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Wahlkreis Saarbrücken: Kramp-Karrenbauer droht Niederlage gegen Ortleb

Ungleiches Duell gegen SPD-Politikerin Ortleb im Wahlkreis Saarbrücken : Warum Kramp-Karrenbauer eine Schlappe droht – und was sie dazu sagt

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat es im Wahlkreis Saarbrücken gegen SPD-Newcomerin Josephine Ortleb schwer. Das liegt nicht nur am negativen Bundestrend der CDU.

Man muss sich keine Sorgen um die Zukunft von Annegret Kramp-Karrenbauer machen. Die 59-Jährige wird auch dem nächsten Deutschen Bundestag angehören. Die ehemalige CDU-Chefin und amtierende Verteidigungsministerin ist über die Landesliste der CDU abgesichert. Sie muss allerdings fürchten, im Wahlkreis Saarbrücken gegen ihre SPD-Konkurrentin Josephine Ortleb (34) zu verlieren.

Für Kramp-Karrenbauer ist das mehr als nur eine Prestigefrage. Direkt gewählte Abgeordnete hätten in Berlin „ein anderes Standing“ und könnten Interessen besser durchsetzen, sagt sie. In der 21-köpfigen Führung der CDU/CSU-Fraktion haben alle ihren Wahlkreis gewonnen, die Unionsminister mit Bundestagsmandat ebenfalls. Für ihre Ambitionen, im Kabinett zu bleiben, wäre es also vermutlich hilfreich, wenn sie am Morgen nach der Wahl nicht als Wahlkreis-Verliererin nach Berlin reist.

Es ist ein ungleiches Duell im Wahlkreis Saarbrücken: hier eine frühere Ministerpräsidentin, Ex-CDU-Bundeschefin und Bundesministerin, dort eine bis vor vier Jahren völlig unbekannte Gastronomin, die 2017 den Wahlkreis knapp gegen CDU-Mann Bernd Wegner gewann. Als die Verteidigungsministerin im Februar ihre Kandidatur im Wahlkreis ankündigte, kommentierte Ortleb – inzwischen zur Parlamentarischen Geschäftsführerin der SPD-Fraktion aufgestiegen – dies schlagfertig mit den Worten: „Dann zeige ich AKK jetzt mal, wie Verteidigung geht.“

Sollte der bundesweite Trend so bleiben, wie er aktuell ist, sind Kramp-Karrenbauers Chancen nicht gut. Das Portal election.de geht davon aus, dass die SPD den Wahlkreis wahrscheinlich gewinnen wird. „Der persönliche Faktor macht durchaus einige Prozentpunkte aus. Aber es ist schwierig, gegen den Gesamttrend anzukommen“, sagt der Informatiker Matthias Moehl, der die Seite betreibt und für alle 299 Wahlkreise in Deutschland Prognosen erstellt. Darin fließen aktuelle Umfragen, die Wahlkreis-Historie und personelle Faktoren ein.

Kramp-Karrenbauer sagt, sie schaue nicht auf Prognosen. „Wenn man das in die Fußballsprache übersetzt, ist es so: Wir liegen in der letzten Viertelstunde zurück. So ein Spiel kann man verlieren, man kann es aber auch noch gewinnen.“ Auch Ortleb will den Eindruck vermeiden, die Sache wäre schon gelaufen. „Trotz der guten Umfragewerte für die SPD ist noch nichts gewonnen. Deshalb kämpfen wir in den kommenden Tagen für jede Stimme, um das Direktmandat zu verteidigen“, sagte sie. Der Wahlkreis Saarbrücken sei „sozial und vielfältig“ und sie wolle, dass das auch in Zukunft so bleibe.

Die CDU setzt auf den Popularitäts- und Bekanntheits-Bonus der Ex-Ministerpräsidentin. Bei der Landtagswahl 2017 ermittelten Meinungsforscher, dass 80 Prozent der Saarländer mit ihrer Arbeit zufrieden sind, selbst 78 Prozent der SPD-Wähler – ein Spitzenwert unter den 16 Ministerpräsidenten. Eine der entscheidenden Fragen wird sein, ob sie davon mehr als drei Jahre nach ihrem Abschied aus der Landespolitik noch zehren kann.

Es ist aber nicht nur der bundespolitische Trend, der der CDU-Politikerin aus Püttlingen zu schaffen macht. Hinzu kommt, dass ihr Wahlkreis für die CDU noch nie ein einfaches Pflaster war, das sagt sie selbst: Ihr sei von Anfang an klar gewesen, „dass das ein schwieriges Rennen wird“.

Zum Wahlkreis zählen Saarbrücken, Völklingen, Großrosseln, Kleinblittersdorf, Püttlingen und Riegelsberg. Mit Ausnahme ihrer Heimatstadt alles keine typischen CDU-Gemeinden. Es ist ein urban geprägter Wahlkreis mit sozialen Problemen. Seit Jahrzehnten dominiert hier die politische Linke: Auf die Direktkandidaten von SPD und Linken entfielen in den vergangenen drei Jahrzehnten zusammen stets 45 bis 60 Prozent der Erststimmen, auf die Bewerber von CDU und FDP 33 bis 39 Prozent. Dass die CDU-Politikerin Anette Hübinger den Wahlkreis 2009 und 2013 hauchdünn gewann, hing vor allem damit zusammen, dass die Linke 2009 stark im SPD-Revier wilderte (22 Prozent) und der Bundestrend 2013 auf Seiten der CDU war (über 41 Prozent).

Dass die Linke das SPD-Ergebnis drückt, könnte Kramp-Karrenbauer auch diesmal helfen. Die Linke schickt im Wahlkreis ein prominentes Mitglied ins Rennen: den Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG), Mark Baumeister, der für sich ein „gutes zweistelliges Ergebnis“ anpeilt. Dass er damit Ortlebs Chancen schmälert, glaubt er nicht: Ohne einen Kandidaten der Linken, sagt Baumeister, würden die Stimmen nicht eins zu eins zur SPD gehen. „Im Zweifel gehen dann weniger Leute zur Wahl.“ Seine Hauptkonkurrentin sei nicht Josephine Ortleb, sondern Annegret Kramp-Karrenbauer.