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Spezialtransport bringt riesige Windradteile nach Merchingen

Windpark Merchingen : Zentimeter für Zentimeter Richtung Windpark

Das 75 Meter lange Rotorblatt für den Windpark in Merchingen hat sich ab Wadern auf den Weg gemacht. Am Sonntag folgt das nächste.

Millimeter um Millimeter schiebt sich der 75 Meter lange Rotor nach oben – Maßarbeit, um eine Karambolage mit den Bäumen am Dagstuhler Bahnhof zu vermeiden. Während „Flügelsteuermann“ Ralph Theyssler das Teil, das an eine riesige Haiflosse erinnert, nicht aus den Augen lässt, hat Manuel Deißler die Steuerung des Tiefladers im Blick, auf dem der Flügel des Windrades von Wadern nach Merchingen transportiert wird.

„Für den Windpark sind zwei Anlagen vom Typ Vestas V150 mit einer Gesamtleistung von 8,4 Megawatt (MW) und einer Gesamthöhe von 241 Metern vorgesehen“, verrät Manuel Deißler von der Firma Schwandner Logistik und Transport. Eigens ist er mit seinem Kollegen Theyssler aus dem bayerischen Pfreimd in den Hochwald gekommen, um diese Riesenteile von Wadern in den Windpark zu begleiten – eine Aufgabe, die viel Beachtung findet. Die Verkehrsschilder, die hindern könnten, hat Frank Arndt, einer der Mitarbeiter der Begleitfahrzeuge, zur Sicherheit aus dem Weg geräumt. Nach einer guten Viertelstunde haben die beiden Männer den Kreisel durchfahren, die Bäume passiert, ohne irgendwelche Blessuren zu hinterlassen. Jetzt ist Björn Hemker am Zug: Die Aufgabe des Mannes, der in seinem Auto die Nachhut bildet: die Verkehrsschilder aufstellen, die Frank Arndt abmontiert hat. Auf der halbwegs geraden Strecke in Richtung Lückner lassen sich Deißler und Theyssler auf dem Tieflader nieder – ein paar Kilometer Fahrt, bevor sie sich in Nunkirchen zu Fuß auf den Weg machen.

 Der 75 Meter lange Windradflügel wird hier in Wadern im Dunkeln und Nebel über die Fernsteuerung fast senkrecht gestellt, um Hindernisse zu umgehen.
Der 75 Meter lange Windradflügel wird hier in Wadern im Dunkeln und Nebel über die Fernsteuerung fast senkrecht gestellt, um Hindernisse zu umgehen. Foto: Krewer Werner

Hinter dem Spezialtransporter, der pro Stunde rund vier bis fünf Kilometer schafft, und seinen Begleitfahrzeugen hat sich mittlerweile eine lange Autoschlange gebildet. Als die Straße breit genug ist, stoppt der Konvoi. Ganz Kavalier der Landstraße, geben Chauffeure der Begleitfahrzeuge Autofahrern Handzeichen, an dem Tross vorbeizuziehen – ein Angebot, das sie nur zu gerne annehmen.

Kurz nach zehn Uhr ist Nunkirchen erreicht, angekündigt von Ricarda Sternal, die mit ihrem Wagen die Vorhut bildet. Ihr Auto hat sie quergestellt, ein Durchkommen in Richtung Wadern wird unmöglich, zumindest bis der Transporter durch ist. „Manches Mal kriegen wir schon etwas um die Ohren“, verrät ihr Kollege Björn Blum. Doch daran sei man mittlerweile gewöhnt.

Der selbstfahrende Transporter mit den beiden Fachleuten taucht auf – für Ricarda Sternal ein Signal, sich hinters Steuer zu klemmen und die nächste Station anzusteuern. Jetzt übernehmen ihre Kollegen und kümmern sich um die Absperrung. Mittlerweile hat das Spezialfahrzeug den Kreisel erreicht und wird als Sensation gefeiert. Handys und Kameras gehen hoch, als Deißler und Theyssler, durch Fernsteuerung miteinander verbunden, Zugmaschine und Ladung durch den Ort lenken – Erinnerungsfotos, von denen die beiden Spezialisten scheinbar nichts mitbekommen. Zu sehr sind die beiden in ihren Job vertieft.

Damit jener Teil des 75 Meter langen Flügels, der über das Ende des Gefährts hinausragt, nicht mit Hindernissen kollidiert, müssen Deißler und Theyssler reagieren. „Knapp 50 Meter des Windradflügels sind freischwebend fixiert, können in der Länge gedreht sowie bis 65 Grad aufrecht gestellt werden“, verraten die beiden Männer. Lassen die beiden am Dagstuhler Bahnhof wegen der Bäume die Nase des Flügels in die Luft strecken, legen sie diese bei der Durchfahrt in Nunkirchen waagerecht. Grund: die Laternen, die über der Straße hängen. Begleiten von vielen Schaulustigen führt sie der Weg Richtung Lückner. Gegen 16 Uhr haben sie den Windpark Merchingen erreicht – wie geplant.

Den Weg von Wadern nach Merchingen werden die Männer aus Bayern nach ihren Worten noch dreimal zurücklegen. „Läuft alles nach Plan, starten wir am Sonntag (19. Dezember, Anm. der Redaktion) unsere letzte Fahrt“, sagen Deißler und Theissler, die europaweit unterwegs sind. „Seit 2015 haben wir für die Firma Schwandner rund 350 solcher Rotorblätter-Transporte durchgeführt“, ziehen die Männer, die nach ihren Worten seit gut 20 Jahren im Transportgeschäft tätig sind, Bilanz. „Wir sind eigens auf den Tieflader geschult worden.“