1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Kaufland Merzig kündigt Shopbetreiber Vertrag und erhöht kurz darauf Miete

Geschichte zum Kopfschütteln aus Merzig : Kaufland kündigt Mietvertrag und erhöht die Miete

Der Kaufland-Markt in Merzig wird Mitte 2022 schließen. Mitte November kündigt Kaufland fristgerecht den Shopbetreibern ihre Verträge und erhöht kurz darauf mindestens einem die Miete.

Es gibt Geschichten, über die kann man nur den Kopf schütteln. Eine solche spielte sich jetzt im Kaufland-Markt in Merzig ab. Der wird bekanntlich im Sommer kommenden Jahres schließen (die SZ berichtete). Mitte November erhielten die Betreiber von gut einem Dutzend Shops, die im Eingangsbereich des Marktes angesiedelt sind, von Kaufland die Kündigung ihrer Mietverträge zum 31. Mai 2022 – fristgerecht. Bei wenigstens einem der Shopbetreiber ging kurz danach noch ein zweites Schreiben ein.

Darin wurde ihm seitens seines Vermieters Kaufland mitgeteilt, dass sich die Miete für sein Geschäft „entsprechend der Wertsicherungsklausel“um rund 500 Euro netto im Monat erhöht – und zwar rückwirkend zum 1. November und zuzüglich der Umsatzsteuer. „Durch die Kündigung meines Geschäftes bin ich ohnehin schon in einer existenzgefährdenden Situation“, klagte der Geschäftsbetreiber gegenüber unserer Redaktion. Zwar habe er durch die Vermittlung der Stadt Merzig einen Ausweichstandort in der Innenstadt bekommen können. „Aber der Umzug dorthin kostet mich ja auch Geld, und noch ist unklar, ob ich dort die gleichen Umsätze erzielen kann wie hier im Markt.“ Zwar sei die vorgenommene Mietpreisanpassung auf der Basis der bestehenden Verträge wohl zulässig – „aber es geht hier um eine Frage des Stils“, echauffierte sich der Ladenmieter.

Immerhin nahm die Geschichte ein vorweihnachtliches Happy End: Als die SZ beim Kaufland-Konzern nachfragte, warum es notwendig sei, bei einem noch wenige Monate laufenden Mietverhältnis kurz nach dessen Kündigung noch die Miete zu erhöhen, schwenkte Kaufland um: In einem Schreiben an den Mieter wurde ihm mitgeteilt, dass die vorgenommene Mieterhöhung „aufgrund der bekannten Situation“ rund um den Standort Merzig „nicht zumutbar und nicht vertretbar“ sei. Darum werde die Miete umgehend wieder ursprünglich auf den ursprünglichen Wert reduziert. „Zu viel bezahlte Beiträge werden wir Ihnen schnellstmöglich erstatten.“

Zu den Gründen, warum die Mieterhöhung vorgenommen worden sei, teilte das Unternehmen der SZ mit: „Bei der Mieterhöhung in Merzig handelt es sich um eine vertragliche Indexierung, einen weitestgehend digitalisierten Verwaltungsakt.“ Gegenüber seinem Vertragspartner erklärte Kaufland, dass es sich um ein vollautomatisiertes Verfahren handele und  „das Computersystem automatisch eine neue Dauermietrechnung erstellt, sobald die Indexierungsregeln greifen.“ Auf die Frage der SZ, ob noch andere Shopbetreiber im Merziger Markt von der „vollautomatisierten Indexierung“ betroffen gewesen seien, ging das Unternehmen nicht ein.