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Krankenhaus-Plan für Saarland – Folgen für Diakonie-Klinik in Neunkirchen

Mehr als 1 Milliarde Euro für die Kliniken : Neuer Krankenhausplan für das Saarland: Was das für die Diakonie in Neunkirchen bedeutet

Weniger Betten, mehr Ausbildungsplätze: Das Saarland stellt einen überarbeiteten Krankenhausplan vor. Das hat auch für das zum Verkauf stehende Diakonie-Klinikum in Neunkirchen Konsequenzen.

Manchmal wird die Zukunft von der Gegenwart überholt. 85 Millionen Euro sollten in den nächsten Jahren in das Diakonie-Klinikum Neunkirchen fließen. So sah es die Fortschreibung des Krankenhausplans für das Saarland vor, die Gesundheitsministerin Monika Bachmann und ihr Stellvertreter Stephan Kolling (beide CDU) am Mittwoch vorstellten.

Doch auch das Gesundheitsministerium wurde offenbar davon überrascht, dass die Stiftung Kreuznacher Diakonie das 2015 übernommene, ehemals städtische Krankenhaus verkaufen will. Und das, obwohl im Ministerium seit April auch mit diesem Träger über die Zukunft der Kliniken im Saarland verhandelt worden war.

Anfang dieses Monats soll dann ein Schreiben der Kreuznacher Diakonie im Ministerium eingegangen sein, in dem ein Markterkundungsverfahren zum Verkauf des innerstädtischen Krankenhauses angekündigt wurde. „Es wird, hoffe ich, zu einem Trägerwechsel kommen“, sagte Bachmann. „In Neunkirchen gehört ein Krankenhaus in die Stadt.“ Man stehe zu dem, was an Geldern zugesagt worden sei, betonte die Ressortchefin. Die Ministerin bezeichnete Neunkirchen als einen „Zukunftsstandort“ .

Ursprünglich hatte der Krankenhausplan vorgesehen, die Bettenzahl für die stationäre Behandlung im Saarland um 500 auf 6902 zu steigern. Diese Betten dienen der Versorgung von Patienten, die über eine längere Zeit ununterbrochen im Krankenhaus bleiben, mindestens aber einen Tag und eine Nacht. Nun sollen es weniger Betten werden, bis 2025 sind 6771 angepeilt. Dafür wird eine größere Erhöhung der Plätze in Tageskliniken angestrebt, statt 490 sind in der Planung nun 536 Plätze festgeschrieben.

Deutlich ansteigen soll die Zahl der Ausbildungsplätze in den Gesundheitsfachberufen. Hier war im Krankenhausplan für 2025 eine Zielmarke von 2607 Plätzen formuliert worden. Mehr als zwei Drittel entfielen auf die Gesundheits- und Krankenpflege. Im überarbeiteten Plan finden sich nun 2821 Stellen. „Dazu gibt es für uns keine Alternative, wenn man dem Fachkräftemangel begegnen will“, erklärte die Gesundheitsministerin.

Bachmann sprach von einer „guten Fort- und Weiterentwicklung“ der Strukturen. Konkret ging die Ministerin auf die bevorstehenden Veränderungen in der Krankenhauslandschaft ein. Die katholische Caritas-Trägergesellschaft Saarbrücken (CTS) will das Krankenhaus St. Josef in Dudweiler, bekannt als „Kloschder“, in vier Jahren schließen und die Betten auf den Rastpfuhl verlagern. Der Neubau eines Bettenhauses wird mit rund 70 Millionen Euro veranschlagt. Davon sollen rund 44 Millionen vom Land, 22 Millionen aus Berlin und 3,5 Millionen Euro vom Träger selbst kommen. Bachmann bezeichnete das als „Strukturbereinigung“ im Regionalverband Saarbrücken.

Nach dem Ende für das Haus in Wadern hatte ihr Ministerium einen Investor für eine Nordsaarlandklinik mit 290 Betten gesucht. Nun planen die Saarland-Heilstätten (SHG) das Hochwald-Klinikum, einen Campus mit einem Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) und deutlich weniger Betten. Dennoch zeigte sich Bachmann erfreut, „endlich eine Lösung für das Nordsaarland gefunden“ zu haben. Dafür stehen 16 Millionen Euro im Investitionsplan. Die Förderquote liegt bei über 80 Prozent.

Zur Behandlung von Herzinfarktpatienten sieht der Krankenhausplan neue Versorgungsaufträge für das Knappschaftsklinikum in Sulzbach und das Merziger SHG-Klinikum vor. Ebenfalls in Merzig und im Marienkrankenhaus St. Wendel sollen überregionale „Stroke Units“ für Menschen mit einem Schlaganfall entstehen. „Es werden aber auch Abteilungen geschlossen“, räumte die Ministerin ein. Sie nannte neben der Gefäßchirurgie und der Urologie am Neunkircher Diakonie-Klinikum auch die Kinderchirurgie des Marienkrankenhauses in Saarlouis. „Das Beharren in festgefahrenen Strukturen darf nie die Lösung sein.“

Bachmann und ihr Staatssekretär Kolling wagten auch einen Ausblick über das Jahr 2025 hinaus. 843 Millionen Euro will die öffentliche Hand bis 2039 für Investitionen in die Krankenhäuser bereitstellen. Das Geld kommt aus verschiedenen Töpfen. So hatte die Landesregierung im vergangenen Jahr als Reaktion auf die Corona-Krise einen Nachtragshaushalt in Rekordhöhe auf den Weg gebracht. Er umfasste auch 125 Millionen Euro, die bis 2022 für Baumaßnahmen an die Kliniken gehen sollen. Eingerechnet sind auch die Haushaltsmittel der nächsten Jahre und Fördermittel des Bundes. Die Betreiber sollen den enormen Betrag durch einen Eigenanteil auf 1,1 Milliarden Euro steigern. „Das ist ein Betrag, den hat es in der Geschichte des Saarlandes noch nicht gegeben“, erklärte Kolling. Für dieses Jahr bezifferte er die zur Verfügung stehenden Mittel auf 82 Millionen Euro. Der Staatssekretär listete einige Investitionsprojekte auf. Neben den 85 Millionen für Neunkirchen und 70 Millionen Euro, die auf dem Saarbrücker Rastpfuhl verbaut werden sollen, stehen im Plan auch 48,5 Millionen Euro für einen Neubau in Merzig und 30 Millionen Euro für ein Bettenhaus in Lebach. Die dortige Klinik stand 2020 noch vor dem Aus.