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Briefmarkensammler erzählt in Serie "Merzig in Marken" Geschichten

Entstehung der Serie „Merzig in Marken“ : Auf kleinstem Raum regen Themen zur Beschäftigung an

Der Briefmarkensammler Thomas Holkenbrink hat seiner Wahlheimat Merzig ein Denkmal gesetzt: Anhand von Briefmarken erzählt er in der Serie „Merzig in Marken“ Geschichten aus und über die Kreisstadt. Jedem Buchstaben des Alphabets widmet er dabei eine Anekdote.

Was für andere das tägliche TV-Programm, der Sportverein oder das Fitness-Studio ist, ist für Thomas Holkenbrink aus Merzig das Sammeln von Briefmarken. Der Hobbyphilatelist weiß, dass er mit dieser Leidenschaft zu einer immer kleiner werdenden Minderheit in Deutschland zählt, was seine Faszination für die Märkchen aber in keinster Weise schmälert. Briefmarken sind für ihn mehr als bloßer Zeitvertreib, „sie sind kleine Kunstwerke, sie sollen dem Betrachter einen Impuls vermitteln und zum Nachdenken anregen“, verrät er beim Besuch der Saarbrücker Zeitung.

Für Holkenbrink sind Briefmarken nicht nur kleine Bildchen, es sind Abbilder, die in darstellerischer Weise die Themen vor dem Komma, nicht hinter dem Komma veranschaulichen: „Sie sind konzentrierte Kreativität auf kleinstem Raum – sie setzen ein Thema, mit dem die Leute sich beschäftigen sollen.“ Holkenbrink, der aus Wittlich stammt und Philosophie und Theologie studiert hat, ist Vater von fünf Kindern und kam mit seiner Ehefrau vor rund 35 Jahren nach Merzig. Eigentlich wollte er Priester werden, entschied sich dann aber für den Weg des Berufsberaters für Akademiker und Studenten bei der Arbeitsagentur des Saarlandes.

Holkenbrink, mittlerweile im Ruhestand, ist zudem mehr als nur ein bloßer Briefmarkensammler, er hat jüngst ein philatelistisches ABC der Stadt Merzig zusammengestellt, mit dem er der Kreisstadt sein ganz persönliches Denkmal setzen möchte: „Die Stadt hat mich und meine Familie herzlich aufgenommen und ich lebe so gerne hier, dass ich mit dieser Serie einfach danke sagen möchte“, erklärt der Sammler und Hobbyautor. Holkenbrink hat in seiner Serie, passend zu jedem Buchstaben des Alphabetes, eine Briefmarke aufgestöbert, die sich gesellschaftlichen, geschichtlichen oder kulturellen Aspekten der Stadt Merzig zuordnen lassen. Dazu hat er jeweils eine passende Erklärung oder kleine Geschichte verfasst.

So entstand ein buntes Potpourri an Themen, die alle verschiedene Aspekte der Kreisstadt aufgreifen: „Ich habe 2016 bereits eine Briefmarkenserie über Trier gemacht, aufgrund der langen Geschichte Triers war die Verwirklichung deutlich einfacher“, gibt Holkenbrink zu. Lange habe er überlegt, wie man eine derartige Serie über Merzig strukturieren könne, bei der Suche habe er häufig am Rande der Verzweiflung gestanden, lacht der Philatelist.

Dann sei er auf die ABC-Struktur gestoßen, die ihn überzeugte: „Es war aber auch nicht einfach, zu jedem Buchstaben etwas Passendes zu finden.“ So wollte er beispielsweise beim Buchstaben W etwas über die Weinberge und etwas über Wölfe machen: „Da musste ich etwas tricksen, ich habe dann einfach die klugen Winzer genommen, womit ich beim Buchstaben K war“, verrät der Sammler.

Monatelang hat sich Holkenbrink dann auf die Suche nach passenden Briefmarken begeben, Archive und Bücher durchforstet und im Internet in Foren gestöbert. So entstand im Laufe von rund einem halben Jahr ein Sammelsurium an Briefmarken, die alle ihre eigene Geschichte erzählen und deren gemeinsamer Nenner die Kreisstadt ist. Holkenbrink hat in seiner Serie Themen wie Europa, die Bundeswehr, den Renault 4CV, das Viezfest und den Wolfspark ebenso thematisiert wie die deutsche Brotkultur, einen Roman von Gustav Regler oder den weltberühmten Architekten Clemens Holzmeister, der die Merchinger Kirche entworfen hat.

„Für mich sind Briefmarken Kommunikationsmittel kultureller Art, sie alle beschreiben Themen auf ganz verschiedene Weise“, erklärt Holkenbrink. Fündig zu werden, sei allerdings häufig gar nicht so einfach gewesen, so wusste er beispielsweise, dass er eine Marke über die Merchinger Kirche aufnehmen möchte, sei allerdings erst in Österreich mit dem Fund der passenden Briefmarke erfolgreich gewesen. Ebenso das sogenannte Cremeschnittchen, den Renault 4CV, den jeder Saarländer aus der Zeit der gemeinsamen deutsch-französischen Wirtschaftszone in den 1950er-Jahren kennt: „Diese Marke war sehr schwer zu finden, ich wusste aber, dass ich das Thema aufnehmen will – sie ist so schwer aufzutreiben, da sie nur wenige Cent wert ist.“ Es sei daher großes Glück gewesen, dass er schlussendlich in Andorra auf solch eine Marke gestoßen ist.

Holkenbrink weiß zwar, dass die Briefmarken häufig nicht passgenau auf die Kreisstadt zugeschnitten sind, schneidet die kleinen Bildchen aber thematisch auf geschickte Art und Weise auf Merzig zu: „Das Briefmarkenthema hat immer einen Bezug zu Merzig – und die konkrete Situation in Merzig stellt den Bezug zur Briefmarke her.“ Bereits in seiner Kindheit hat ihn die Leidenschaft zu den kleinen Märkchen gepackt und nie wieder losgelassen.

Zwar sei er kein exzessiver Sammler, aber mit Herz und Seele diesem Hobby verschrieben: „Viele Philatelisten sammeln ganze Serien oder nur in bestimmten Rubriken, ich sammele nach Themen, was mich gerade begeistert.“ So hat er im Laufe der Jahrzehnte rund 4000 Briefmarken zu den unterschiedlichsten Themenbereichen zusammengetragen. „Das Saarland ist so reich an Kultur und historischen Ereignissen, eine Fortsetzung ist daher nicht ausgeschlossen“, gibt der Sammler zum Abschluss mit auf den Weg.

Unter dem Titel „Merzig in Marken“ veröffentlichen wir ab sofort Thomas Holkenbrinks Serie. Den Anfang macht „A wie Aretino“ (siehe rechts).