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Wie die Saar-Landfrauen mit Fleischverzehr die Demokratie stärken wollen

Verband traf sich zur Landesversammlung : Wie die Saar-Landfrauen mit Fleischverzehr die Demokratie stärken wollen

Die Saar-Landfrauen trafen sich zur Delegiertenkonferenz in Wiesbach. Da ging es wieder um die Wurst. Im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die Teilnehmerinnen sprachen sich für die Wahlfreiheit bei der Ernährung aus.

Nach etlichen corona­bedingten Videokonferenzen freuten sich die rund 150 Teilnehmerinnen des Landesverbandes der Saar-Landfrauen sichtlich darüber, sich bei ihrer Landesdelegiertenkonferenz in der Wiesbachhalle von Eppelborn-Wiesbach endlich mal wieder persönlich begrüßen zu dürfen. Die Landesvorsitzende Camilla Atmer-Steitz hieß unter anderem die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbandes, Petra Bentkämper, und Umweltminister Reinhold Jost willkommen, die sich für den folgenden Tag bereits zu konkreten Gesprächen verabredet hatten.

Stolz erinnerte Atmer-Steitz in ihrem Tätigkeitsbericht an die spontanen Hilfen ihrer Landfrauen für die Opfer der jüngsten Flutkatastrophe: „Dabei haben wir wieder bewiesen, dass auch wir Saar-Landfrauen unseren effektiven Beitrag dazu leisten, dass das Saarland immer noch in Sachen Ehrenamt bundesweit die Nummer eins darstellt.“

Dann überließ sie das Mikrofon dem Umweltminister, der in seinem Grußwort mit seiner Hochachtung vor diesem Verband nicht hinterm Berg hielt. An die weiblichen Delegierten gewandt, versicherte Jost: „Sie alle durchbrechen immer wieder das ebenso alte wie dumme Klischee, altbacken zu sein. Mit Ihrer guten Vernetzung im Saarland haben Sie sich längst als eine wertvolle Stütze unserer Gesellschaft erwiesen.“

Und dieses konstruktive Engagement werde auch von seinem Ministerium honoriert. So würden laut Jost die vielfältigen Aktivitäten der Landfrauen im Saarland in Sachen „Obst und Gemüse“ an Schulen, Kitas und Förderschulen für zwei weitere Schuljahre (2021 bis 2023) mit rund 92 500 Euro gefördert.

Und anlässlich des Verbandstages überreichte er der Vorsitzenden den neuen Vertrag zur Durchführung pädagogischer Begleitmaßnahmen zum saarländischen Schulprogramm, wofür ihm die Delegierten an ihren coronagerechten Zehner-Tischen mit spontanem Beifall dankten.

Dass der rührige Verband mit seiner Zusammenarbeit von Öko- und konventionell arbeitenden Landwirten darüber hinaus mit weiteren Zuwendungen rechnen könne, ließ der Minister noch zusätzlich durchblicken. Mit Blick auf die Neuordnung der EU-Leader-Projekte, bei denen es um mehr Millionen Euro als je zuvor gehe, forderte Jost die Saar-Landfrauen auf, sich jetzt schon mit konkreten Projekten anzumelden.

Auch angesichts solcher Versprechen blieb der aus Berlin angereisten Präsidentin Petra Bentkämper in ihrem Grußwort kaum etwas anderes übrig, als sich beim Minister für die jahrelange konstruktive Zusammenarbeit zu bedanken.

Sie versicherte gleichzeitig, dass ihr Verband gerade in Corona-Zeiten viel dazugelernt habe: „Unsere Mitglieder haben sich zum Glück längst im Umgang mit digitaler Technik fit gemacht, sodass unser Zusammenhalt auch in Lockdown-Zeiten zum Beispiel durch Videokonferenzen nie ganz abreißen musste. Wenn da nur die Politik etwa mit dem Ausbau der Glasfasernetze Schritt halten würde.“

Die Präsidentin plädierte in ihrer Rede für mehr Aufklärung in der Bevölkerung über die Zusammenhänge zwischen gesunder Ernährung und moderner Lebensmittelproduktion. So gehöre die Wahlfreiheit jedes Einzelnen zwischen veganer Ernährung und dem individuellen Fleischverzehr letztlich zu der angestrebten Demokratie, die auch als Dachthema dieser Landesdelegiertenkonferenz nicht aus den Augen verloren gehen sollte.

Ohnehin sei die deutsche Landwirtschaft längst systemrelevant, wofür sich rund 450 000 Landfrauen bundesweit nicht zuletzt in der Kommunalpolitik vor Ort unbedingt einbringen sollten. Eppelborns Bürgermeister Dr. Andreas Feld und Wiesbachs Ortsvorsteher Stefan Löw hatten dem in ihren kurzen Grußworten nicht mehr viel hinzuzufügen.

Damit übernahm die Geschäftsführerin des Landesverbandes, Manuela Pöhlchen, auf deren Schultern die coronagerechte Ausrichtung dieser Veranstaltung ruhte, den weiteren Verlauf. Routiniert hakte sie im Dialog mit den Delegierten die obligatorischen Regularien ab und übergab zum Abschluss das Wort an Jörn Didan vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel, der in seinem Referat zum Thema „Demokratie stärken“ kurz vor der Bundestagswahl interessante Denkanstöße vermittelte.