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Globus kommt doch nicht nach Merzig - Das sind die Gründe

Bemühungen der Stadt erfolglos : Globus kommt jetzt doch nicht nach Merzig

Stadtverwaltung erklärt auf SZ-Anfrage: Neuer Globus-Markt auf ehemaligem Kaufland-Standort in Merzig ist vom Tisch.

Die geplante Ansiedlung eines Globus-Einkaufsmarktes in Merzig ist vom Tisch. Die Stadtverwaltung von Merzig erklärte am Mittwochvormittag auf Anfrage der SZ: „Globus wird sich entgegen der ursprünglichen Absicht nunmehr doch nicht auf dem Gelände des ehemaligen Kaufland-Marktes im Eingangsbereich der Merziger Innenstadt ansiedeln.“ Im Laufe des Vormittags sind nach Informationen unserer Zeitung auch die Mitglieder des Stadtrates über diese Entwicklung informiert worden.

Eigentlich hatte die Globus-Gruppe geplant, auf dem Gelände des früheren Kaufland-Marktes (ehemals Hela) am Stadteingang von Merzig von Hilbringen her kommend einen neuen Standort zu etablieren. Diese Pläne waren im Oktober 2021 bekannt geworden. Der Pachtvertrag, den der Kaufland-Konzern mit den Eigentümern des Marktgeländes an der Rieffstraße abgeschlossen hatte, war Ende Juni 2022 ausgelaufen. Bereits vier Wochen vorher, Ende Mai des vorigen Jahres, hatte Kaufland den Merziger Markt geschlossen. Zum 1. Januar 2004 hatte der Konzern aus Neckarsulm den dortigen Hela-Markt, der in den 70er Jahren eröffnet worden war, übernommen. Im Oktober 2021 hatte Ralf Kunz, Geschäftsführer der Globus-Grundstücksgesellschaften, auf SZ-Anfrage erklärt: „Globus wird sich ab Juli 2022 am Standort Merzig einbringen.“ Zu diesem Zeitpunkt hatte Globus die Nachfolge als Mieter der Fläche angetreten. Geplant war, das in die Jahre gekommene Marktgebäude abzureißen und durch einen attraktiven neuen, großen Einkaufsmarkt zu ersetzen.

Rücktritt vom Mietvertrag

Von diesen Plänen ist der saarländische Einzelhandels-Konzern nun offenbar abgerückt, wie die Stadtverwaltung von Merzig auf Anfrage der SZ bestätigte: „Stattdessen ist Globus im Dezember 2022 vom Mietvertrag mit der Erbengemeinschaft, welcher das Hauptgrundstück in diesem Ortsteil gehört, zurückgetreten.“ In den vergangenen Wochen und Monaten hatte es immer wieder Gerüchte in der Kreisstadt um die Globus-Ansiedlung gegeben – auch weil sich auf dem Gelände seit Schließung der Kaufland-Filiale kaum etwas getan hatte. Noch im November hatte Bürgermeister Marcus Hoffeld in einer Sitzung des Stadtrates dazu Stellung bezogen. Hoffeld hatte damals erklärt, die Verwaltung sei darüber informiert, dass derzeit intensive und vertrauliche Gespräche zwischen allen beteiligten Seiten hinsichtlich der Globus-Ansiedlung geführt würden, um bestehende Hindernisse und offene Fragen zu klären.

Bemühungen der Stadt blieben erfolglos

Offenbar ist dies schlussendlich nicht gelungen, was der Merziger Rathauschef gegenüber der SZ auch bedauerte – zumal die Kreisstadt nach seiner Überzeugung alles für die Verwirklichung der Ansiedlung unternommen habe, was ihr möglich gewesen sei: „Wir als Kreisstadt Merzig haben uns frühzeitig proaktiv im Sinne einer positiven Weiterentwicklung dieses für die Einkaufsstadt Merzig wichtigen Bereiches in die Gespräche eingebunden.“ Das sei angesichts der gegebenen Umstände alles andere als einfach gewesen, unterstrich Hoffeld, denn die Möglichkeiten der Stadt seien begrenzt gewesen: „Obwohl wir weder Eigentümer noch Vertragspartner sind, haben wir große Anstrengungen unternommen, indem wir uns stets in den Verhandlungen eingebracht, Kontakte gesucht, zwischen allen Beteiligten vermittelt sowie jedwede Unterstützung zugesagt und gewährt haben.“

 Marcus Hoffeld, Bürgermeister von Merzig
Marcus Hoffeld, Bürgermeister von Merzig Foto: Ruppenthal

Was aber war letztlich ausschlaggebend für das Scheitern der Globus-Ansiedlung? Dazu liefert eine Äußerung des hauptamtlichen Beigeordnete und Baudezernenten von Merzig, Christian Bies, in der Stellungnahme gegenüber der SZ Hinweise. Nach seinen Worten erschweren insbesondere „die komplexen Eigentums- und Vertragsverhältnisse in diesem Bereich“ eine schnelle Lösungsfindung. Zu näheren Details äußert sich Bies nicht weiter. Dem Vernehmen nach soll es eine verschachtelte Eigentums-Konstruktion für die Marktfläche und das Marktgebäude an diesem Standort mit unterschiedlichen Besitzern (und damit Vermietern) geben.

Trotz des jetzigen Rückschlags zeigten sich sowohl Marcus Hoffeld als auch sein Stellvertreter Christian Bies optimistisch, dass es gelingen wird, wieder Leben auf die der derzeit brach liegende Fläche zu bekommen. Hoffeld erklärte, die Stadtverwaltung sei „weiterhin zuversichtlich, dass es gelingt, in diesem Bereich einen attraktiven und qualitativ hochwertigen Einkaufsmarkt zu errichten, der zugleich das Erscheinungsbild am Stadteingang aufwerten wird. Denn Interessenten gebe es genug, ergänzte Baudezernent Bies: „Weitere renommierte und namhafte Märkte haben ihr ernsthaftes Interesse, an dieser Stelle einen neuen Einkaufsmarkt zu errichten, signalisiert.“ Aufgrund der bestehenden Gegebenheiten könne aber eine konkrete Aussage darüber, innerhalb welches Zeitfensters eine Ansiedlung realisierbar sein wird, aktuell nicht getroffen werden.

Hoffeld will am Ball bleiben

Die Verwaltungsspitze wolle jedenfalls weiter am Ball bleiben, bekräftige Hoffeld: „Die Kreisstadt Merzig befindet sich nach wie vor in intensiven Gesprächen und im regen Austausch mit den Eigentümern sowie potenziellen Interessenten.“ Die Stadt verfolge weiterhin „das klare Ziel, dass sich wieder ein großer, attraktiver Einkaufsmarkt an dieser Stelle ansiedelt“.