Kolumne A propos : So geht scholzen und lindnern

Gaucken, wulffen, merkeln und lindnern: Was haben wir Spitzenpolitikern nicht alles für tolle Wortschöpfungen zu verdanken. Das aktuelle Lieblingswort unseres Autors ist allerdings „scholzen“. Warum, das erklärt er hier.

Keiner kann besser scholzen als Olaf Scholz selbst. Schließlich ist er der Namensgeber dieses hübschen neuen Verbs. Richtig schmeichelhaft ist seine Bedeutung allerdings nicht, denn Scholzen bedeutet nichts anderes als „etwas von sich abperlen lassen“. Sprich: Rutsch mir doch den Buckel runter.

Das scheint der Leitspruch von Olaf Scholz zu sein: jegliche Kritik ignorieren, bloß nicht Stellung beziehen und so tun, als sei nichts geschehen. Kritik an Scholz gibt es dagegen mehr als genug. Äußerst undurchsichtig ist seine Rolle im Wirecard-Skandal, der den Staat Milliarden gekostet hat. Ebenso seine Beziehung zu skrupellosen Managern der Hamburger Warburg-Bank, die mit hinterhältigen und kriminellen Cumex-Geschäften den Staat um weitere Millionen betrogen hat. Nicht zu vergessen, dass Olaf Scholz einer der Architekten der Agenda 2010 ist, die mit der Hartz-IV-Reform Hunderttausende in die Armut getrieben hat. Auch davon will er heute nichts mehr wissen.

Das kann er gut. Im Grunde ist er damit der legitime Nachfolger von Angela Merkel, die auch von ihren früheren Entscheidungen nichts wissen will. Sofern sie welche getroffen hat, denn „merkeln“ bedeutet ja „nichts tun, keine Entscheidung treffen“. Auch in Sachen Langweiligkeit steht Scholz ihr in nichts nach. Nicht umsonst hat die New York Times über Scholz geschrieben, es sei spannender, einem Topf Wasser beim Kochen zuzusehen als ihn reden zu hören.

FDP-Chef Christian Lindner hat es ebenfalls geschafft, seinen Namen für eine höchst zweifelhafte Aktivität hergeben zu müssen. Sein plötzlicher Abgang bei den Koalitionsverhandlungen über Jamaika vor vier Jahren wird seitdem mit „lindnern“ umschrieben. Auf gut Deutsch: eine gemeinsam geplante Gruppenaktivität zum letztmöglichen Zeitpunkt absagen.

Das nehme ich mir zum Vorbild und komme morgen nicht zur Arbeit. Wenn mein Chef mich dann fragt, warum, antworte ich ihm frei nach Lindner: Es ist besser, nicht zu arbeiten, als schlecht zu arbeiten.