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Timo Meyer: Erlebnisse der Feuerwehr aus dem Saarland im Hochwasser-Gebiet

Landesbrandinspekteur Timo Meyer : Saarländer im Katastrophengebiet: „Gestandene Feuerwehrleute haben Tränen in den Augen“

Die Feuerwehrleute aus dem Saarland erleben im Hochwassergebiet bei Ahrweiler Herzzerreißendes. Psychisch ist der Einsatz sehr belastend, wie der höchste saarländische Feuerwehrmann, Landesbrandinspekteur Timo Meyer, im Interview berichtet.

Hilfsorganisationen aus dem gesamten Bundesgebiet haben Einsatzkräfte in die Überflutungsgebiete in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen entsandt. Allein 500 Helfer der Feuerwehren aus allen saarländischen Landkreisen waren seit Mittwoch in den Regionen Trier, Bitburg und Ahrweiler im Einsatz. Zurzeit sind es 150 Männer und Frauen. In Ahrweiler und Umgebung, wo sie inzwischen tätig sind, erleben sie Herzzerreißendes, wie Landesbrandinspekteur Timo Meyer im Interview berichtet.

Herr Meyer, welche Aufgaben haben die Feuerwehrleute aus dem Saarland aktuell im Überschwemmungsgebiet rund um Ahrweiler?

MEYER Die Einsatzkräfte haben bisher primär die Trinkwasserversorgung durchgeführt und Duschen aufgebaut, damit sich Bürgerinnen und Bürger sowie Helferinnen und Helfer am Einsatzort duschen können. Die nutzen wir normalerweise zur Dekontamination von Personen, zum Beispiel nach Gefahrgutunfällen. Andere Einheiten helfen, Keller leer zu pumpen und zu räumen oder mit Seilwenden und Hebekissen Fahrzeuge zu bergen. Ein eigener Logistik-Zug versorgt die saarländischen Einsatzkräfte.

Wie ist der Kontakt zu den Opfern der Unwetterkatastrophe?

 Landesbrandinspekteur Timo Meyer ist der höchste Feuerwehrmann des Saarlandes.
Landesbrandinspekteur Timo Meyer ist der höchste Feuerwehrmann des Saarlandes. Foto: USEC

MEYER Es herrscht eine große Herzlichkeit der Bürgerinnen und Bürger. Obwohl sie fast nichts mehr haben, wollen sie das bisschen, was sie noch haben, selbstlos mit unseren Einsatzkräften teilen. Zum Beispiel heißes Wasser, das sie auf dem Lagerfeuer aufkochen. Unsere Einsatzkräfte sind enorm gerührt, das haben sie in dieser Form noch nie erlebt.

Wie stark belastet der Einsatz die Feuerwehrleute?

MEYER Die Einsatzkräfte sind mit einer hohen Motivation und Leidenschaft an der Einsatzstelle. Sie erleben das Leid jeden Tag mit. Die Bürgerinnen und Bürger haben verständlicherweise ein Mitteilungsbedürfnis, was wir auch sehr gut finden. Da findet ein sehr enger Austausch zwischen Betroffenen und uns statt. Teilweise sind wir seelsorgerisch tätig, auch wenn das nicht unsere Aufgabe ist, aber das ergibt sich. Die Einsatzkräfte müssen das, was sie selbst gesehen oder auch nur gehört haben, erst mal verarbeiten, wenn sie zur Ruhe kommen. Da haben gestandene Feuerwehrleute mit jahrzehntelanger Einsatzerfahrung Tränen in den Augen.

Was sind das für Erlebnisse?

MEYER Feuerwehrkameradinnen und -kameraden aus den betroffenen Ortschaften haben uns erzählt, dass vor ihren Augen eine Familie in einem Auto von den reißenden Fluten mitgerissen wurde. Einer hat uns erzählt, dass das Nachbarhaus, in dem sich noch eine Familie befand, mitgerissen wurde. Menschen mussten mit ansehen, wie Freundinnen, Freunde, Angehörige und Nachbarinnen und Nachbarn aus dem Leben gerissen wurden. Ich selbst habe Flächen mit Schlamm und Acker gesehen und bekam erzählt, dass da bis vor kurzem noch Häuser gestanden haben. Davon ist nicht mal mehr ein Ansatz übriggeblieben.

Worauf stellen Sie sich bei den Aufräumarbeiten ein?

MEYER Man weiß nicht, ob man in den noch nicht erreichten Kellern Leichen finden wird. Wir bereiten unsere Führungskräfte und die Einsatzkräfte darauf vor, dass sie vor Ort unter Umständen Bilder sehen werden, die sie nicht kennen und nicht erwarten. Wir achten darauf, dass die Leute psychisch und physisch gewappnet sind.

Wie werden die Helfer betreut?

MEYER Der Bereitstellungsraum, wo Einsatzkräfte schlafen und sich sammeln, ist das Fahrerlager am Nürburging. Dort sind alle Hilfsorganisationen vertreten, auch mit Kräften zur psychisch-sozialen Notfallversorgung.