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Präsenzunterricht an Schulen im Saarland nach den Sommerferien

Corona-Lage im Saarland nach den Sommerferien : Lehrer halten Einschränkungen im neuen Schuljahr für möglich

Weitestgehend normaler Präsenzunterricht lautet das Ziel von Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD). Lehrerverbände mahnen zur Vorsicht.

Gerade erst haben die Sommerferien im Saarland begonnen, da regen sich schon Bedenken, wie es ab dem 30. August, wenn das neue Schuljahr beginnt, weitergeht. So erwartet der Präsident des Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, auch im kommenden Schuljahr große Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie. Meidinger äußerte in der Tageszeitung „Die Welt“ die Befürchtung, dass wegen der besonders ansteckenden Delta-Variante des Virus Hunderttausende Schüler in Quarantäne müssen. „Niemand kann ausschließen, dass wir wegen der Delta-Variante und der mangelnden Impfquote eine enorme vierte Welle bekommen, in der dann auch wieder Wechselunterricht nötig wird.“

Meidinger rief die Politik zu Ehrlichkeit auf. „Wer jetzt verspricht, dass es im nächsten Jahr auf jeden Fall vollständigen Präsenzunterricht geben wird, begibt sich auf dünnes Eis“, sagte der Verbandspräsident. „Präsenzunterricht um jeden Preis bedeutet, die Durchseuchung der Schulen in Kauf zu nehmen. So ehrlich sollte Politik das schon sagen.“

Am letzten Schultag hatte Saar-Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot (SPD) ihr Ziel für das neue Schuljahr klar formuliert: „Wir wollen einen weitestgehend normalen Präsenzunterricht für alle Schülerinnen und Schüler ermöglichen. Dafür sind wir gut vorbereitet.“ Sie sei zuversichtlich, dieses Ziel erreichen zu können. „Um das Eintragen von Corona-Infektionen in unsere Schulen nach den Ferien möglichst zu verhindern, setzen wir auf Schnelltests.“ Dazu haben die Schülerinnen, Schüler, Lehrkräfte und alle anderen Beschäftigten an den Schulen je zwei Testkits erhalten, die sie unmittelbar vor dem Schulstart benutzen sollen. Darüber hinaus würden in den ersten beiden Wochen an den Schulen die Testungen so durchgeführt werden, „wie wir das jetzt auch kennen“, sagte die Ministerin. Also verpflichtende Tests für alle zwei Mal pro Woche. „Auch jenseits des Testens haben wir mit Masken und dem Lüften bewährte Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, auf die wir bei Bedarf jederzeit kurzfristig zurückgreifen können.“ Ob zum Schulstart für eine Übergangsphase erneut auch eine erweiterte Maskenpflicht – währen des Unterrichts - zum Tragen kommt, „wird die Landesregierung entsprechend der Pandemielage rund zwei Wochen vor Ferienende entscheiden“.

Schon Anfang Juli hatte die Ministerin betont: „Bei aller gebotenen Vorsicht halte ich es nicht für angebracht, Ängste zu schüren – zumal gerade Menschen mit einem erhöhten Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zum neuen Schuljahr weitestgehend geimpft sein werden.“ Sofern das Virus seine Eigenschaften „nicht grundlegend verändere“ und der Impfschutz insbesondere für diese Gruppen erhalten bleibe, vermittele „der reine Blick auf die Infektionszahlen dann kein vernünftiges Lagebild“ mehr. „Da müssen wir uns auch andere Kriterien anschauen, die Aufschluss über die Belastung unseres Gesundheitssystems geben“, sagte die Ministerin.

Derzeit steigen die Inzidenzen bundes- wie saarlandweit wieder, wenn auch langsam. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts lag die landesweite Inzidenz im Saarland am Donnerstag bei 16,6. In zwei Landkreisen lag die Zahl über 20 (Saarbrücken und Merzig-Wadern). Deutschlandweit betrug der Wert 12,3.

Eins steht für die saarländische Landesregierung auf jeden Fall fest: Die Bildungseinrichtungen bleiben geöffnet, auch wenn die Infektionslage sich wieder zuspitzen sollte. Das haben Streichert-Clivot und Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) wiederholt betont. Zumal nun andere Kriterien neben den Inzidenzen ausschlaggebend sein sollen. Vor einem Jahr hatte sich Streichert-Clivot ebenfalls zuversichtlich gezeigt, dass nach den damaligen Sommerferien der reguläre Schulbetrieb wieder aufgenommen werden könne. Doch aufgrund der Infektionslage kam es dann schon bald ganz anders. Und auch jetzt kann kaum ausgeschlossen werden, dass die Schülerinnen und Schüler nicht zumindest wieder im Wechsel auch von zu Hause aus lernen müssen.

 SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch
SLLV-Vorsitzende Lisa Brausch Foto: MB Photo

Der Saarländische Lehrerinnen- und Lehrerverband (SLLV) jedenfalls hat Bedenken, was das neue Schuljahr angeht. Besonders die Tatsache, dass das Ministerium unmittelbar vor Schulstart auf freiwillige Tests setzt, sei „äußerst fraglich und grob fahrlässig“, sagt SLLV-Chefin Lisa Brausch der SZ. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass einige die Tests nicht machen würden. Der SLLV fordert daher auch eine „vollumfängliche Maskenpflicht zumindest in den ersten vier Wochen“ des neuen Schuljahres. „Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass es äußert riskant ist“, sagt Brausch. Man wisse nicht, wo die Schülerinnen und Schüler im Urlaub waren, und wie schnell sich die Delta-Variante ausbreite. „Wir müssen auf Nummer sicher gehen.“ Dass der Präsenzunterricht für das Ministerium Priorität hat, könne sie nachvollziehen, sagt Brausch. „Wenn wir aber wieder Abstände einhalten müssen, dann sind die Klassen einfach zu groß. Langfristig müssen die Klassen kleiner werden.“ Und so wagt Brausch auch zu bezweifeln, dass der Präsenzunterricht generell aufrechterhalten werden kann, „sofern die Inzidenzen steigen“. Sollte es Einschränkungen geben, müssten Schüler wie Eltern umfassend und frühzeitig informiert werden.

 Marcus Hahn, Vorsitzender Saarländischer Philologenverband
Marcus Hahn, Vorsitzender Saarländischer Philologenverband Foto: Robby Lorenz

Das fordert auch Marcus Hahn, Vorsitzender des Saarländischen Philologenverbandes (SphV). „Wir sind uns auch alle einig, dass auch zu Beginn des neuen Schuljahres Hygienemaßnahmen notwendig sind." Über das Thema Maskenpflicht müsse frühzeitig beraten, die Diskussion über Luftreiniger intensiviert werden. Mit Blick auf die Urlaubsrückkehrer müsse mit Vorsicht vorgegangen werden. Es hänge vieles von der Verbreitung des Virus ab. „Und die ist zu diesem Zeitpunkt schlecht zu prognostizieren.“ Genauso, ob es erneut einen Wechselunterricht geben wird. Es gebe „gravierende Unterschiede“ zum Frühjahr. „Hoffentlich haben bis zu Beginn des neuen Schuljahres alle Lehrkräfte die Möglichkeit gehabt, zwei Mal geimpft worden zu sein.“ Wichtig wäre, dass auch die Kinder, für die es nötig ist, ein Angebot bekommen haben. „Dann hätten wir auf jeden Fall die schlimmsten gesundheitlichen Folgen nach menschlichem Ermessen eingegrenzt“, sagt Hahn der SZ. Für ihn sind aber statt Wechselunterricht kleinere Klassen sinnvoller.