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Saarland: In diesem Szenario schaffen es AKK oder Maas gar nicht in Bundestag

FAQ zur Bundestagswahl : In diesem Szenario schaffen es Kramp-Karrenbauer oder Maas überhaupt nicht in den Bundestag

Was sind Erst- und Zweitstimme, Überhang- und Ausgleichsmandate? Und was bedeutet das alles für die Bundestagswahl im Saarland? Fragen und Antworten.

Bei der Bundestagswahl am 26. September stellen sich im Saarland 17 Parteien zur Wahl, darunter 15 mit einer Landesliste und zwei nur mit Wahlkreiskandidaten. Wir erklären, wie aus Stimmen Mandate werden.

Wie viele Abgeordnete im Deutschen Bundestag stellt das Saarland derzeit?

Zehn. Je drei Abgeordnete stellen CDU (Peter Altmaier, Nadine Schön, Markus Uhl) und SPD (Heiko Maas, Josephine Ortleb, Christian Petry). Auf je ein Mandat kommen Linke (Thomas Lutze), AfD (Christian Wirth), FDP (Oliver Luksic) und Grüne (Markus Tressel). Gemessen am Zweitstimmenergebnis hätte das Saarland eigentlich nur sieben Abgeordnete (CDU und SPD je zwei, Linke, AfD und FDP je einen). Dass es am Ende zehn Sitze wurden, hängt mit Überhang- und Ausgleichsmandaten zusammen (siehe unten).

Was ist der Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme?

Die Zweitstimme, mit der Parteien angekreuzt werden, entscheidet über das Stärkeverhältnis der Parteien im Bundestag. Mit der Erststimme können Wähler in ihrem Wahlkreis einen Direktkandidaten wählen.

Wer liegt in den Wahlkreisen vorn?

Vor vier Jahren gewann die CDU die Wahlkreise Saarlouis (Peter Altmaier), St. Wendel (Nadine Schön) und Homburg (Markus Uhl). Im Wahlkreis Saarbrücken hatte die SPD (Josephine Ortleb) die Nase vorn. Damals war die bundespolitische Stimmung allerdings eine andere als jene, die Umfragen derzeit messen. Da sich der Trend auch immer auf die Personenwahlen auswirkt, geht das Portal election.de aktuell davon aus, dass die SPD gute Chance hat, erstmals seit 2005 wieder alle vier Wahlkreise im Saarland zu gewinnen.

Was sind Überhangmandate und welche Relevanz haben sie im Saarland?

Überhangmandate entstehen immer dann, wenn eine Partei in einem Bundesland mehr Direktmandate gewinnt, als ihr über die Zweitstimme Mandate zustehen. Beispiel: 2017 hätten der CDU im Saarland auf Basis des Zweitstimmen-Ergebnisses normalerweise nur zwei Mandate zugestanden. Weil ihre Kandidaten aber in drei Wahlkreisen gewannen und alle Wahlkreis-Sieger in den Bundestag einziehen, erzielte die CDU im Saarland letztlich drei Mandate.

Was hat es mit Ausgleichsmandaten auf sich?

Überhangmandate würden die Sitzverteilung im Bundestag, wie sie sich über die Zweitstimme ergibt, grob verfälschen. Um das Verhältnis der Sitze wiederherzustellen, wird der Bundestag so lange mit Ausgleichsmandaten aufgefüllt, bis am Ende die Sitzverteilung wieder dem Verhältnis der Zweitstimmen entspricht. Da 2017 die CSU bundesweit fast alle der 46 Überhangmandate gewannen, kamen bei den Ausgleichsmandaten die anderen Parteien zum Zug. Auf diese Weise erhielten SPD und Grüne im Saarland 2017 je ein Ausgleichsmandat.

Werden die Spitzenkandidaten der großen Parteien, Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas, sicher den Sprung in den Bundestag schaffen?

Nein. Der sicherste Weg zu einem Mandat wäre, den Wahlkreis direkt zu gewinnen. Doch davon kann Kramp-Karrenbauer in Saarbrücken nicht ohne weiteres ausgehen. Hier hatte es die CDU noch nie leicht, diesmal kommt noch der negative Bundestrend hinzu. Zwar steht sie auf Listenplatz eins der CDU-Landesliste. Doch eine Garantie auf ein Mandat ist das nicht: Sollte die CDU – was bei den aktuellen Umfragen plausibel ist – über die Zweitstimme zwei Mandate gewinnen, gleichzeitig aber zwei Wahlkreise direkt gewinnen (zum Beispiel St. Wendel und Saarlouis), dann käme die Landesliste nicht mehr zum Zug. Gleiches könnte bei der SPD passieren, wenn ihr zwei Mandate zustünden, Maas im Wahlkreis Saarlouis verlöre und die Partei zwei andere Wahlkreise gewänne. Allerdings sind solche Simulationen mit Unsicherheiten behaftet, weil der Bundestag durch Überhang- und Ausgleichsmandate am Ende von 709 auf 900 Sitze und mehr wachsen könnte – davon könnten einige Zusatz-Sitze dann auch aufs Saarland entfallen.