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Saarland: Umfragen machen CDU nervös – Was jetzt passieren soll

Vier Wochen vor der Bundestagswahl : Umfragen machen Saar-CDU nervös – Wie sie das Ruder noch herumreißen will

Die CDU ist in den Umfragen abgesackt. Die Stimmung an der Parteibasis im Saarland ist mies. Wie Landeschef Tobias Hans sie dennoch motivieren will.

Es ist in diesen Tagen nicht einfach, im Saarland Armin Laschet zu finden. Der CDU-Kanzlerkandidat wird von vielen Ortsverbänden versteckt, sie hängen fast nur Wahlplakate ihrer heimischen Direktkandidaten auf. Vier Wochen vor der Bundestagswahl ist die CDU auch im Saarland hochnervös und in Sorge, dass sie am 26. September von der Macht im Bund verdrängt wird.

„Die Stimmung ist gedrückt, teilweise schlecht“, sagt der Landesvorsitzende der Jungen Union, Johannes Schäfer. Im Landesvorstand seines Verbandes, vermutlich auch unter den Mitgliedern, wollten die meisten Markus Söder als Kanzlerkandidaten. Schon als die CDU im Januar einen neuen Parteichef suchte, war kaum einer der Jungen für Laschet.

Am Samstag steht Schäfer beim Saarlandtag der JU in Theley auf der Bühne und versucht trotzdem, seine Leute noch irgendwie zu motivieren. Jetzt müsse man „noch einmal richtig Gas geben“, sagt der 27-Jährige. Die CDU müsse stärker klarmachen, wo die Unterschiede zu anderen Parteien liegen – und ein Team in den Vordergrund stellen.

Gelingt es der CDU nicht, bis Ende September die Stimmung zu drehen, hat sie im Saarland ein Problem. Die SPD, die hier immer stärker als im Bundesschnitt abschneidet, könnte erstmals seit 2005 wieder stärkste Kraft im Saarland werden – das würde den Wahlkämpfern auch für die Landtagswahl im März 2022 neue Motivation geben.

Bleiben die aktuellen Umfrageergebnisse bis zur Bundestagswahl so schlecht, könnte die CDU ihre drei Direktmandate wohl nicht alle verteidigen. Als relativ sicher gilt in der Partei derzeit nur das Direktmandat von Nadine Schön im Wahlkreis St. Wendel. Nach der aktuellen Wahlkreisprognose von election.de hätte Peter Altmaier im Wahlkreis Saarlouis leicht bessere Chancen als Heiko Maas. CDU-Saar-Generalsekretär Markus Uhl im Wahlkreis Homburg und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Saarbrücken müssen laut Wahlkreisprognose mit einer Niederlage rechnen.

Die Rede des CDU-Landesvorsitzende Tobias Hans bei der Jungen Union („Es läuft im Moment nicht, wie wir uns das vorstellen“) lässt erahnen, wie die CDU in der verbleibenden Zeit die Stimmung noch drehen will. Auch Hans war ursprünglich nicht für Laschet als Kanzlerkandidaten, aber jetzt ist er ganz Parteisoldat.

Zum einen: mehr Polarisierung. Hans sagt, es gehe bei der Bundestagswahl darum, Steuererhöhungen und Belastungen für den Mittelstand zu verhindern. Und um mehr Anerkennung für die Sicherheitskräfte, dafür stehe die CDU. Zweitens will die CDU die eigenen Anhänger mobilisieren, indem sie vor dem Einfluss der SPD-Linken warnt. In der Lokomotive des „Scholz-Zuges“, sagte Hans am Samstag in Theley bei der JU, sitze nicht Olaf Scholz, sondern Kevin Kühnert, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. „Scholz ist nicht der Lokführer, Scholz ist der Lockvogel“, sagt Hans. Drittens soll es ein Team rund um Laschet geben. Dann, so lautet wohl die Hoffnung, wird das grelle Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit vom Kanzlerkandidaten auf andere (beliebtere) Unionsleute gerichtet.

Wer diesem Team aus dem Saarland angehören wird, ist unklar – genannt wird immer wieder der Name Nadine Schön. Altmaier wird sicherlich nicht dazu gehören, Kramp-Karrenbauer womöglich auch nicht mehr.

„Wir müssen jetzt eine Schippe drauflegen“, fordert Tobias Hans. Spätestens am Montag nach der Präsidiumssitzung müsse es richtig losgehen. „Die nächsten vier Wochen werden so heiß, wie es noch nie gewesen ist in der CDU.“ Aber auch er weiß: Bei einer erwarteten Rekord-Briefwählerquote von 50 Prozent geben viele Wähler ihre Stimme nicht erst am 26. September ab – die Bundestagswahl läuft längst.