1. Saarland
  2. Merzig-Wadern
  3. Merzig

Stadtrat stimmt mit 31 Ja-Stimmen und einer Enthaltung CDU-Vorstoß zu

Wald bleibt sich selbst überlassen : Mehr naturbelassene Flächen in Merzigs Wald

Mit 31-Ja-Stimmen und einer Enthaltung sprachen sich die Fraktionen für den Antrag der CDU-Fraktion aus, Referenzflächen auszuweisen.

Referenzflächen heißen die naturbelassenen Refugien des Waldes, in denen die forstliche Bewirtschaftung ruht und in denen keine Waldpflegemaßnahmen starten. Jetzt werden sie im Bereich des Merziger Stadtwaldes in Naturentwicklungsflächen umbenannt. Dafür hat der Merziger Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht gegeben. Mit 31-Ja-Stimmen und einer Enthaltung sprachen sich die Fraktionen für den Antrag der CDU-Fraktion aus.

Dieser sieht vor, mit Ausnahme des Mühlentals bei Bietzen und Menningen, die bisherigen Referenzflächen in Naturentwicklungsflächen zu überführen. Das Mühlental soll nach Darstellung von CDU-Fraktionschef Jürgen Auweiler eine „Fläche mit besonderer Naturschutzfunktion“ werden, also ein Fläche, die schonend bewirtschaftet werden kann. Als Ausgleich für die wegfallende Naturentwicklungsfläche im Mühlental soll der Bereich Gipsberg-Süd, der bisher in der normalen Waldbewirtschaftung lag, den Schutzstatus Naturwaldentwicklungsfläche erhalten. „Der CDU-Stadtratsfraktion ging es darum, die Flächen aus dem Mühlental nicht nur zu kompensieren, sondern noch weitere Flächen für Tiere, Flora und Fauna in Merzig zu entwickeln“, sagte Auweiler der SZ.

Nach seinen Worten ist es unter Naturschützern unumstritten, dass gerade eine Vielzahl kleinerer unberührter Naturflächen als so genannte Trittsteinbiotope den genetischen Austausch ermöglichen. Verschiedene Populationen wie Tiere, Insekten, Flora oder Fauna können sich laut Auweiler auch über ihren angestammten Lebensbereich weiter verbreiten, um somit einer genetischen Verarmung entgegenzuwirken. Auweiler erinnerte an die Diskussion, die im vergangenen Jahr durch die Baumfällaktion im Mühlental ausgelöst worden war. Im Frühjahr vergangenen Jahres mussten dort hunderte Eschenbäume gefällt worden. Grund: Sie waren von einer Pilzkrankheit befallen, die dazu führen kann, dass Äste abbrechen oder ein Baum umkippt. Weil das damals noch bestehende Naturland-Zertifikat dieses Terrain als Referenzfläche auswies, waren waldwirtschaftliche Eingriffe weitgehend untersagt. Die mehr als 600 Bäume, die gefällt wurden, mussten an Ort und Stelle liegen bleiben. Die Folge: Unmut und Proteste bei Anliegern und Nutzern des Waldstücks, durch das auch der Premiumweg Bietzerberger verläuft. Im Juni beschloss die Mehrheit des Stadtrates, das Naturland-Zertifikat zu kündigen und trat damit weitere Debatten los (die SZ berichtete).

„Wir haben als CDU bereits damals deutlich zum Ausdruck gebracht, dass wir weitere unberührte naturnahen Flächen entwickeln wollen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Auweiler in der Ratssitzung. „Unser Antrag vom 3. September 2020 hat das Ansinnen aufgenommen, hier weitere Flächen in Verbindung mit dem Naturschutzbund, den betroffenen Ortsräten und Bürgern zu entwickeln.“ Er sei froh, dass der Vorstoß seiner Fraktion bei einer Enthaltung angenommen worden sei. Somit habe man erreicht, dass nicht nur die bisherigen zehn Prozent Referenzflächen, die es nach der Naturland-Zertifizierung im Stadtwald geben müsse, vorhanden seien und der natürlichen Entwicklung zur Verfügung stehen, sondern mehr. Neben den Naturentwicklungsflächen und den Flächen mit besonderer Naturschutzfunktion sind nach seiner Darstellung sogenannte ArB-Flächen im Merziger Stadtwald ausgewiesen. „Die Abkürzung steht für ‚außer regelmäßigem Betrieb’, da sie nicht bewirtschaftet werden“, sagte Auweiler.

Grünen-Fraktionschef Klaus Borger mahnte in der Ratssitzung indes mehr Waldschutz an. Er nannte die Vorgabe von zehn Prozent eine Mindestvorgabe, die nicht ausreichend sei, und warb dafür, mehr Waldflächen für die Naturentwicklung auszuweisen. Einem entsprechenden Antrag erteilte der Rat jedoch eine Absage (siehe separaten Text).