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Bürgermeister von Losheim bekennt sich zum Erhalt der Bahnstrecke

Pressegespräch im Rathaus : Losheimer Bürgermeister Harth ist für Erhalt der Bahnstrecke Losheim-Merzig

Der Losheimer Bürgermeister legt gegenüber der SZ ein Bekenntnis zur Bahntrasse Losheim-Merzig ab – und nimmt für deren Sanierung das Land und den Kreis in die Pflicht.

Seit Wochen wird über die Zukunft der zurzeit gesperrten Bahnstrecke zwischen Merzig und Losheim diskutiert. Jetzt hat sich Losheims Bürgermeister Helmut Harth zu Wort gemeldet – und gegenüber der SZ ein Bekenntnis zum Erhalt der Strecke abgelegt. Zudem teilt er mit, dass der Museums-Eisenbahn-Club Losheim (MECL) offiziell einen Antrag auf Wiederaufnahme des Fahrbetriebes gestellt habe. Das setzt die Gemeinde unter Zugzwang, als Eigentümerin der Trasse ist sie gefordert, für deren Nutzbarkeit zu sorgen.

Harth fordert im Rahmen eines Pressegesprächs im Losheimer Rathaus, an dem auch Vertreter der Plattform Mobilität teilnahmen, allerdings Unterstützung von Seiten des Landes und des Landkreises ein. „Wir können diese Streckensanierung nicht alleine stemmen“, sagt Harth mit Bezug darauf, dass die Kommune zwar als Eisenbahn-Infrastruktur-Unternehmen (EIU) Eigentümerin der Strecke sei. Aber es müssten 2,5 bis drei Millionen Euro allein für eine grundlegende Sanierung der Strecke ausgegeben werden, sodass darauf die Museumsbahn des MECL wieder verkehren könne. Eine umfassende Instandsetzung der rund 16 Kilometer langen Trasse, die auch die Nutzung für regulären Personen- und Güterverkehr erlauben würde, schlägt nach aktuellen Berechnungen mit rund 30 Millionen Euro zu Buche.

Dies seien Kosten-Dimensionen, die ohne Hilfe von Bund und Land nicht zu bewältigen wären, sagt Harth. Wobei Erhard Pitzius und Alexander Körner von der Plattform Mobilität in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass es für solche aufwendigen Streckeninstandsetzungen umfangreiche Zuschüsse aus Bundesmitteln gibt – unter anderem über ein wahres Wortungetüm von Gesetz: das Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz (SGFFG). Daneben könnte der Bund auch über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) den Ausbau der Strecke für ÖPNV-Zwecke bezuschussen. Als Voraussetzung hierfür muss indes das Saarland eine aktuell laufende Machbarkeitsstudie zu Ende bringen, in der das Kosten-Nutzen-Verhältnis einer Reaktivierung der Strecke für ÖPNV-Zwecke untersucht wird. Ob dabei der Nutzen einer Reaktivierung zur Aufnahme von Güterverkehr mit betrachtet wird, bleibt offen: Nach Ansicht von Helmut Harth ist dies der Fall, nach den Informationen von Erhard Pitzius nicht. Klar ist, so Harth: „Wir sind abhängig vom Ergebnis der Machbarkeitsstudie.“

Gleisanschluss ist Standortfaktor

Dass auf der Strecke irgendwann wieder Güterzüge fahren könnten, ist für den Losheimer Rathauschef ein wesentlicher Faktor, warum die Gemeinde den Erhalt der Strecke anstrebe: „Ein Eisenbahnanschluss ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen, die sich in der Region ansiedeln wollen“, betont Harth. Und mit dem Homanit-Werk in Niederlosheim sowie demnächst der Firma Meiser, die ebenfalls in Niederlosheim einen Standort etablieren wolle, gebe es zwei potenzielle Nutzer einer solchen Güterzugverbindung. Aber für Harth sprechen noch weitere Gründe für den Erhalt der Trasse: „Ein maßgebliches Argument für mich ist die Stärkung des ÖPNV als Ergänzung und Alternative zum Pkw- und Radverkehr“, sagt Harth. Auch der touristische Wert der unter Denkmalschutz stehenden Strecke steht für ihn außer Frage: Die Museumsbahn sei neben den Themen Wandern, Stausee und Radfahren ein wichtiger Mosaikstein in der touristischen Gesamtstrategie der Region. Denn, so Hart: „Wenn Gäste sich in der Region aufhalten, nutzen sie gerne auch die Fahrten mit der Museumsbahn.“ Darum verstehe er die Position der Stadt Merzig nicht, die sich ähnlich wie eine zurzeit laufende Online-Petition für die Anlegung eines Radweges auf der Bahntrasse ausspreche, ebenso wenig die Haltung des Landkreises. „Die profitieren doch auch davon, wenn die Museumsbahn wieder die ganze Strecke nutzen kann!“ Die Gemeinde strebe beides an: eine funktionstüchtige Bahnstrecke und ein funktionierendes Radwegenetz, sagt Harth. Für ihn steht fest: „Man muss so eine alte Bahnstrecke als Kulturgut werten, ähnlich wie die Burg Montclair und die Villa Borg.“ Der Losheimer Rathauschef kann nicht verstehen, warum das Land keine Möglichkeit sieht, die Streckensanierung aus touristischen Mitteln zu fördern. „In anderen Bundesländern würde man sich ‚von‘ schreiben, wenn man solch ein Juwel hätte.“

“Das war im Wesentlichen Flickschusterei“

Allerdings, das räumt der Bürgermeister ein, hätte die Gemeinde als Eigentümerin der Strecke in den zurückliegenden Jahren mehr in deren Erhalt investieren müssen. „Wir hangeln uns hier seit Jahren nur noch so durch, das war aber im Wesentlichen Flickschusterei.“ Doch das soll sich ändern: Im Haushalt für 2023, der am Montag dem Gemeinderat zur Verabschiedung vorgelegt wird, seien im Wirtschaftsplan des Eigenbetriebs Tourismus nun 500 000 Euro für die Museumsbahn und den MECL vorgesehen. Der jahrelange Sanierungsstau hat die Sperrung der Strecke im vergangenen Herbst mit ausgelöst, räumt Harth ein: „Die Strecke ist über 100 Jahre alt, die Substanz ist fertig, die Infrastruktur muss komplett erneuert werden.“ Aber die Gemeinde habe kaum Hilfe von anderen Stellen erhalten: „Wir sind hier nachweislich allein gelassen worden.“ Neben den Sanierungskosten müssten auch Unterhaltungskosten von geschätzt 120 000 Euro jährlich gestemmt werden, erklärt Harth.

Die Gemeinde wolle nun den Landkreis, das Land und die umliegenden Kommunen Wadern und Merzig an einen Tisch holen, um eine Lösung für die Sanierung der Strecke zu finden. „Wir fordern einen Runden Tisch unter Federführung der Landesregierung“, sagt der Verwaltungschef. Ein entsprechendes Schreiben an die genannten Stellen sei Ende der Woche herausgegangen.