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Paradoxe Ausschilderung in Niederlosheim: Lkw-Fahrverbot nur in eine Richtung

Paradoxe Ausschilderung : Anwohner in Niederlosheim beklagen Lkw-Verkehr - Fahrverbot gilt nur in einer Richtung

In der Ortsdurchfahrt Niederlosheim gibt es widersprüchliche Verkehrsregelungen für Laster. Eine Anfrage beim Landesbetrieb für Straßenbau zeigt: Das Problem ist bekannt. Die Anwohner werden mit der Antwort aber dennoch nicht zufrieden sein.

Birgit Baltes hat ein Problem: Voriges Jahr hat die Merzigerin in ihrem Elternhaus in Niederlosheim eine Ferienwohnung eingerichtet und eröffnet. Auch wenn die Corona-Pandemie ihr bislang erst ein paar Monate lang ermöglicht hat, dort Gäste zu empfangen, haben ihre Besucher sie auf eines schon aufmerksam gemacht: „Meine Gäste haben den Straßenlärm relativ schnell als Mangel gesehen“, schreibt sie in einem Brief an die Merzig-Waderner Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich. Weil das von ihr zur Ferienwohnung umgebaute Haus an der Hauptdurchgangsstraße des Ortes liegt, habe sie beim Umbau bereits darauf geachtet, dass alle Fenster mit Dreifachverglasung versehen worden seien. Aber dennoch fühlten sich ihre Gäste, ebenso wie viele Einheimische, durch den Verkehrslärm gestört.

Und das zurecht, wie Birgit Baltes aufgrund eigener Beobachtungen festgestellt hat. Insbesondere der Schwerlastverkehr habe in jüngster Zeit spürbar zugenommen, konstatiert sie in ihrem Schreiben an die Land­rätin sowie in einem weiteren Brief an das saarländische Verkehrsministerium. Das hat nach ihrem Dafürhalten mehrere Gründe: Zum einen hat die Gemeinde Losheim vor kurzem die nächste Erweiterung des Gewerbegebietes Süd vorgenommen, das sich zwischen Losheim und Niederlosheim befindet. Zum anderen wird der Globus-Baumarkt, der sich am Ortsrand von Losheim genau gegenüber dem Gewerbegebiet befindet, seit einigen Monaten sehr aufwendig ausgebaut. Beides bringt erhöhten Baustellen- und Zulieferverkehr mit sich, findet Birgit Baltes.

 Hier gilt ein Durchfahrverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen: Hinweisschilder an der B 268 aus Richtung Nunkirchen/Homanit kommend kurz vor der Abfahrt in Richtung Niederlosheim . . .
Hier gilt ein Durchfahrverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen: Hinweisschilder an der B 268 aus Richtung Nunkirchen/Homanit kommend kurz vor der Abfahrt in Richtung Niederlosheim . . . Foto: Birgit Baltes

Es kommt aus ihrer Sicht noch ein weiterer Umstand hinzu: eine unzureichende Ausschilderung der Verkehrswege, die von schweren Transport-Lkw genommen werden sollen. Dabei ist ihr eine paradoxe Regelung aufgefallen, die für den Ort Niederlosheim gilt: Von der am Ort vorbeiführenden Bundesstraße 268 ist Fahrzeugen über 3,5 Tonnen Gesamtgewicht die Durchfahrt durch Niederlosheim untersagt (außer für Anliegerverkehr), ein Hinweisschild macht an der Einmündung der L 369 (Niederlosheimer Straße) in die B 268 darauf aufmerksam – auch wenn es oftmals nicht beachtet werde, wie Baltes moniert. Die Lkw müssten gemäß der Ausschilderung über den Kreisel am Globus Losheim und die Straße Wolfsborn fahren, wenn sie zum Gewerbegebiet oder zum Baumarkt fahren.

In der Gegenrichtung sei dies allerdings nicht der Fall: Wenn ein Laster aus dem Gewerbegebiet oder aus Richtung Baumarkt in den dortigen Kreisverkehr an der KÜS fährt, gibt es keinen Hinweis darauf, dass der Ort Niederlosheim für Lkw nur begrenzt passiert werden darf. „Es kann doch nicht sein, dass aus einer Richtung ein Lkw-Fahrverbot besteht und aus der anderen nicht“, moniert Baltes in ihrem Brief ans Verkehrsministerium. Hier müsse umgehend eine neue Beschilderung erfolgen, zumal durch die Ansiedlungen im Gewerbegebiet und die Fertigstellung des erheblich vergrößerten Baumarktes der Anlieferverkehr noch weiter zunehmen dürfte. Baltes führt weiter aus, dass der starke Schwerlastverkehr im Ort bereits erhebliche Schäden am Straßenbelag der Niederlosheimer Straße hinterlassen habe.

 . . . und hier nicht: Wenn ein Lkw in Losheim in den Kreisverkehr an der KÜS einfährt, ist für ihn kein Durchfahrverbot in Richtung Niederlosheim ausgewiesen. In Richtung Ortsmitte Losheim allerdings schon. Diese paradoxe Situation sorgt für einigen Unmut in Niederlosheim.
. . . und hier nicht: Wenn ein Lkw in Losheim in den Kreisverkehr an der KÜS einfährt, ist für ihn kein Durchfahrverbot in Richtung Niederlosheim ausgewiesen. In Richtung Ortsmitte Losheim allerdings schon. Diese paradoxe Situation sorgt für einigen Unmut in Niederlosheim. Foto: Birgit Baltes

Dass die Beschilderung widersprüchlich ist, dieser Umstand ist auch beim Landesbetrieb für Straßenbau (LfS) und der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis bekannt. Bereits 2018 habe man diesbezüglich Gespräche mit der Gemeinde Losheim am See geführt. Seinerzeit habe man sich mit dem Bürgermeister (damals noch Lothar Christ) darauf verständigt, dass das an der B 268 ausgewiesene Durchfahrverbot für Lkw über 3,5 Tonnen aufgehoben werden soll, heißt es in einer Stellungnahme des LfS an unsere Redaktion. „Das Zeichen ‚Z253’ (welches das Durchfahrverbot ausweist, Anm. der Red.) sollte entfallen, dafür sollte aber zusätzlich an dieser Stelle über dem Geradeaus-Pfeil mit dem Piktogramm Industriegebiet und ‚Losheim Süd’ auf die Gewerbegebiete hingewiesen werden, um den Verkehr zu den Gewerbegebieten über die Zufahrt Globus von der B 268 aus zu leiten.“ Statt also die Ortsdurchfahrt, wie von Birgit Baltes gefordert, in beiden Richtungen für Lkw über 3,5 Tonnen zu sperren, soll das aus einer Richtung geltende Durchfahrverbot aufgehoben werden. Dass die Straßendecke in der Niederlosheimer Straße stark in Mitleidenschaft gezogen wäre, kann der hierfür zuständige Landesbetrieb nur partiell bestätigen: Zwischen der Einmündung der von der Straße von Wahlen her (Wendalinusstraße) und der B 268 weist die erst 2015 instand gesetzte Fahrbahn nach Auskunft des LfS keine gravierenden Schäden auf. „Der weitere Teil der Ortsdurchfahrt Niederlosheim, von dem Abgang Wahlen (Wendalinusstraße) in Richtung Losheim weist einen instandsetzungsbedürftigen Zustand auf.“ Hier solle demnächst die Straßendecke instand gesetzt werden.

Ob der Ort Niederlosheim tatsächlich über Gebühr durch Schwerlastverkehr belastet wird, sollen nach Auskunft der Straßenverkehrsbehörde beim Landkreis eine Verkehrszählung sowie eine Lärmberechnung klären. Dass die Laster gänzlich aus dem Ort herausgehalten werden sollen, stellt die Behörde infrage: „Allerdings sollte man nicht vergessen, dass es sich bei der Ortsdurchfahrt Niederlosheim um eine Landstraße zweiter Ordnung handelt, die dem überörtlichen Verkehr innerhalb eines Gemeindeverbandes oder mit benachbarten Gemeindeverbänden zu dienen bestimmt ist.“ Die Klassifizierung der Straße als Landstraße führe dazu, „dass sie gerade dazu bestimmt ist, Schwerlastverkehr aufzunehmen“.