1. Saarland
  2. Landespolitik

Maas war beim Ford-Chef in Detroit: Wie sind die Chancen für Saarlouis?

Bundesaußenminister beim SZ-Redaktionsgespräch : Nach Gespräch mit Ford-Chef: Maas sieht Chancen für Ford-Werk Saarlouis

Besuche von Außenministern bekommt Ford-Boss Jim Farley höchst selten. Heiko Maas (SPD) aber war jetzt dort. Und bringt aus Detroit Hoffnungssignale für die Arbeiter im Saarlouiser Werk mit.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hat zum Redaktionsbesuch bei der Saarbrücker Zeitung am Donnerstag hoffnungsfrohe Botschaften für den Ford-Standort in Saarlouis mitgebracht. „Ich bin zum Ford-Chef Jim Farley nach Detroit geflogen und habe lange in seinem Büro mit ihm gesprochen. Er wusste auch, warum ich komme“, sagte Maas, der im Wahlkreis Saarlouis als Direktkandidat bei der Bundestagswahl gegen seinen Kabinettskollegen, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), antritt und Spitzenkandidat auf der SPD-Landesliste ist. Ford-Boss Farley habe ihm gesagt, es sei ungewöhnlich, dass er von Außenministern besucht werde. „Das ist das, was die Ford-Mitarbeiter in Saarlouis von mir erwarten“, so Maas. Man könne mit dem Ford-Chef Farley über vieles reden, über den Klimawandel, China oder Wettbewerbsbeschränkungen.

Maas: Zukunft von Ford-Werk Saarlouis „noch nicht gefallen“

Das habe die Bereitschaft bei Farley erhöht, sich anzuhören, worum es ihm gehe, betonte Maas. „Ich habe den Eindruck gehabt, dass die Entscheidung über die Zukunft des Ford-Standorts noch nicht gefallen ist“, so der Saarlouiser, der heute seinen Hauptwohnsitz in Berlin hat. Aber in Detroit und in Köln setze man sich sehr ernsthaft mit der Zukunftsfrage des Werks in Saarlouis, in dem knapp 5000 Menschen beschäftigt sind, auseinander. „Am Ende geht es um die Entscheidung, ob in Valencia oder in Saarlouis ein E-Fahrzeug produziert wird“, sagte Maas. Deutschland sei mit Abstand der größte Markt für die in Saarlouis hergestellten Fahrzeuge. Der Ford-Absatz in Großbritannien gehe wegen des Brexit weiter zurück. Es sei völlig unmöglich den Absatz in Deutschland zu halten, wenn man ein so großes Werk wie in Saarlouis zumachen würde, meinte Maas. „Das kann nicht leise geschehen.“ Insofern spielten neben den Fragen der Kosten und der Produktivität auch die Fragen des Umfelds rund ums Saarlouiser Ford-Werk eine Rolle.

Maas sprach das geplante SVolt-Autobatterien-Werk auf dem Linslerfeld in Überherrn an. „In Detroit und Köln überlegt man sich sehr, sehr gut, ob man dem deutschen Markt das zumutet. Und dann noch glaubt, anschließend deutlich mehr Fahrzeuge in Deutschland zu verkaufen“, so Maas. „Ich bin zuversichtlich für den Erhalt des Standorts Saarlouis“, betonte Maas. Wenn man alle Zahlen zusammennehme, könne er sich nicht vorstellen, dass es eine Entscheidung gegen Saarlouis gebe.

Maas: „Jetzt sieht man, wie viel die CDU ohne Angela Merkel wert ist“

Zuversichtlich blickt Maas auch auf die Chancen der SPD und von Kanzler-Kandidat Olaf Scholz bei der Bundestagswahl in eineinhalb Wochen, an der der Außenminister per Briefwahl teilnehmen möchte, da er erst kurz vorher von der UN-Vollversammlung in New York zurückkehrt. Wohl um die guten Umfragewerte für die SPD wissend berichtete Maas lächelnd von der „hohen Seriosität und Ernsthaftigkeit“ des Vizekanzlers Scholz. „Jetzt sieht man, wie viel die CDU ohne Angela Merkel wert ist – dramatisch weniger“, sagte Maas in klassischer Wahlkampf-Pose. Ohne Merkel habe die CDU ein Identifikationsproblem. Und Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet habe ein Problem, seine Inhalte zu vermitteln. Das Lachen von Laschet bei der Ansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu den Opfern der Flutkatastrophe sei nicht der alleinige Grund für die öffentliche Wahrnehmung des Unions-Kandidaten.

Doch wie ist es um die Einigkeit in der SPD bestellt? „Die SPD hat außerordentliche Erfahrungen im Massakrieren der eigenen Kanzlerkandidaten“, bekannte Maas. Aber diesmal habe man es sich vorgenommen, das nicht zu tun. Auch nach der Bundestagswahl werde es in der SPD keinen Streit zwischen der Parteiführung um Saskia Esken und Norbert Walter Borjans und Kanzlerkandidat Scholz geben. „Es wird keine Koalition geben, die Olaf Scholz nicht will“, sagte Maas. Eine Ampelkoalition nach der Wahl sei „am wahrscheinlichsten“.

Die Frage nach der Koalitionsfähigkeit der Linkspartei könne er nur schwer beantworten. Er wisse nicht, wer überhaupt noch Linkspartei sei. Ob etwa Oskar Lafontaine, der am Donnerstag seinen 78. Geburtstag feierte und in den 1990er Jahren als SPD-Ministerpräsident die politische Karriere von Maas (Saar-Umweltminister 1998/99) förderte, noch Linkspartei sei, sei die Frage. „Nicht bei jedem, dem ich nicht zum Geburtstag gratuliere, ist das Tischtuch zerschnitten“, sagte Maas.

Rücktrittsforderungen an ihn in Afghanistan-Krise haben Maas beschäftigt

Auf dem Höhepunkt der Afghanistan-Krise nach dem Sieg der Taliban im August sei es schwer gewesen, nicht über einen Rücktritt als Außenminister nachzudenken. Zumal wenn man täglich in den Medien lese, wer alles seinen Rücktritt gefordert habe. „Natürlich ist das etwas, was einen beschäftigt“, räumte Maas ein. Aber es sei ihm aufgrund der Dramatik der Situation sehr schnell klar gewesen, dass man unabhängig von politischen Verantwortungsdebatten die militärische Evakuierung durchziehen musste – und die „Phase zwei“ einleiten: die einheimischen Helfer der Deutschen aus dem Land, das nun die Islamisten beherrschen, herauszuholen. „Ich habe mich dafür entschieden, das zu tun“, betonte Maas. 85 Prozent der einheimischen Helfer der Bundeswehr seien bereits evakuiert. Für die tausenden zivilen Helfer, die noch im Land seien, werde jetzt nach Möglichkeiten gesucht, diesen sowohl über den Luftweg  als auch über den Landweg eine Ausreise aus Afghanistan zu ermöglichen. Es gebe bereits wieder zivile Flüge von Kabul nach Katar. Auch nach Pakistan könnten gruppenweise Ortskräfte ausreisen, ausgestattet mit deutschen Durchgangspapieren. Aber ein Exodus der Ortskräfte sei für Pakistan auch eine schwierige Situation, so der Außenminister. Der bereits vor dem nächsten Problem in Mali steht, wo die Regierung in Bamako die berüchtigte russische Söldner-Truppe Wagner als Ausbilder ins Land holen will. „Das wird in New York bei der UN-Vollversammlung zur Debatte stehen“, sagte Maas.