztliche Vereinigung jeder Arztpraxis zugeteilt. Die Kommunen haben allerdings Zugriff auf Zusatz-Mengen, die ausschließlich für Sonder-Impfaktionen beim Land abgerufen werden können. Letztere sind zeitlich begrenzt und enden, wenn der Impfstoff verimpft ist. Doch Arnolds Impfzentrum soll ja kontinuierlich arbeiten. Also fällt das Projekt  zwischen die bürokratischen und rechtlichen Ritzen.

Privates Impfzentrum nicht vorgesehen

Der Mailverkehr, den Arnold mit dem Gesundheitsministerium, dem Landkreis und der Stadt Merzig führte und der der Saarbrücker Zeitung in Teilen vorliegt, offenbart in den Behörden guten Willen. Freilich auch die Tendenz, die Problemlösung an andere Stellen weiterzureichen, ohne selbst ins Risiko zu gehen. Denn ein privat betriebenes Impfzentrum wäre ein Novum. Und soll es deshalb lieber wohl nicht geben. Eine Mail aus dem Gesundheitsministerium hält ohne weitere Erklärung fest, Impfzentren könnten nicht auf privater Ebene betrieben werden. Das könnten sie wohl schon, wie der Fall Arnold zeigt, aber man lässt es offenbar nicht zu.