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Direktkandidaten aus Saarlouis und Merzig-Wadern äußern sich zur Wahl

Stimmen zum Wahlausgang im Wahlkreis Saarlouis und Merzig-Wadern : „In dieser Deutlichkeit nicht erwartet“

Wie reagieren die Direktkandidaten im Wahlkreis Saarlouis auf das Ergebnis der Bundestagswahl? Die SZ hat sie um eine Stellungnahme gebeten.

Die große Wahlschlacht ist geschlagen, der lange Wahlsonntag liegt hinter der Republik. Auch in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern, die gemeinsam den Wahlkreis 297 Saarlouis bilden, haben die Menschen ihren Kandidaten für den Deutschen Bundestag bestimmt. Dabei gab es in unserem Wahlkreis ein Resultat, das womöglich mancher nicht erwartet hatte: SPD-Kandidat Heiko Maas setzte sich im Duell der beiden Bundesminister gegen seinen CDU-Kontrahenten Peter Altmaier, der zuvor dreimal in Folge den Wahlkreis für sich entschieden hatte, klar durch. Auf 36,7 Prozent der Erstwähler-Stimmen kam Maas und ließ damit Altmaier (28,0 Prozent) deutlich hinter sich. Bis auf eine Ausnahme (Perl) hatte der SPD-Kandidat in allen 18 Kommunen des Wahlkreises die Nase vorn.

Das hatte der Wahlsieger selbst wohl nicht zu hoffen gehabt: „Ich glaube, ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass ich das in dieser Deutlichkeit nicht erwartet habe“, erklärte Maas auf Anfrage unserer Redaktion. Das Wahlergebnis habe deutlich gemacht, dass die SPD gebraucht werde, sagte der Noch-Außenminister. Maas weiter: „Die Herausforderungen in unserem Land könnten größer nicht sein – wir konnten die Menschen von unseren Ideen für eine gute Zukunft überzeugen, das gilt es jetzt umzusetzen, mit einem Kanzler Olaf Scholz.“ Er hatte auch noch ein anerkennendes Wort für seinen größten Kontrahenten übrig: „Peter Altmaier danke ich für den fairen Wettbewerb.“

Am Tag nach der Wahl erwies sich der unterlegene CDU-Kandidat als fairer Verlierer: „Lieber Heiko Maas, Glückwunsch zum Erreichen des Direktmandates. Wir werden beide weiter gemeinsam für die Interessen unserer Heimat arbeiten“, schrieb Altmaier auf Twitter. Als einen der Gründe für das schlechte Abschneiden seiner Partei sieht er im Gespräch mit Medienvertretern die Wahl ihres Kanzlerkandidaten. Altmaier hatte sich im Vorfeld der Wahl für CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Jetzt erklärte Altmaier: „Es ist nicht schön, wenn man am Ende sieht, dass die eigenen Befürchtungen von der Realität noch übertroffen wurden.“

Das drittbeste Ergebnis unter den zehn Direktkandidaten im Wahlkreis erzielte der Bewerber der AfD, Carsten Becker. Er zeigte sich gegenüber der SZ stolz auf das Ergebnis seiner Partei: „Wir konnten als einziges westdeutsches Bundesland neben Thüringen und Sachsen-Anhalt unser Ergebnis von 2017 halten, respektive leicht verbessern.“ Das zeige für ihn eines ganz klar, sagte Becker: „Die Mär, wir würden unsere beachtlichen Wahlergebnisse überwiegend Protestwählern verdanken, ist somit vollends widerlegt.“ Er persönlich konnte mit mehr als 15 000 Erststimmen „hinter den Platzhirschen und Bundesministern Maas und Altmaier einen beachtlichen dritten Platz“ erringen, wie Becker weiter ausführte.

Sehr zufrieden äußerte sich auch die Direktkandidatin der FDP, Angelika Hießerich-Peter, über ihr Abschneiden: Sie erreichte 8,2 Prozent der Erststimmen und belegte damit Rang vier. Was aber noch wichtiger für sie sei: Der Wahlkreis Saarlouis habe mit 12,1 Prozent der Zweitstimmen sehr viel zu einem hervorragenden Ergebnis der Saar-FDP beigetragen: „Die FDP Saar hat zusammen mit Nordrhein-Westfalen das fünftbeste Ergebnis aller FDP-Landesverbände.“ Bundesweit gehöre der Wahlkreis, in dem sie angetreten war, „zu den Wahlkreisen mit den höchsten Zugewinnen für die FDP“. Das sei eine gute Ausgangslage für die Landtagswahl im kommenden Jahr. „Im Bund werden wir unser tolles Ergebnis nutzen, um konstruktive Gespräche mit möglichen Partnern zu führen, und unser Land zu modernisieren“.

Mit 5,4 Prozent kam die Kandidatin der Linkspartei, Dagmar Ensch-Engel, auf den fünften Platz unter den zehn Direktbewerbern. Für sie war das Ergebnis eher enttäuschend: „Ich bin vom Ergebnis im Wahlkreis natürlich nicht begeistert“, sagte Ensch-Engel auf SZ-Anfrage. Es sei aus ihrer Sicht aber wichtig gewesen, „dass wir als Linke eine Alternative zu den beiden Bundesministern auf dem Wahlzettel angeboten haben“. Dafür sei die Resonanz im Wahlkampf auch deutlich besser als das Wahlergebnis gewesen. Die Linke liege im Saarland bei 7,2 Prozent, „außerdem sind die Verluste der Erststimme geringer als die Verluste bei den Zweitstimmen“, bilanzierte Ensch-Engel. Insgesamt sei das Ergebnis ernüchternd: „Meine Partei hat sich fast halbiert.“ Sicherlich sei dies auch der Tatsache geschuldet, dass sich der Wahlkampf sehr auf die Kanzlerfrage zugespitzt habe, und so die Linke mit ihrem sehr guten Programm in den Hintergrund gerückt sei.

2,8 Prozent der Erststimmen (ein Plus von 1,9 Prozent) erreichte der Kandidat der Freien Wähler, Klaus Hoffmann; seine Partei kam bei den Zweitstimmen auf einen Wert von 2,1 Prozent im Wahlkreis 297 – was einen Zuwachs von 1,3 Prozent bedeutet. „Über das Wahlergebnis freue ich mich sehr, da dieses zeigt, dass wir Freie Wähler auf dem richtigen Weg sind“, erklärte Hoffmann am Montag. „Als Direktkandidat konnte ich in meinem Wahlkreis im Landesvergleich nach Homburg den stärksten Zuwachs nach der Wahl 2017 erzielen.“ Auch auf Bundesebene gewannen die Freien Wähler dazu. „Das Wahlergebnis hat sehr deutlich gezeigt, dass sich die Wählerinnen und Wähler eine andere Politik wünschen“, meint Hoffmann. Der Landtagswahl im Saarland sehen die Freien Wähler deshalb optimistisch entgegen: „Mit dem sehr deutlichen Zuwachs in allen Wahlkreisen sehen wir uns für die kommende Landtagswahl gut gerüstet.“ Fünf Prozent werde man erreichen, ist sich Hoffmann sicher.

Das schwächste Ergebnis aller Direktkandidaten erzielte Philipp-Noah Groß von der ÖDP – und zeigte sich darüber doch enttäuscht: Als eine „klare Wahlklatsche“ bezeichnete Groß das Ergebnis seiner Partei bei der Bundestagswahl. Bundesweit kam die Kleinstpartei auf 0,2 Prozent. Im Wahlkreis Saarlouis waren es mit 0,38 Prozent etwas mehr. Gemessen an den Verhältnissen während der Wahl, die laut Groß „sehr stark von Koalitionsüberlegungen und taktischen Wählen geprägt“ gewesen sei, wertete er sein persönliches Ergebnis trotz gerade einmal 0,48 Prozent aller Erststimmen dennoch als einen „kleinen Achtungserfolg“. Zumal die ÖDP im Saarland ihr zweitbestes Ergebnis bei dieser Bundestagswahl einfahren konnte und als Landesverband auch erst seit kurzem wieder mit dabei ist. Mit Blick auf potenzielle Wähler der Grünen wäre seiner Ansicht nach aber „möglich gewesen, mehr rauszuholen“.

Keine Antwort auf unsere Anfrage nach einer Stellungnahme zum Wahlergebnis erhielt unsere Redaktion von der Direktkandidatin der Grünen, Ute Lessel, sowie den beiden Kandidaten Sam Schröder (Die Partei) und Marc Ensch (DieBasis).