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Die letzte Postkutschenfahrt Merzig-Losheim-Wadern vor 120 Jahren

Heimat und Geschichte : Als die Ära der Postkutschen endete

Der gelbe Wagen auf der Strecke Merzig-Losheim-Wadern verkehrt seit Anfang des 20. Jahrhunderts nicht mehr. Ein Rückblick auf längst vergangene Zeiten.

Vor bald 120 Jahren erklang das Horn des Postillions auf der Strecke Merzig-Losheim-Wadern zum letzten Mal. Am 6. Juli 1903 trat die blumengeschmückte Postkutsche ihre letzte Fahrt von Merzig nach Wadern an. Eine Strecke der Kaiserlichen Post von etwa 26 Kilometern ging von Merzig über Losheim, Weiskirchen bis Wadern. Sie benötigte eine Fahrtzeit von drei Stunden und 48 Minuten. Damals war die gelbe Postkutsche, ein viersitziger Personenwagen, das einzige öffentliche Verkehrsmittel, das eine Verbindung zur Kreisstadt Merzig und zum Marktflecken Wadern herstellte.

Die letzte Fahrt der Kutsche im Juli 1903 begann vor dem Losheimer Postamt. Die Kutsche mit mehreren Postbediensteten in Uniform und zwei Pferden stand abfahrbereit vor der früheren Voltzschen Schule in Losheim.

Die Postkutsche fuhr täglich von Merzig via Brotdorf, Bachem, Losheim, Mitlosheim, Rappweiler und Weiskirchen nach Wadern und denselben Weg zurück.

Der „Posthannes“ musste in der vorgeschriebenen Zeit die Strecke zurücklegen. An den einzelnen Posthaltestellen wurde Post abgegeben und auch aufgenommen. Bei unvorhergesehenen Zwischenfällen, beispielsweise wenn die Deichsel zum Bruch kam, ein Reifen ablief, am Pferdegeschirr etwas in Unordnung geriet oder Glatteis und Schneewehen die Fahrt aufhielten, konnte der Kutscher die vorgesehene Zeit nicht einhalten. Wenn höhere Gewalt die Verzögerung verschuldet hatte, so wurde er nicht verantwortlich gemacht. Lag eigenes Verschulden vor, wurde er bestraft: Für jede versäumte Minute musste er dann einen Pfennig zahlen.

Die Stelle des Postkutschers war ein begehrter Posten. Bei freier Station verdiente er 30 Mark im Monat. Die Verpflegung war sehr gut, und das Trinkgeld war mit mindestens einer Mark am Tag großzügig. Die Kinder, die immer sehr herzlich von dem Postillon begrüßt wurden, nannten ihn in familiärer Weise einfach „Onkel Hannes“.

Der Fahrpreis betrug damals pro Kilometer zehn Pfennig. Eine Fahrt in der Kutsche von Merzig nach Wadern kostete also 2,60 Mark. Dieser Reisepreis war für den Normalbürger sehr hoch, sodass nur gut gestellte Leute die Postkutsche nutzten. Auch für die Arbeiter des Hochwaldraumes, die nach Merzig zur Bahn mussten, um von dort ihre Arbeitsplätze an der Saar zu erreichen, war dieser Preis zu hoch. So bildeten sich Konkurrenzunternehmen durch Fuhrleute im Hochwald, die einfache Bauernwagen umbauten, um die Berg- und Hüttenleute vom Hochwald montags nach Merzig und samstags wieder zurück zu einem Bruchteil des Postpreises zu befördern.

Der Fortschritt der Technik war nicht aufzuhalten. Durch den Bau der Kleinbahn von Merzig nach Büschfeld hatte der Postkutschenverkehr seine wirtschaftliche Grundlage im saarländischen Hochwald verloren. Eröffnet wurde die 22 Kilometer lange Strecke am 6. Juli 1903 von der Firma Kleinbahn Merzig-Büschfeld GmbH, die am 27. September 1901 gegründet worden war.

 mg postkutsche Foto: Schommer
mg postkutsche Foto: Schommer Foto: Schommer

Knapp elf Jahre später, am 1. Juli 1914, fuhr das erste Postauto von Losheim über Weiskirchen nach Wadern.