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Warum die Intensivstationen im Saarland am Mittwoch dicht waren

Beim Rettungsdienst abgemeldet : Am Mittwoch waren alle Intensivstationen im Saarland dicht

Wenn Intensivstationen keine freien Betten mehr haben, melden sie sich aus der Notfallversorgung ab. Rettungswagen liefern dann keine neuen Patienten an. Am Mittwoch war sogar die Uniklinik betroffen – sehr ungewöhnlich. Ein Mediziner erklärt, wie es dazu kam und was das für Notfallpatienten bedeutete.

Die Intensivstationen der saarländischen Kliniken melden dem Rettungsdienst fortlaufend, wie viele freie Betten sie haben. Die Rettungsleitstelle auf dem Saarbrücker Winterberg weiß so, wohin sie Rettungswagen mit schwer verletzten oder erkrankten Patienten an Bord dirigieren kann.

Dass einzelne Kliniken melden, dass ihre Intensivbetten-Kapazitäten erschöpft sind, kommt immer mal wieder vor – wenn alle Stricke reißen, gibt es immer noch das Universitätsklinikum (UKS) in Homburg. Doch ausgerechnet die Intensivmedizin des landesweit größten Krankenhauses musste am Mittwoch selbst auf Rot schalten und sich bei der Leitstelle bis zum nächsten Morgen abmelden. Das wird im Rettungsdienst als Ausdruck der landesweit angespannten Situation gewertet.

Zwar sind auf dem Papier rund 50 der 400 Intensivbetten im Saarland frei, doch dafür muss auch das Personal vorhanden sein – hier mangelt es. Aktuell gibt es auf den Intensivstationen, wie zu dieser Jahreszeit durchaus üblich, viele Patienten. Mit Corona hat dies erst einmal wenig zu tun. Die 20 Covid-Intensivpatienten kommen zum Tagesgeschäft aber noch dazu.

Die SZ fragte bei PD Dr. Darius Kubulus nach, Manager in der Ärztlichen Direktion des Universitätsklinikums. Er erläutert, was am Mittwoch passierte: „Aus unserem Austausch mit den anderen Kliniken und dem Rettungsdienst wissen wir, dass die Lage aller Krankenhäuser im Saarland zur Zeit sehr angespannt ist und besonders die Intensivkapazitäten in allen Kliniken knapp sind.“

Die Abmeldung der Intensivmedizin des UKS beim Rettungsdienst am Mittwoch ordnete er wie folgt ein: „Diese Statusänderung bei der Rettungsleitstelle bedeutet nicht, dass am UKS keine Intensivpatient*innen mehr aufgenommen werden. Der Rettungsdienst geht allerdings in den sogenannten Zuweisungsmodus über und die Rettungsleitstelle verteilt Patient*innen dann gleichmäßig über die Kliniken.“ Das heißt also, auch Intensivstationen, die sich wegen mangelnder Kapazitäten abgemeldet haben, müssen weiter Patienten aufnehmen – denn irgendwie müssen diese Patienten ja versorgt werden, auch wenn eigentlich kein Patz mehr für sie ist.

Kubulus erklärte, nach seinem Kenntnisstand sei das UKS am Mittwoch die letzte saarländische Klinik gewesen, die sich von der regulären Intensivversorgung abgemeldet habe. Für die Bevölkerung sei wichtig zu wissen, so Kubulus, „dass gerade die Notfallversorgung weiter gegeben war und gegenwärtig auch weiter gegeben ist“. So sei die Zentrale Notaufnahme (ZNA) zwar ebenfalls sehr stark ausgelastet, aber am Mittwoch nicht von der Notfallversorgung beim Rettungsdienst abgemeldet.