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Schnupper-Tauchkurs mit dem Actice Dive Team Merzig im Freibad Mettlach

Serie Abenteuer in der Region : Wie Arielle in die Tiefe tauchen

Einmal wie Arielle unter Wasser atmen können. Davon hat unsere Autorin schon als kleines Kind geträumt. Nicht ganz so grazil wie eine Meerjungfrau, aber ausgestattet mit Neoprenanzug, Pressluftflasche und riesigen Flossen, darf sie sich diesen Wunsch nun beim Schnuppertauchen erfüllen.

Es sind 31 Grad, man schwitzt schon, wenn man nur irgendwo sitzt. Zum Glück habe ich heute den perfekten Termin für ein solches Wetter: nämlich in 2 bis 2,5 Metern Tiefe unter Wasser. Mit Tauchlehrer Rolf Junggeburth vom Active Dive Team in Merzig atme ich das erste Mal unter Wasser.

Davor ist aber einiges an Theorie zu lernen. „In der  Pressluftflasche sind 2000 Liter Atemluft. Du hast also mehr als genug Luft unter Wasser dabei“, erklärt der 50-Jährige. Er taucht, seit er 15 ist, und hat im Jahr 2003 seine Tauchschule in Merzig eröffnet. Lieblingstauchorte: das Rote Meer und die Malediven.„Da gibt es einfach die größte Unterwasser-Artenvielfalt zu sehen“, erklärt er.

Beim Schnuppertauchen fängt man aber im Schwimmbad an. Zum Glück. Denn ich muss erst mal klar kommen damit, einen hautengen Neoprenanzug, riesige Flossen und die Taucherjacke, die man Tarierjacket nennt, mit der 10 Kilogramm schweren Pressluftflasche zu tragen. Ich brauche ein bisschen, bis ich mich in den Neoprenanzug gequetscht habe, das geht am einfachsten, wenn man ihn links herum von unten beginnend überstreift. Es ist erstaunlich heiß darin. Das Tarierjacket legt mir Junggeburth aber erst an, als ich bereits am Beckenrand des Freibades Mettlach sitze.

Es gibt zwei Mundstücke, die Atemregler, über die ich Luft bekommen kann. Eins davon wird festgesteckt an der Tauchjacke, es ist für Notfälle. „Man taucht meistens im Team. Sollte der andere Taucher Probleme mit seiner Luftzufuhr haben, kann ich ihn über meinen zweiten Schlauch mit Atemluft notversorgen“, erklärt Junggeburth. Es ist ihm sehr wichtig, dass ich mich sicher fühle.

Nun muss ich mit dem rechten Arm links neben mich an den Beckenrand greifen und rutsche so wie von selbst ins Wasser. Springen wäre gar nicht mal so einfach mit der Taucherausrüstung und ist eher was für erfahrene Taucher.

Vier Tauchschüler mit meistens zwei Tauchlehrern können hier  gleichzeitig einen Tauchkurs machen. „Es ist wichtig, dass es nicht zu viele Schüler sind. Man muss als Lehrer immer dicht bei den Schülern bleiben unter Wasser“, sagt Junggeburth. Theoretisch könnte man schon mit 10 Jahren anfangen, ohne Grenze nach oben. Junggeburths ältester Schüler bisher war 78 Jahre alt. Eine gewisse Grundfitness sollte vorhanden sein, und wer einen richtigen Tauchkurs machen möchte, muss vorher ein ärztliches Attest mitbringen. Asthmatiker beispielsweise haben meistens Probleme mit der trockenen Luft, die aus der Sauerstoffflasche kommt, erklärt der Tauchlehrer.

Das spüre ich auch, muss erst mal husten, als ich noch über Wasser zum ersten Mal durch den Schlauch atme. Dabei stecke ich das Gummimundstück in den Mund und beiße auf die kleinen Gummiteile darin, damit es nicht wegrutscht. „Was mache ich denn, wenn ich unter Wasser husten muss?“, frage ich. „Das ist kein Problem“, beruhigt mich Junggeburth, „huste einfach in das Mundstück rein. Außer dass dann Blasen aufsteigen, passiert nichts. Atme dadurch, als würdest du ganz normal über Wasser atmen.“

Erst mal tauche ich nur den Kopf unter Wasser, um mich an das Atmen durch den Atemregler zu gewöhnen. Dann lässt Junggeburth die Luft aus meinem Taucherjacket, das vorher per Knopfdruck aufgeblasen wurde. Untergehen kann ich erst, wenn die Luft ein Stück weit raus ist. Mit dem sogenannten Inflator für das Ein- und Auslassen der Luft ins Jacket kontrolliert der Taucher die Tiefe, in die er hinabgleitet. Verschieden schwere Bleibeschwerer werden mir in die Taschen des Jackets gesteckt.

Dann geht’s unter die Wasseroberfläche. Wie angenehm ruhig hier alles erscheint, vor allem im Vergleich zum lauten Schwimmbadgetümmel. Ich sinke auf den Boden und bin erstaunt, wie einfach das Atmen geht. „Die Luftblasen, die beim Ausatmen aufsteigen, sind für uns Taucher auch immer das Zeichen dafür, dass es dem Taucher gut geht“, erklärt Junggeburth.

Am Grunde des Schwimmbeckens angekommen, knien wir uns erst mal hin. Wenn die Ohren zugehen, einmal Nase zuhalten und fest in die Nase atmen. Vor dem Tauchgang haben wir in die Taucherbrille gespuckt und sie mit Wasser wieder ausgespült – dann beschlägt sie nicht. Sollte Wasser reingelangen, kann es durch dasselbe Prinzip – fest ausatmen aus der Nase – einfach aus der Brille rausgepustet werden. „Das ist auch in Covid-Zeiten kein Problem. Das Chlorwasser hier tötet alles ab“, weiß Junggeburth.

Immer wieder fragt er mich mit dem abgemachten Handzeichen, ob alles ok ist. Dann starten wir die ersten Schwimmversuche unter Wasser. Junggeburth schwimmt im Froschstil, was allerdings nur langjährige Taucher beherrschen. Denn die riesigen Flossen sind gar nicht mal so leicht zu bewegen, haben nichts mit den im Vergleich winzigen Schnorchelflossen zu tun. Ich versuche die Beine abwechselnd auf und ab zu bewegen, wie er es mir oben gezeigt hat. Dafür braucht man schon ein paar Muskeln im Oberschenkel. So gleite ich, zumindest gefühlt, sehr geschmeidig bis zum anderen Ende des Beckens. „Du liegst sehr gut im Wasser“, wird mir später attestiert. Eine gewisse Körperspannung ist nötig, um beim Liegen im Wasser nicht von einer Seite auf die andere zu schwanken.

Über uns die Schwimmbadbesucher, die uns von oben kaum bemerken. Ich fühle mich wie in einer anderen Welt, in der von Arielle, der Meerjungfrau, höre nur das Rauschen der aufsteigenden Wasserblasen. Es ist erstaunlich, wie entspannt ich mich in der stillen Tiefe fühle. Der Blick nach oben, ins Glitzern der Sonne auf dem Wasser: ein außergewöhnlicher Anblick. So lange wie ich will unter Wasser zu atmen, die Schwerelosigkeit zu spüren, das fühlt sich nach Freiheit an. Ich will gar nicht mehr auftauchen, obwohl es nach zirka einer Stunde unter Wasser doch ziemlich kalt wird.

Wieder oben beschließe ich, einen Tauchkurs zu machen. Oder zumindest darauf zu sparen. Wenn es sich nur im Schwimmbad schon so  fantastisch anfühlt, wie muss erst ein Tauchgang im Meer sein. Unter Wasser gibt es wohl wirklich eine ganz andere Welt zu entdecken.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So sieht’s unter Wasser aus