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Fitten: Verein verwandelt alte Streuobstwiese in Natur- und Tier-Idylle

Neue Naturidylle in Fitten : Wie es dazu kam, dass sich hier Ziegen, Feuersalamander und Frösche begegnen

Auf rund 7000 Quadratmetern entsteht bei Fitten ein grünes Wohnzimmer, in dem sich Mensch und Tier wohlfühlen sollen. Auch Bäume werden geplanzt.

Ein kurzes Rascheln mit der Tüte reicht und den Fünfen wird das sonst so heißbegehrte Grünzeug schnuppe. Ziegenwart Ferdinand Schmitt weiß, was seinen Schützlingen mundet – getrocknetes Brot. Das „Gastgeschenk“ wird bis zum letzten Krümmel verfüttert. Wohl wissend, dass sie auch ihren Teil abbekommen, lassen die vier Mädels Ramboo vorsichtshalber den Vortritt, auf den das Böckchen auch besteht. „Sie fressen das Gras und verhindern damit eine Verbuschung der Wiese in der Hanglage“, sagt Fittens Ortsvorsteher Matthias Görgen über die zutraulichen Leckermäulchen, die der Verein unmittelbar nach seiner Gründung angeschafft hat.

Im Sommer 2018 haben Görgen und seine Mitstreiter von den Natur- und Freizeitfreunden Fitten das Leader-Projekt gestartet. Ihr Ziel: das gut 7000 Quadratmeter große Gelände wieder auf Vordermann zu bringen und ein naturnahes Naherholungsgebiet zu schaffen – ein grünes Wohnzimmer, in dem sich Mensch und Tier wohlfühlen sollen. Und noch eines haben sie im Sinn: Kindern und Jugendlichen die Natur wieder näherzubringen.

An diesem Nachmittag ist die Rentnergang, wie sich die Männer scherzhaft nennen, dabei, die beiden Teiche zu rekultivieren – Knochenarbeit für Eugen Ripplinger, Willi Bettzüche, Meinhard Fritzer, Jörg Groß, Matthias Görgen, Ferdinand Schmitt und Herrmann Dibos.

 Matthias Görgen (vorn)  und Willi Bettzüche  sind fleißig bei der Arbeit.
Matthias Görgen (vorn)  und Willi Bettzüche  sind fleißig bei der Arbeit. Foto: Ruppenthal

Auf rund 120 Quadratmetern sollen heimische Fischarten ein Domizil finden. Ob es Forellen sein werden oder andere Arten, darauf hat man sich laut Matthias Görgen, zugleich stellvertretender Vorsitzender, noch nicht festgelegt. Rund 70 Quadratmeter soll das künftige Refugium der Amphibien groß werden. „Hier sind Feuersalamander heimisch“, verraten Vereinschef Jörg Groß und Hermann Dibos. Dass die gescheckten, gefleckten oder gestreiften Lurche sich den „Fitter Steinbruch“ als Heimat ausgesucht haben, ist für die beiden ein untrügliches Zeichen, dass die Welt unterhalb des Nackberges in Ordnung ist. Denn Tiere lieben Laub- und Mischwaldgebieten mit naturnahen Gewässer – „wie etwa den Herrgottsbur“, wie Groß und Dibos sagen. Und der werde die Teiche bewässern.

Derweil läuft am Rande des Geländes die Betonmaschine auf Hochtouren – befüllt von Hand mit Zement, Wasser und Sand. Ist die Mischung perfekt, wird sie mit dem Schubkarren zu den beiden künftigen Domizilen von Fischen und Amphibien transportiert. Die Masse wird ausgekippt und schnell verarbeitet. Wie oft die Rentnergang an diesem Nachmittag zwischen Betonmischer und Teichen pendelt, vermag sie am Ende nicht mehr zu sagen. Ungeachtet von den Arbeiten haben sich Wasserfrösche in dem größeren Teich breit gemacht, genießen in der wohlig temperierten Wasserlache die warmen Sonnenstrahlen.

 Das Gelände der Natur- und Freizeitfreunde aus der Vogelperspektive
Das Gelände der Natur- und Freizeitfreunde aus der Vogelperspektive Foto: Ruppenthal

Ramboo und seinen Damen gelüstet es nach dem Brot wieder nach Gras – einem Vergnügen, das die fünf braunen Wiederkäuer mit Inbrunst nachgehen, gut verwahrt hinter einem Schutzzaun. „Ihr Winterquartier haben sie in einem Stall im Ort“, verrät Ziegenchef Schmitt, dem die Tiere „lammfromm“ folgen.

Für einen kurzen Augenblick halten die Männer einmal inne, lassen ihre Blicke über das Gelände schweifen, auf dem sie an vielen Wochenende und auch Werktagen malocht haben. Rodungen haben angestanden, dazu Erd- und Betonarbeiten. Die beiden Weiher sind trockengelegt, ausgebaggert und mehrmals abgedichtet worden. Weißdorn und Schlehen haben die Männer für den Schutzzaun ausgesucht, der die beiden Weiher umgibt. Stolz sind sie auf die rustikale Sitzgruppe, die Motorsägenkünstler Hermann Dibos aus Eiche geschnitzt hat, ebenso wie auf die gemütliche Schutzhütte, die unmittelbar vor ihrer Vollendung steht.

„Auf dem Gelände standen einmal 18 Obstbäume. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, jedes Jahr zwei Hochstammbäume neu zu pflanzen“, erzählt Matthias Görgen – ein Ziel, das die Naturfreunde längst übererfüllt haben. Zehn Bäume wurzeln bereits im Boden. „Wir haben im vergangenen Jahr vier gesetzt. Dieses Jahr kommen zwei hinzu“, sagt Ortsvorsteher Görgen. Ob Zwetschgen, Mirabellen oder andere Obstarten: Es müssen Streuobstbäume des Jahres sein. Aus der Präsentation ihrer Arbeit machen Natur- und Freizeitfreunde zum Saisonende ein Fest für die Verantwortlichen aus dem Landrastsamt und der Stadtverwaltung. Schließlich will man den Geldgebern, die für Leaderprojekte im Landkreis zuständig sind, zeigen, was man geleistet hat. Im kommenden Jahr läuft dieses Förderprojekt aus – eine Sache, die die Truppe aus Fitten gelassen entgegensehen kann. Zum einen fehlen dann nur noch zwei Infotafeln. Zum anderen werden neue Förderprojekte aufgelegt, die für solch engagierte Menschen wie gemacht sind.