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So läuft die Kooperation von NSW und Firma Bard in Rehlingen

Zu Besuch bei der Lebenshilfe in Rehlingen : Tiefkühlkost entsteht hier in Handarbeit

Die Lebenshilfe stellt in Merzig und Rehlingen allerhand Köstlichkeiten her. Seit mehreren Jahren gibt es zudem eine Kooperation mit einer Firma aus Saarbrücken.

Auf die Scheibe Speck legt Jennifer ein paar Bohnen. Erst wenn alle Gemüsestücke die gleiche Länge haben, legt die sympathische Frau aus Morscholz ihnen den geräucherten Mantel um. Die fertigen Appetithäppchen legt sie an den Rand des Tisches – zum Einsammeln und zur Weiterverarbeitung.

Die Vitaminbömbchen sind Teil der Chimichurri-Spieße, die die Saarbrücker Firma Bard herstellt, mit der die Lebenshilfe seit rund drei Jahren kooperiert. Die Arbeit geht ihr schnell von der Hand – sauber und exakt. Dass sie in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett muss, macht ihr nach ihren Worten nichts aus. „Ich stehe um fünf auf und werde dann zur Arbeit gebracht“, erzählt die Frau aus dem Waderner Stadtteil. Ihr Job bei der Lebenshilfe in Rehlingen mache ihr Spaß – eine Meinung, der ihre Arbeitskollegen zustimmen. „Auch wenn es manchmal ein bisschen stressig ist“, ergänzt Kevin und lacht.

Schmunzelnd registrieren Rudi Geßner, Betriebsleiter und Prokurist der Lebenshilfe Nordsaarland Werkstätte gemeinnützige GmbH, kurz NSW genannt, und sein Stellvertreter Kai Baumann die Begeisterung der Gruppe. Die schlafwandlerische Sicherheit, mit der die Leute zu Werke gehen, imponieren ebenso wie ihre Freude an der Arbeit, die sie unverhohlen zeigen. „Von unseren 166 Menschen, die wir in den Werkstätten in Merzig und Rehlingen beschäftigen, haben 96 eine Behinderung“, erzählt er. Man habe sich die Aufgabe gestellt, den 96 Männern und Frauen eine Arbeit anzubieten, die ihren individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten entspricht.

 Beim Besuch in Rehlingen (von links): Manfred Adams, Richard Bard, Ulrike Studt, Rudi Gessner und Pia Fontaine.
Beim Besuch in Rehlingen (von links): Manfred Adams, Richard Bard, Ulrike Studt, Rudi Gessner und Pia Fontaine. Foto: Ruppenthal

Der Produktion von Tiefkühlkost – wie Obst und Fisch – ist die Lebenshilfe nach der Übernahme des insolventen Behindertenwerkstatt-Unternehmens B. Paulus treu geblieben. Ausgebaut hat sie ihre Zusammenarbeit mit der Firma Bard frische Küche GmbH aus Saarbrücken. „Seit fast drei Jahren ist das Unternehmen im Bereich der Lohnarbeit der wichtigste und kontinuierlichste Kunde“, verrät Geßner. „Wir produzieren metzgerei-typische Halbfertig- und Fertigprodukte“, sagt Geschäftsführer Richard Bard. „Schleckeredenzchen, für die sonst niemand Zeit hat“, fügt der Metzgermeister und Hotelfachmann schmunzelnd an. Die Palette reicht von gefüllten Klößen bis zur Königin-Pastete, vom Fackelbrot, über die Kohlrouladen und verschiedene Frikadellen bis zu diversen Spießen, vom Schweinefilet de Luxe zu eben jenen Chimichurri-Spießen aus Lammfleisch, mariniert mit Kräutersoße, und den Bohnen im Speckmantel. „In der Produktionsstätte in Rehlingen werden diese und die Käsestücke im Speckmantel hergestellt“, berichtet der Chef des Unternehmens, das nach seinen Angaben im Sommer an die 400 Mitarbeiter beschäftigt.

An diesem Morgen ist er mit seinen Mitarbeitern Manfred Adams und Ulrike Studt aus der Landeshauptstadt in das Rehlinger Gewerbegebiet gekommen, um sich einmal umzuschauen. Die Nähe seines Betriebes am Lyonerring zu der Firma in der Rehlinger Nordstraße weiß er zu schätzen. „Zum einen kommt das Gemüse aus der Region, zum anderen sind die Leute hier sehr, sehr zuverlässig, fleißig und leisten sehr gute Arbeit“, gerät er ins Schwärmen – ein Kompliment, das Pia Fontaine, Leiterin für Vertrieb, Einkauf und Marketing, nur gerne vernimmt. Zwei Millionen Käseröllchen werden nach ihrer Darstellung pro Jahr hergestellt, zudem eine Million Bohnen im Speckmantel. Unternehmen wie Edeka sind laut Bard an diesen Convenience-Produkten interessiert, ebenso wie Kaufland oder Rewe.

Einig sind sich die Partner, dass die Zusammenarbeit absolut beispielhaft ist. „Wir helfen uns gegenseitig“, sagt der Metzgermeister. „Es hat sich zwischen uns eine Partnerschaft entwickelt, die unseren Leuten sehr viele Arbeitsplätze sichert und für die wirtschaftliche Seite des Unternehmens von großer Bedeutung ist“, sagt Geßner. Es sei eine Zusammenarbeit, die in freundschaftlicher Weise gelebt werde. Mit den 5000 Euro, die die Firma Ende vergangenen Jahres gespendet habe, seien die Schutzmaßnahmen gegen Corona verbessert worden. Nach Darstellung von Geschäftsführer Hans-Josef Scholl findet die Lebenshilfe bei Bard und seinen Leuten ein offenes Ohr für ihre Anliegen. Sein Wunsch: die Zusammenarbeit weiter ausbauen und vertiefen.

Es sind nach den Worten von Scholl gerade die behinderten Mitarbeiter, um die sich die Lebenshilfe besonders kümmert. Dabei fördere man sie nicht nur bei ihrer Arbeit im Unternehmen, sondern man sei auch bedacht, sie bei der gesellschaftlichen Integration, bei der Teilhabe am kulturellen und gesellschaftlichen Leben zu unterstützen.