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Im Cloefhänger können Gäste über der Saarschleife in Bäumen schlafen

Abenteuer in der Region : So schläft es sich in der Hängematte über der Saarschleife (mit Bildergalerie)

Zelten klingt erst mal nach einem bodenständigen Ausflug in die Natur. Doch hoch über der Saarschleife verbindet Martin Hager das Camping-Gefühl mit einem exklusiven Erlebnis: Im hängenden Cloef-Camp im Naturpark Saar-Hunsrück schwebt man zwischen Bäumen und hat einen malerischen Ausblick.

Die Luft macht den Kopf frei, der Sternenhimmel ist zum Greifen nah, Geräusche und Düfte sind intensiver denn je und das sanfte Schwingen des Cloefhängers wiegt euch in den Schlaf“. So beschreibt Martin Hager das Erlebnis einer Nacht in den hängenden Zelten an der Cloef in Orscholz. Ziel sei es, seinen Gästen zu echter Entspannung zu verhelfen. Seine Zelte werden auch Portaledge genannt und eigentlich zum sogenannten Biwakieren beim Klettern an Steilwänden oder Felsen benutzt. So fand Martin Hager, der Betreiber des kleinen Camps, auch die Inspiration dazu.

Nach dem Studium ging der diplomierte Elektroingenieur und begeisterte Kletterer für neun Monate auf Reisen, besuchte sämtlich Länder in Süd- und Nordamerika: „Klettern ist mein Hobby. Ich hatte also schon immer den Hang zum Steilen“, erklärt er schmunzelnd. In Kalifornien gibt es die bekannte 1000 Meter hohe Steilwand am massiven Felsvorsprung „El Capitan“, einem Wahrzeichen des Yosemite-Nationalpark. „Das ist wirklich was ganz anderes, als einen Berg zu besteigen, eine gerade Steilwand  hochzuklettern. Ich war extrem beeindruckt“, erzählt Hager. Um unterwegs nach oben an einer Steilwand oder einem Berg übernachten zu können, gibt es spezielle Biwaks, also eigentlich kleine  Container, die je nach Topografie aus verschiedenen  Materialien bestehen. Kletterer und Bergsteiger nutzen diese portablen Schlafplätze auf ihren Touren. An Steilwänden eignet sich besonders das zeltartige Portaledge. Es besteht meistens aus einer Plattform (starrer Rahmen, oft aus Aluminiumstangen, zwischen denen Stoff gespannt ist) und Spanngurten, mit denen das Portaledge an Felshaken befestigt wird. „Diese Biwaks fand ich sehr interessant. Ich hab dann beschlossen, das Gefühl in einem solchen zu schlafen, dass eigentlich nur innerhalb von Bergtouren erlebt werden kann, für jeden zugänglich zu machen. Statt mit einer anstrengenden Wandertour, verbinde ich es nun mit entspanntem Zelten“, erklärt Hager.

Seit zirka sechs Jahren können bei ihm nun solche Übernachtungen gebucht werden. Ein Cloefhänger bietet Platz für zwei Personen. Von Juni bis August bietet Hager jeden Samstag für bis zu zehn Personen eine Nacht in zirka zwei Metern Bodenhöhe, mitten in Bäumen, direkt über der Saarschleife. „Der Ausblick in Verbindung mit dem schwebenden Freiheitsgefühl ist natürlich einzigartig“, erklärt Hager. Die Location hat er nach ganz speziellen Kriterien ausgewählt. So bietet der kleine Platz an der Cloef nicht nur den Saarschleifen-Ausblick, sondern muss auch Baumbewuchs haben, der den richtigen Abstand zueinander hat, der die Cloefhänger tragen kann und ein möglichst idyllisches Plätzchen zum Grillen dazwischen bietet.

Insgesamt hat er wohl zirka ein Jahr an seiner Idee getüftelt. Denn nach der Biwak-Inspiration in Kalifornien, war sein Vorhaben noch sehr vage. Seine Reise hat ihm aber, fast wie vorherbestimmt, eine weitere neue Erfahrung eingebracht, die ihm half, sein Projekt weiterzuentwickeln: „In Wyoming habe ich für einen Mann angeheuert, der Touren mit Schlittenhunden angeboten hat. Er hat sich da um alles gekümmert, die Gäste immer für eine Nacht bei sich aufgenommen und ihnen auch ohne Vorkenntnisse Fahrten mit den Schlittenhunden ermöglicht“, beschreibt Hager das Konzept, dass er für sein eigenes Projekt in ähnlicher Form übernommen hat.

„Ich organisiere das alles selbst. Treffe die Gäste am Parkplatz am Adrium, lade ihr Gepäck in meinen VW Caddy ein und erkläre den kurzen Weg zum Camp“, beschreibt er. Dort werden die hängenden Zelte gemeinsam aufgebaut, „ein echtes Zelterlebnis eben“. Wenn die Cloefhänger aufgehängt sind, wird gegrillt. „Ich bringe dafür alles mit, was nötig ist. Und fungiere auch öfter mal als Entertainer, denn die zehn Leute kennen sich ja alle nicht. Mir ist es sehr wichtig, da auch eine entspannte Urlaubsatmosphäre zu kreieren“, sagt Hager. Nach einem gemütlichen Essen am Feuer, klettern die meisten Besucher über die Strickleitern in ihr hängendes Zelt. Voraussetzung ist also eine gewisse Schwindelfreiheit und eine körperliche Verfassung, die das Hochklettern erlaubt. Bis zirka 100 Kilogramm darf man wiegen, sollte über 16 Jahre alt und nicht schwanger sein.

Die Zelte können beim Schlafen komplett offen bleiben. Kann es da nicht passieren, dass man während des Schlafens rausfällt? „Das ist mit Sicherheit die häufigste Frage“, sagt Hager lachend, „man liegt  auf seiner Isomatte aber auf dem Bodenstoff des Cloefhängers. Da sinkt man zehn bis 20 Zentimeter ein und kann auf keinen Fall herausfallen.“ Für Hager ist es am interessantesten die Entwicklung der Besuchergruppen mitzuerleben: „Anfangs, wenn sie die Zelte sehen und auch wie hoch die dann hängen werden, herrscht meistens eine gewisse Skepsis. Nach meinen Einweisungen, dem entspannten Grillen und der Nacht in luftiger Höhe, sind die Leute aber am nächsten Tag total entspannt.“ Man muss es wohl einfach erleben. „Am kuriosesten war eine Nacht mit einem Paar, dass extreme Höhenangst hatte“, erinnert sich Hager. In diesem Fall habe er den Cloefhänger letztlich Hüfthoch aufgehängt, damit kam das Paar dann klar. Die Höhe der schwebenden Zelte ist variierbar. Und Hager ist es wichtig, auf die verschiedenen Bedürfnisse der Gäste einzugehen.

Die Einzelheiten seiner Projektidee zum Beispiel, die Organisation eines kleinen Frühstücks am nächsten Morgen oder die Formalien der Platzbuchung, hat Hager auf einer weiteren Reise entwickelt. „Ich war drei Monate mit dem Motorrad in Australien unterwegs. Alleine Reisen bringt einen einfach viel näher zu sich selbst und man hat den Kopf frei, sich kreative Prozesse auszudenken“, erklärt er.

Mittlerweile hat er Gäste aus der ganzen Welt. Auf seiner Warteliste stehen aktuell 360 Personen. Denn nirgendwo sonst kann man in dieser Form übernachten. „Ich hätte niemals erwartet, was das für einen Andrang entwickeln würde. Ich mach das ja schließlich neben meinem normalen Beruf in der Prozessplanung und im Elektroingenieurswesen“, beschreibt er,  „es war nie geplant, da ein so großes Ding draus zu machen.“ Vermutlich ist es aber gerade Hagers ungezwungen kreative Art und seine Leidenschaft dafür mit offenen Augen zu Reisen, die sich in diesem Erfolg niederschlägt.

Alle Teile der neuen Serie Abenteuer in der Region unter: www.saarbruecker-zeitung.de/sz-serien/sommerserie/

Hier geht es zur Bilderstrecke: Übernachten in Baumkronen hoch über der Saarschleife