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Christian Schramm (Grüne) spricht über Vorstoß zu Wildnisgebiet Perl

Christian Schramm (Grüne) im Interview : „Wir müssen unseren Wald neu denken und nicht nur als reine Einnahmequelle für die Forstwirtschaft sehen“

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Perler Gemeinderat spricht über die Idee seiner Partei, ein Wildnisgebiet auszuweisen.

Warum haben Sie sich für das Waldgebiet zwischen Sehndorf und Wochern entschieden?

SCHRAMM Die Gemeinde hat eine eigene Waldfläche von rund 1100 Hektar. Das Waldgebiet zwischen Sehndorf, Wochern und Tettingen ist die größte zusammenhängende Fläche im gemeindeeigenen Wald. Um ein Wildnisgebiet auszuweisen, sollten die Flächen möglichst zusammenhängend sein.

Warum ist Ihrer Ansicht nach das Terrain prädestiniert, Wildnisgebiet zu werden?

SCHRAMM Hier gibt es besonders viele schützenswerte alte Eichen und Buchen. Wenn man in diesem Waldgebiet die Wege mal verlässt und ein paar Meter in den Wald hineinläuft, kann man sich sehr gut vorstellen, wie der Wald wohl vor Hunderten von Jahren ausgesehen hat (siehe Foto).

Wie lange dauert es, bis der Wald zu einem Wildnisgebiet wird?

SCHRAMM Meinen Sie den administrativen Prozess oder den natürlichen Prozess im Wald? Der administrative Prozess wird sicherlich eine gewisse Zeit dauern, hängt aber stark vom Willen der Gremien ab, den Prozess zu beschleunigen. Der natürliche Prozess dauert mit Sicherheit Jahrzehnte, bis die Natur ihre gänzliche Vielfalt wieder zurückgewonnen hat.

Können Sie sich eine Alternative zu Ihrem Vorschlag vorstellen?

SCHRAMM Ein Wildnisgebiet braucht eine gewisse Größe. Das vorgeschlagene Gebiet befindet sich bereits an der unteren Grenze gemäß Qualitätskriterien der NBS – Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Die Gemeinde Perl besitzt kein anderes relativ großes zusammenhängendes Waldgebiet. Deshalb sehen wir aktuell wenig Möglichkeit für eine alternative Fläche in Perl.

Generell verworfen wurde Ihr Vorstoß, in Perl einen Urwald auszuweisen, nicht. Er wurde in den Zukunftsasusschuss vertagt. Sind Sie über diese Entscheidung enttäuscht oder haben Sie damit gerecht?

SCHRAMM Es war zu erwarten, dass wir mit unserem Vorstoß nicht sofort die Mehrheit des Gemeinderates überzeugen können. Wir sind uns durchaus bewusst, dass wir mit unserem Antrag „Wildnisgebiet“ eine völlig andere Sichtweise auf das Thema Wald werfen. Wir müssen unseren Wald neu denken und nicht nur als reine Einnahmequelle für die Forstwirtschaft sehen, sondern Waldschutz und somit Biodiversität vorrangig fördern. Wir sind guter Hoffnung, dass wir die Fraktionen der CDU und SPD im Zukunftsausschuss mit guten Argumenten überzeugen können. Deren Fraktionsvorsitzenden haben ja bereits im Gemeinderat ausgeführt, dass sie grundsätzlich nicht dagegen sind.

 Christian Schramm
Christian Schramm Foto: Erich Brücker

Wie stellen Sie sich das ideale Wildnisgelände vor an Pflanzen und Tieren?

SCHRAMM In einem Wildnisgebiet greift der Mensch nicht mehr in die natürlichen Prozesse des Waldes ein. Natürliche Prozesse sind jedoch für viele Arten und deren Lebensräume besonders wichtig und somit sollte der Schutz dieser Fauna und Flora ein wesentliches Ziel des Naturschutzes sein. Bäume, bodennahe Pflanzen und Tiere jeglicher Art sollen sich frei entwickeln können, ohne dass der Mensch eingreift oder selektiert, wie das in der Forstwirtschaft der Fall ist. Das Foto, aufgenommen im vorgeschlagenen Waldgebiet, zeigt bereits Anfänge dieser natürlichen Entwicklungsprozesse.

Durch das Terrain, das Sie ausgesucht haben, führt eine Straße. Kann diese die Entwicklung des Wildnisgeländes negativ beeinflussen?

SCHRAMM Sie meinen wohl die Straße zwischen der Verbindungsstraße Perl-Wochern und Besch, durch das Gebiet des Pfaffenbachs. Diese Straße wird überwiegend von den Einheimischen genutzt und ist verkehrstechnisch nicht von Belang, da es andere Verkehrswege von Besch nach Perl gibt. Deshalb sollte man im Zuge der Entwicklung eines Wildnisgebietes auf die Nutzung dieser Straße verzichten.