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Regionale Produkte: Ziegenbetrieb Leser in Rimlingen

Serie „Ebbes von hei“ : Was es mit der Bergmannskuh auf dem ehemaligen Sportplatz auf sich hat

Die Ziegen der Familie Leser aus Rimlingen haben einen großen Stall und dürfen auf die Weide. Ihre Produkte werden regional vermarktet. Und die Palette ist enorm.

Beackerten in früheren Jahrzehnten die Fußballer des Sportvereins Rimlingen ihren Braschenplatz in der Gemarkung Am Geiselbach, so gackern heute Hühner und grasen Ziegen auf dem abseits des Ortes gelegenen früheren Sportplatz. Der Platz wird zur neuen Heimat des Ziegenbetriebes Leser, der seit 1993 seinen Betrieb in Merchingen etabliert hatte. Dort wagten die Betreiber erste Gehversuche mit der Zucht den im Volksmund genannten Bergmannskühen.

Andreas Leser und Ehefrau Monika widmen sich mit ihren Söhnen Tobias und Lukas der Aufzucht von Ziegen, den davon gewonnenen Produkten und Erzeugnissen. Der Früh-Rentner Andreas Leser, bis vor wenigen Monaten noch Anlagenwärter bei Röchling Völklingen, hatte nach der Schule den Beruf des Landwirtes erlernt und ist im elterlichen Anwesen damit groß geworden, nunmehr kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. „Landwirtschaftlichen Nebenerwerb habe ich immer schon betrieben, aber jetzt mit der Einrichtung des Betriebes in Rimlingen haben wir von der früheren Rindviehhaltung auf Ziegen und Landwirtschaft mit Anbau von Getreide und Kartoffeln umgestellt“, erzählt der Ziegenhalter im Gespräch mit der SZ.

Rund 60 Milchziegen, überwiegend weiße deutsche Edelziegen, aber auch die vom Aussterben bedrohten Thüringer Waldziegen, dazu noch etwa 20 weibliche Zickel, die noch keine Milch geben, tummeln sich noch in Merchingen. Im neu erbauten Stallgebäude, das gänzlich nach Tierwohllabel errichtet worden ist, fühlen sich schon etwa 30 junge zweijährige Ziegen wohl.

Ziegen habe er deshalb gewählt, weil gegenüber anderen Tieren die Pflege besser zu handhaben sei, sagt Andreas Leser. „Der Stall muss groß genug sein, über genügend Auslauf für die Tiere verfügen, dazu genügend Licht haben. Die Tiere stehen auf Stroh, haben erhöhte Liegeplätze, fest installierte Bürsten zum Abreiben sowie eine eigene Entmistung“, klärt der Landwirt auf. Gefüttert wird überwiegend Heu, Mineralstoffe dürfen beigefüttert werden. Außerdem haben die Tiere Auslauf auf der Weide.

Leider habe Corona seine Pläne für die Weiterentwicklung des Betriebes etwas in die Länge gezogen, es werde wohl noch etwas Zeit in Anspruch nehmen, bis alles korrekt eingerichtet ist, sagt Leser. „Eine natürliche Haltung ist uns vorgegeben worden. Damit konnten wir uns auch der Vermarktungsinitiative ‚Ebbes von hei’ anschließen, die wir gerne und vollauf unterstützen, schließlich ist es eine große Familie mit vielen gemeinsamen Interessen“, klärt Ehefrau Monika auf.

Die Milchziegen werden 13 bis 15 Jahre alt, ab einem Alter von zwei Jahren werden sie gemolken, geben pro Tag etwa zwei bis drei Liter Milch ab. Sie stammen alle aus der eigenen Aufzucht, denn die Lesers haben ihren eigenen Bock im Stall, der nach einigen Jahren zuweilen ausgewechselt werden muss. „Die zweijährigen und älteren Muttertiere werden vom Bock alljährlich einmal bedient, lammen nach etwa fünf Monaten meist zu Anfang des neuen Jahres im Schnitt zwei Junge. Die Böckchen werden als Osterzickel verkauft, die weiblichen sind für die Nachzucht bestimmt“, klärt die Landwirtin auf. Man habe auch schon mal Fünflinge gehabt, was aber die große Ausnahme sei.

Sie ist auch für das Melken der Tiere zuständig. Dies erfolgt vormittags auf einem erhöhten Melkstand, auf dem dann jeweils zwölf Milchziegen nebeneinander Platz finden. Die noch warme Milch wird gleich zur Käseverarbeitung genutzt. „Heute in der Ziege, übermorgen auf dem Tisch“, nennt Monika Leser scherzhaft ihre Arbeitsmethode, die etwa täglich bis zu zwei Stunden mit Reinigen der Gerätschaften andauert.

Gefragt sei das Fleisch der Ziegen durchaus. Es wird aufgrund der Nachfrage als ein ganzes oder halbes Tier oder als Keule, je nach Bestellung verkauft, überwiegend aber zu Wurstwaren verarbeitet und im Kühlschrank mit den Eiern der eingangs erwähnten Hühner oder mittels Verkaufsstand auf den Märkten der Region verkauft. „Hierzu haben wir mit der Metzgerei Karl Doll in Bachem einen guten Vertreter seines Berufsstandes als Partner“, loben die Lesers sehr zufrieden seine Arbeit. Lyoner, Jagdwurst, auch mit Käse, Salami, Roh­esser, Bratwurst und Käsegriller sind stets im Angebot, dazu Ziegenkäse frisch und im Glas mit Distelöl verarbeitet als Frischkäse oder Ricotta. Milch und Molke können mit Vorbestellung erworben werden, alles zu handelsüblichen Preisen.

Alle Teile der Serie im Internet:

www.saarbruecker-zeitung.de/
feines-aus-der-region