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Parteimitglieder: Das sind die Gewinner und Verlierer im Saarland

Ein großer Gewinner : Parteimitglieder-Statistik: Das sind die Gewinner und Verlierer im Saarland

Die Entwicklung der Vorjahre hält an. Eine Partei verzeichnet im Saarland deutliche Gewinne.

Die Kraftlinien der gesellschaftlichen Veränderung prägen immer deutlicher das Parteiensystem. Der Zerfall der einst festgefügten Milieus, vor allem des katholischen und gewerkschaftlichen, verdrängt mit zunehmender Wucht Organisationen, an die man sich früher ein Leben lang band. Das trifft kaum eine Institution so hart wie die Parteien. Im Saarland besonders deutlich, weil die Milieus – und in der Folge auch die mit ihnen verbundenen Parteien – besonders stark waren (und teilweise immer noch sind).

Es gibt allerdings einen Gewinner, und das sind die Grünen. Sie gewinnen gegen den allgemeinen Trend deutlich Mitglieder hinzu, weil sie eine Strömung der gesellschaftlichen Öffnung (Migration, Familienmodelle) und des Postmaterialismus (Klimaschutz) verkörpern, die durch den Wertewandel der vergangenen Jahrzehnte immer stärker geworden ist.

Statistische Auswertungen des Berliner Parteienforschers Professor Oskar Niedermayer, kürzlich in der „Zeitung für Parlamentsfragen“ erschienen, legen die Entwicklungen der Parteien offen.

Demnach verteidigt die CDU ihren 2019 errungenen Status als mitgliederstärkste Partei im Saarland. Sie verliert zwar auch beständig Mitglieder (zuletzt 2,9 Prozent pro Jahr), aber nicht so stark wie die SPD, die mit minus 4,9 Prozent binnen Jahresfrist im Vergleich der 16 sozialdemokratischen Landesverbände 2020 erneut den stärksten Verlust verkraften musste.

Wie gewaltig die gesellschaftlichen Veränderungen sind, erkennt man daran, dass die SPD im Saarland 1990 noch über 40 000 Mitglieder hatte, Ende 2020 nur noch 15 194. Die CDU kommt auf 15 565 Mitglieder, doch auch sie hatte in den 1980er Jahren zeitweilig über 30 000 Mitglieder. Beiden großen Parteien sterben die Mitglieder weg, das Durchschnittsalter liegt um die 60 Jahre. Relativierend muss man allerdings dazusagen, dass CDU und SPD im Saarland, bezogen auf die Gesamtbevölkerung, immer noch rund 2,5 Mal so viele Mitglieder organisieren wie im Schnitt der westdeutschen Bundesländer.

Größter Gewinner sind die Grünen: Sie legten im vergangenen Jahr um zehn Prozent auf 1902 Mitglieder zu. Seit der vergangenen Landtagswahl 2017 ist das ein sattes Plus von 40 Prozent, in diesem Jahr stieg die Mitgliederzahl weiter. Der Anstieg geht zum großen Teil auf den Ortsverband Saarlouis unter Hubert Ulrich zurück. Nach den Zerwürfnissen rund um den Parteitag vom 20. Juni gab es zwar Austritte, doch wie hoch deren Zahl ist, dazu gibt es keine Angaben. Das herauszufinden, werde „noch etwas Zeit ist Anspruch nehmen“, lässt der Landesvorstand mitteilen.

Die FDP stürzte auf 915 Mitglieder ab (minus 5,9 Prozent), was eine glatte Halbierung seit 2009 bedeutet. Allerdings verzeichnet die Partei in diesem Jahr laut Landeschef Oliver Luksic eine Trendwende in Richtung 1000.

Die Linke büßte binnen Jahresfrist knapp zehn Prozent ihrer Mitglieder ein und kommt noch auf 1693 Mitglieder. Seit 2009 hat sich die Mitgliederzahl hier also mehr als halbiert. Die AfD verharrt mit 488 Mitgliedern, einem Plus von einem Prozent, auf niedrigem Niveau – sie kann davon, dass sie bei polarisierenden Themen wie der Migration oder der gesellschaftlichen Liberalisierung (etwa Genderpolitik) der Gegenpol zu den Grünen ist, zahlenmäßig nicht profitieren. Ihre Mitgliederzahl entspricht in etwa jener, die die Piraten in ihren besten Zeiten im Saarland hatten.