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Oskar Lafontaine widerspricht Wissenschaftler in Debatte um Corona-Impfung

Linken-Politiker lässt nicht locker : Debatte um Corona-Impfung: Oskar Lafontaine widerspricht Wissenschaftler

Die SZ hat vor einigen Tagen die Stellungnahme eines führenden Wissenschaftlers zu den Impf-Thesen Oskar Lafontaines veröffentlicht. Nun widerspricht der Linken-Fraktionschef dessen Aussagen.

Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Oskar Lafontaine, hat den Fakten-Check in der SZ zu seinen Impf-Thesen kritisiert und zentralen Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Immunologie widersprochen. „Da es in der Wissenschaft zu den aufgeworfenen Fragen verschiedene Meinungen gibt, ist es methodisch problematisch, einen Wissenschaftler darüber entscheiden zu lassen, ob meine Auffassungen richtig oder falsch sind“, erklärte Lafontaine.

Die SZ hatte die wissenschaftliche Fachgesellschaft gebeten, einige seiner Thesen zu kommentieren. Dies tat Carsten Watzl, Professor für Immunologie.

Entgegen dessen Aussage beharrt Lafontaine auf der Einschätzung, dass die Wirksamkeit der bislang zugelassenen Impfstoffe massiv überschätzt worden sei. Man sei davon ausgegangen, dass Geimpfte andere nicht mehr oder kaum noch anstecken könnten, daher habe man an die Erreichbarkeit der Herdenimmunität geglaubt, so der Linken-Politiker. Er verwies auf den Biontech-Gründer Ugur Sahin, der am 27. Februar prognostiziert hatte, dass die Zahl der PCR-positiven und somit potenziell ansteckenden Menschen nach der Impfung um 92 Prozent zurückgehen werde. Watzl hatte hingegen gesagt, die Impfstoffe täten immer noch genau das, was sie tun sollten: Sie schützten vor einem schweren Verlauf. Zwar lasse der Schutz vor der reinen Infektion nach. Das sei allerdings nur der „Bonus“ gewesen, auch wenn das manchmal nicht so kommuniziert worden sei.

 Lafontaine kritisierte zudem Watzls Hinweis auf Studien, nach denen die Geimpften  „wahrscheinlich“ auch ein Jahr nach der zweiten Impfung vor einem schweren Verlauf geschützt seien. Damit stelle er die jetzigen Booster-Kampagnen und die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission in Frage, sich nach fünf oder sechs Monaten impfen zu lassen. Lafontaine verwies auf Forschungsergebnisse der Uniklinik in Homburg, nach denen der Corona-Impfschutz nach sechs Monaten auf ein Zehntel seines ursprünglichen Wertes sinke.

 Zudem bezweifelt Lafontaine weiterhin, dass eine höhere Impfquote Deutschland vor einer vierten Welle geschützt hätte. Mit Blick auf Staaten, die eine höhere Impfquote, aber dennoch Probleme haben, hatte Watzl gesagt: Man müsse nicht auf die gesamte Impfquote schauen, sondern auf die Impfquote unter den Vulnerablen (Personen mit höherem Infektions-Risiko) und den über 60-Jährigen. Wenn man die Entwicklung einer Pandemie in den einzelnen Ländern vergleichen wolle, widerspricht nun aber Lafontaine, sei es schon sinnvoller, die gesamte Bevölkerung zu betrachten. Unstrittig ist allerdings, dass eine höhere Impfquote zu weniger Krankenhaus-Behandlungen geführt hätte, denn die weitaus meisten schweren Fälle in den Kliniken sind ungeimpft.

 Lafontaine sagte, die bisherige Entwicklung der Pandemie habe gezeigt, dass es ständig neue Erkenntnisse gebe. „Es gibt keine Antworten, die unumstößlich und allgemein gültig sind. Gerade deshalb brauchen wir eine lebendige Diskussion und einen fairen und sachlichen Umgang mit unterschiedlichen Auffassungen.“

 Auf das Robert-Koch-Institut (RKI) wird sich Lafontaine bei seiner Aussage, dass Spätfolgen der Impfung möglich seien, künftig nicht mehr berufen können. Zwar ist in einer Broschüre, die vom RKI mitherausgegeben wird, tatsächlich von möglichen Spätfolgen die Rede (die es nach Überzeugung von Virologen und Immunologen aber gar nicht geben kann, weil der Impfstoff nach Wochen aus dem Körper verschwunden ist). Eine RKI-Sprecherin sagte der SZ jedoch: „Das RKI ist nicht Autor des Impfbuchs, und wir finden diese Stelle auch sehr unglücklich formuliert.“ Eine Änderung sei in Arbeit.