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Was ist der Hintergrund der Agrarwende-Demo in Berlin an diesem Samstag?

Saar-Aufruf zur Agrarwende-Demo-Teilnahme : Saar-Aktivist ruft mit Hühner-Mütze zur Agrarwende-Demo

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“: Diesen Schlachtgesang von Fans jener Fußball-Clubs, die im DFB-Pokalfinale im Berliner Olympia-Stadion stehen, singen jetzt auch die Aktivisten der Aktion 3. Welt Saar. Sie wollen am Samstag zur Agrarwende-Demo in Berlin und hoffen auf viele Mitstreitende aus dem Saarland. Dabei spielt auch eine Hühner-Mütze eine tragende Rolle.

„Wenn Menschen heute noch hungern und verhungern, obwohl genügend Nahrungsmittel produziert werden, ist dies ein Skandal. Die dominanten Agrar- und Ernährungssysteme sind extrem krisenanfällig. Wir brauchen eine sozial-gerechte Agrarwende.“ So begründet Ingrid Röder von der Aktion 3.Welt Saar ihre Teilnahme an der Demonstration „Wir haben es satt“, die am kommenden Samstag, 21. Januar, um 12 Uhr am Brandenburger Tor in Berlin mit einer Kundgebung beginnt. Die Aktion 3.Welt Saar ist Mitglied im Trägerkreis und damit Mitveranstalterin der größten Demonstration für eine nachhaltige Landwirtschaft, an der 58 Agrar- und Umweltorganisationen beteiligt sind. Auch Roland Röder ruft die Saarländerinnen und Saarländer zur Teilnahme auf. Mit einem Foto, auf dem Röder eine kuschelige Hühner-Mütze trägt und im Stile der früheren Bekenntnisse in der Jägermeister-Werbung die wohl ironisch gemeinten Sätze sagt: „Als Fußballfan esse ich am Spieltag nur noch eine Bratwurst statt zwei. Das tue ich, um das Klima, die Erde – und mich – zu retten. Der letzte linke Kleingärtner, Aktion 3. Welt Saar.“ Roland Röder ist nach zuverlässigen SZ-Informationen Fan des Fußball-Regionalligisten FC Homburg. Röder hält auf dem Foto eine rote Kaffeetasse mit der Aufschrift “#Marx 2018“ und dem Konterfei des Trierer Kommunismus-Erfinders in Händen.

Sechs-Punkte-Plan für eine soziale wie gerechte Agrarwende

Die Demonstration zum Beginn der Internationalen Grünen Woche, finde zum 13. Male statt – davon zweimal wegen Corona in anderer Form, sagte Ingrid Röder. In den vergangenen Jahren hätten meist 20 000 Menschen daran teilgenommen. In einem Sechs-Punkte-Plan für eine soziale wie gerechte Agrarwende forderten die Veranstalter, dass der Zugang zu gesunder und umweltgerechter Ernährung für alle Menschen gelten müsse und setzten sich für faire Erzeugerpreise ein. „Wir brauchen eine Landwirtschaft, in der Bauern im Süden wie im Norden Zugang zu Land und Saatgut haben“, so Ingrid Röder. Dies und die Steuerung der Milchmenge seien nötig, um das Höfesterben in Deutschland zu beenden und die Landwirtschaft zukunftssicher zu machen.

Bauchschmerzen bei der Aktion in Losheim

Ingrid Röder weiter: „Gleichwohl sorgt die Formulierung 'Spekulationsverbot für Lebensmittel' im Aufruf für Bauchschmerzen bei uns: Denn so ehrenwert dieser Wunsch ist, so funktioniert leider Marktwirtschaft nicht“. Zu diesem Wirtschaftssystem gehöre neben der Realwirtschaft auch die Finanzwirtschaft und die gebe es nicht ohne Spekulation. Genauso wie in der Realwirtschaft der Wachstumszwang systembedingt sei und nicht der Entscheidung des einzelnen obliege. „Leider fanden wir mit unserem Plädoyer, dies zu ändern, im Trägerkreis keine Mehrheit, was uns aber nicht davon abhält, uns aktiv an der Demonstration für eine Agrarwende zu beteiligen“, betont Ingrid Röder.

Kooperation mit Milchviehhaltern

Der Verein Aktion 3.Welt Saar arbeitet bundesweit und hat seinen Sitz im Saarland. Aktuell führt er mit Bauern, Naturschützern und mit Gewerkschaften das Vernetzungs-Projekt „Erna goes fair – Für eine Faire Landwirtschaft weltweit“ durch. In diesem Rahmen kooperiert er auch mit dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM), hat mehrere Publikationen erstellt und Alternativen für eine Agrarwende aufgezeigt. Auch die Garten-Kolumne „Der letzte linke Kleingärtner“ (siehe oben) entstehe in Losheim.

Informationen: Aktion 3.Welt Saar e.V. 06872/9930-56, mail@a3wsaar.de. www.a3wsaar.de, https://a3wsaar.de/agrar-ernaehrung

https://t1p.de/jmm2n, Demobündnis - www.wir-haben-es-satt.de