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Kritik an G9-Reform - Hat Saarland bald nur noch "Gymnasium light"?

Elternvertretung kritisiert G9-Reform : Hat das Saarland bald nur noch ein „Gymnasium light“?

Am Mittwoch bringt die SPD-Landesregierung ihren Entwurf zur G9-Wiedereinführung in den Landtag ein. Die Landeselternvertretung kritisiert den Gesetzesentwurf und spricht von einem „Gymnasium light“. Die CDU-Fraktion im Saar-Landtag schließt sich dieser Kritik an.

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Die Landeselternvertretung der Gymnasien (LEV Gym) im Saarland kritisiert den Umgang der SPD-Landesregierung mit Verbesserungswünschen der Elternvertreter bei der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9). Ein entsprechendes Gesetz wird am kommenden Mittwoch in den Landtag eingebracht.

Zu geringe Zahl der Wochenstunden bis zum Abitur

„Leider beschleicht uns der Eindruck, dass alle Entscheidungen bereits getroffen worden sind“, sagt Katja Oltmanns, Vorsitzende der Landeselternvertretung Gymnasien. „Wir werden uns langfristig wohl mit einem Gymnasium ‚light‘ im Saarland begnügen müssen“, erklärt die Elternvertreterin, die auch das Volksbegehren „G9-Jetzt“ auf den Weg brachte. Konkret kritisiert die LEV Gym an der G9-Reform, dass die Anzahl der Wochenstunden bis zum Abitur im Saarland im Vergleich zu anderen Bundesländern gering sei.

Des Weiteren gefällt den Elternvertretern die neue Schwerpunktsetzung bei den Schulfächern nicht und sie befürchten die Reduzierung von fachlichen Lehrinhalten zugunsten von kompetenzorientiertem Unterricht. Insgesamt werde das Gymnasium so abgewertet und die Studierbefähigung als Bildungsziel des Abiturs ausgehöhlt. „Die Bildungsministerin täte gut daran, das erste große Projekt der Landesregierung nicht zum Schlusslicht im Bundesvergleich der gymnasialen Bildung werden zu lassen,“ betont Oltmanns.

Theis spricht von „verkorkster Reform“

Die G9-Reform müsse zu einer Stärkung des Gymnasiums, zu besserer Bildung führen, sagt Roland Theis, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, die die Kritik der Elternvertreter unterstützt. „Wenn die Umstellung auf G9 lediglich dazu führt, dass wir den Schülerinnen und Schülern ein Jahr Zeit wegnehmen, ohne dass man am Ende was davon hat, dann ist das eine verkorkste Reform“, meint Theis. Das Bündel an Vorschlägen der Landeselternvertreter zur G9-Reform, sei vom Bildungsministerium „Null berücksichtigt worden“, so Theis.

Von einer Abstufung des Gymnasiums oder einem „Gymnasium light“ durch die G9-Reform könne nicht die Rede sein, so Timo Ahr, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion. „Wir sind der Meinung, dass die Reform mit den Schulen und dem Lehrpersonal ordentlich aufgearbeitet wurde“, sagt Ahr.

Dörr für Wahlmöglichkeit der Gymnasien zwischen G8 und G9

Die AfD-Fraktion ging nicht direkt auf die Kritik der Elternvertreter ein, ließ aber kein gutes Wort an der G9-Reform der Landesregierung. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Josef Dörr sprach sich dafür aus, dass Gymnasien sich individuell zwischen G8 und G9 entscheiden können.

Die SPD-Landesregierung habe keine Ideen, wie die Reform umzusetzen sei, und auch kein Gedächtnis. So sei die Reform der achtjährigen Volksschule in der Nachkriegszeit einfach umgesetzt worden, indem man den Unterricht um ein Jahr verlängert habe, um den Lernstoff so durchzunehmen. Es sei damals nicht notwendig gewesen, die Lehrpläne anzupassen, erklärte der Ex-Förderschulrektor Dörr.