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Saarland: Welche Fischart in der Saar Fischereiverband große Sorgen macht

Im Saarland : Eine Fischart in der Saar macht dem Fischereiverband Sorgen

Vor einer Woche sorgte der Fang eines seltenen Mandarinwelses in der Saar für Aufsehen. Der Präsident des Fischereiverbandes Saar, Andreas Schneiderlöchner, erklärt, wie viel Glück man braucht, dass ein solcher Fisch anbeißt – und warum immer mehr nicht heimische Fischarten in den saarländischen Gewässern schwimmen.

Wie oft kommt es vor, dass ein Mandarinwels geangelt wird?

SCHNEIDERLÖCHNER In saarländischen Gewässern ist der Fang eines sogenannten Mandarinwelses eine absolute Ausnahme. Die Elektrobefischung im Rahmen der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie und die Reusenbefischung im Rahmen des Aalschutzprogramms haben in der Vergangenheit allein in der Saar zum Fang eines solchen Tieres geführt.

 Andreas Schneiderlöchner, Präsident Fischereiverband Saar
Andreas Schneiderlöchner, Präsident Fischereiverband Saar Foto: rup

Ist das Vorkommen eines Mandarinwelses ein Indiz für sauberes Wasser?

SCHNEIDERLÖCHNER Welse sind gegenüber Verschmutzungen und geringen Sauerstoffkonzentrationen relativ unempfindlich. Ihr physiologisches Temperaturoptimum liegt bei 25 Grad Celsius bis 27 Grad Celsius, sie vertragen aber auch deutlich niedrigere Temperaturen gut. Das Vorkommen eines sogenannten Mandarinwelses ist also kein Indiz für eine gute Wasserqualität.

Ist ein Mandarinwels eine Laune der Natur?

SCHNEIDERLÖCHNER Bei Fischen entsteht die Farbe von Haut und Schuppen dadurch, dass Licht mit drei verschiedenen Typen von farbstoffbildende Zellen interagiert. Es gibt Mutationen, die alle drei Farbstofftypen beeinflussen, zwei oder nur einen. Damit dieser Gendefekt vererbt werden kann, müssen beide Elterntiere den Gendefekt aufweisen. Vorliegend handelt es sich um eine Form des Albinismus, bei dem die gelbe oder rote Farbe farbstoffbildender Zellen unbeeinflusst geblieben ist, während die durch andere farbstoffbildende Zellen verursachte schwarze oder braune Farbe fehlt. Diese Form des Albinismus kann lediglich bei Fischen, Amphibien, Reptilien und Vögel auftreten. Es handelt sich also um eine harmlose Stoffwechselerkrankung der Pigmentzellen, sodass der Fisch nicht in der Lage ist, den Farbstoff Melanin zu bilden. Es handelt sich somit tatsächlich um eine Laune der Natur.

Sind auch normale Welse in saarländischen Gewässern heimisch?

SCHNEIDERLÖCHNER Der Europäische Wels besiedelt die Saar und auch die Unterläufe von Prims, Nied, und Blies. Ab den siebziger Jahren erfolgte der Saarausbau in eine Wasserstraße mit sechs Staustufen. Das Flussbett wurde ausgehoben, der Fluss angestaut und die Fließgeschwindigkeit bis zu einem nahezu stehenden Gewässer verringert, was auch zu einem relevanten Anstieg der Wassertemperatur führte. So entstanden optimale Bedingungen für den Wels, sodass die Bestände sich stark ausweiten konnten, was auch einhergeht mit einem Anstieg des möglichen Körpergewichts von über 50 Kilo gefangene Welse mit einer Körperlänge von über 180 Zentimeter stellen keine Seltenheit mehr dar.

Welche Fischsorten gibt es mittlerweile in der Saar?

SCHNEIDERLÖCHNER Die Hauptfischarten sind Rotauge, Rotfeder, Brasse, Güster, Giebel, Barbe, Karpfen, Döbel, Schleie, Forelle Zander, Hecht, Barsch, Wels, Aal und Rapfen. In den Nebenflüssen der Saar wurden in den letzten Jahren verstärkt Quappenbestände durch die Angelvereine aufgebaut, die nunmehr auch anfangen, die Saar wiederzuerobern. Es breiten sich zunehmend invasive Fischarten aus. So die Schwarzmundgrundel und der zu den Fischen im Rechtssinne gehörende Signalkrebs und die Chinesische Wollhandkrabbe.

Seit Jahren setzen Sie und Ihre Mitstreiter Fische in Flüssen und Bächen aus. Was war Ihre bislang erfolgreichste Aktion?

SCHNEIDERLÖCHNER Eine Erfolgsgeschichte bildet die seit etwa einem Jahrzehnt betriebene Aalschutzinitiative. Es werden jährlich etwa 14 000 sogenannte Glasaale in die Saar besetzt und jährlich werden adulte Tiere mit Reusen gefangen und in den Rhein verbracht, damit diese Tiere vor den drohenden Verletzungen in den Turbinen der Wasserkraftwerke der Saar und der Mosel verschont bleiben und ins Meer abwandern können. Die Saar bleibt auf diese Weise als ideales Aufzuchtgewässer für diese sehr bedrohte Fischart erhalten. Langfristig kämpfen wir dafür, dass die bestehenden Wasserkraftanlagen derart umgebaut werden, dass Wanderfische nicht mehr durch sie geschädigt oder getötet werden können.

Und welche die erfolgloseste?

SCHNEIDERLÖCHNER Eine Fischart, bereitet uns große Sorgen. Es handelt sich um die Äsche, die sehr vom Aussterben bedroht ist. Wir sehen hier auch einen zu einseitig praktizierten Artenschutz. Obwohl der Kormoran einen sehr guten Bestand aufweist und die sehr dezimierten Äschenbestände an Prims, Blies und Nied schädigt, bleibt der Kormoran rechtlich unter Schutz gestellt. Der Verweis auf mögliche weitere Ursachen für dieses Desaster ist nicht zielführend, da die Gewässerstrukturen und Wasserqualitäten auf absehbare Zeit nicht derart geändert werden können, dass die Äsche mit ihrer geringen Anpassungsfähigkeit sich behaupten kann.

Ist es eher selten, dass junge Leute wie der Glückspilz, der den Mandarinwels an der Angel hatte, angeln gehen?

SCHNEIDERLÖCHNER Viele Familien und junge Leute begeistern sich inzwischen für dieses Hobby. Darunter auch viele Frauen. Viele Angler, vor allem junge, angeln aktiv. Sie werfen die Rute aus und holen sie wieder ein, bis ein Fisch anbeißt. Ist keine Beute zu machen, ziehen sie weiter. Auch das „Streetfishing“, also das Angeln mitten in der Stadt ist im Moment überall in Europa sehr angesagt. Social Media befeuert den Angel-Trend auch noch. Es handelt sich um ein relativ günstiges Hobby.

Ist Angeln mittlerweile zu einem neuen Trendsport geworden?

SCHNEIDERLÖCHNER Ich möchte beim Angeln nicht von einem Sport sprechen, auch wenn es mitunter zur Unterscheidung vom Berufsfischen als Sportangeln bezeichnet wird, denn beim Angeln geht es um den Umgang mit einer lebenden Kreatur, der mit Respekt begegnet werden muss. Hier spielt die sogenannte Waidgerechtigkeit eine große Rolle.

Wieviele Saarländer frönen diesem Hobby?

SCHNEIDERLÖCHNER Derzeit haben etwa 18 000 Personen einen Fischereischein im Saarland gelöst, sodass davon auszugehen ist, dass diese derzeit aktiv angeln.

Was unterscheidet Angeln von der Jagd?

SCHNEIDERLÖCHNER Der Zielfisch, also der vom Angler gewünschte Fisch der Art und Größe nach, kann beim Angeln nur bedingt durch die Wahl des Fanggerätes und des Köders gezielt angesprochen werden. Welche Fischart in welcher Größe dann letztendlich beißt, ist oft Glückssache. Der Angler kann im Gegensatz zum Jäger die notwendige Selektion erst dann ausüben, wenn der Fisch gelandet wurde.

Was braucht man, um angeln zu gehen?

SCHNEIDERLÖCHNER Voraussetzung ist zunächst die Ablegung der Fischerprüfung und das Lösen eines Fischereischeines. Für die jeweiligen Gewässer müssen dann noch Erlaubnisscheine erworben oder eine Mitgliedschaft in einem der zahlreichen Angelvereine begründet werden. In der Fischerprüfung geht es unter anderem um Fischereirecht, Biologie der Fische, das sichere Bestimmen der Fische, Gewässer- und Tierschutz sowie die richtige Zusammenstellung der Angelgeräte. Eine Grundausstattung fürs Angeln ist keine teure Angelegenheit.

Was raten Sie einem Anfänger?

SCHNEIDERLÖCHNER Den Anfängern ist die Mitgliedschaft in einem Angelverein zu empfehlen. Dort steht man ihm mit Rat und Tat zur Seite. Optimal wäre es, wenn der Anfänger sich im Angelverein auch noch für den Gewässer-, Artenschutz und sozial engagiert.

Was macht den Reiz dieses Hobbys aus?

SCHNEIDERLÖCHNER Eine eindeutige Antwort für alle Angler zu geben, ist schier unmöglich. Für den einen ist der Fang sehr wichtig. Für den anderen der Umstand, draußen in der Natur zu sein. Für andere wiederum geht es darum, gern mit Freunden am Wasser zu sein. Wieder andere lieben die Überraschungen und Erlebnisse am Wasser. Schließlich gibt es Angler, die alles ein bisschen mögen.

Müssen Sie und Ihre Mitstreiter gegen Anfeindungen ankämpfen?

SCHNEIDERLÖCHNER Das Angeln ist in der Mitte der Bevölkerung gut verankert. In unseren Reihen befinden sich viele Menschen, die sich auch im karitativen Tier- und Naturschutz engagieren. In den vergangenen Jahren haben wir verstärkt Öffentlichkeitsarbeit geleistet und so dazu beigetragen, dass die Bevölkerung nicht den spendensammelnden, ideologiegeleiteten Tierrechtsorganisationen auf den Leim gehen. Ich empfehle stattdessen, zusammen mit unseren Angelvereinen, den karitativen Tierschutz in den Tierheimen und Tierschutzvereinen zu unterstützen.

Was wünschen Sie Ihrem Verband für die Zukunft?

SCHNEIDERLÖCHNER Für die Zukunft wünsche ich meinem Verband, dass die Arbeit tatsächlich wertgeschätzt und die Arbeit den ehrenamtlichen Funktionären nicht derart verkompliziert wird, dass diese Arbeit im Ehrenamt nicht mehr ausgeführt werden kann. Letztendlich führt die Überführung der Arbeiten in das Hauptamt zu erheblichen Personalkosten, sodass dieses Geld für Gewässerschutz- und Artenschutzprojekte nicht mehr zur Verfügung steht und den Verband von seiner Mitgliederbasis entfernt. Der Fischereiverband Saar ist der Interessenvertreter der Anglerinnen und Angler im Saarland und als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit hoheitlichen Aufgaben betraut. Insoweit wünsche ich mir, dass der Verband auch in Zukunft seinen Aufgaben gerecht werden kann.