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Ralf Uhlenbruch, Bürgermeister von Perl: Wildnisgebiet grundsätzlich gut

Bürgermeister Ralf Uhlenbruch im Interview : Beim Thema Wildnisgebiet gibt es viele verschiedene Interessen

Der Perler Bürgermeister möchte bei der Diskussion zum Vorstoß der Grünen Vertreter der Interessengruppen und Fachleute mit dem Zukunftsausschuss an einen Tisch bringen.

In der Sitzung haben Sie den Vorstoß der Grünen im Grundsatz für gut befunden. Können Sie sich ein Wildnisgebiet in Perl vorstellen?

UHLENBRUCH Grundsätzlich ist die Idee Wildnisgebiete auszuweisen eine gute. Natürlich muss die Ausweisung der Fläche, insbesondere die Flächengröße, im Einklang mit den örtlichen Gegebenheiten stehen. So könnte die Ausweisung eines Wildnisgebietes für eine kleine Fläche, etwa im Bereich des ehemaligen Steinbruchs am Röllbach nahe Nennig, als sinnvoll angesehen werden, auch wenn die Fläche dort nicht im Eigentum der Gemeinde ist.

Welche Voraussetzungen müssen Ihrer Meinung nach gegeben sein, um ein solches Wildnisgebiet in der Gemeinde Perl zu schaffen?

UHLENBRUCH Bevor die Ausweisung eines Wildnisgebietes erfolgt, müssen die Vor- und Nachteile und die sich aus einer solchen Ausweisung verbundenen Konsequenzen analysiert und bewertet werden. Wie wir bereits aufgrund der Vorträge im Rahmen der Gemeinderatsitzung feststellten, stoßen insoweit viele unterschiedliche Interessen aufeinander. Auch ist es besonders wichtig, alle Interessengruppen mit in die Entscheidung einzubeziehen. Dies könnte im Rahmen der anstehenden Sitzungen des Zukunftsausschusses erfolgen. Darüber hinaus muss die Diskussion mit maximaler Transparenz geführt werden und die Bevölkerung ausreichend mit in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden.

Über eine Ausweisung eines solchen Wildnisgebietes soll jetzt der Zukunftsausschuss beraten. Wer außer den Mitgliedern sollte mit am Tisch sitzen?

UHLENBRUCH Unser Wald sorgt für eine Vielzahl an wichtigen Funktionen, die von elementarer Bedeutung sind. So trägt er insbesondere bei zu Klimaschutz, Naturschutz, Erholung, Bodenschutz und Verbesserung der Trinkwasserqualität. Darüber hinaus stellt er den Rohstoff Holz zur Verfügung und leistet im Rahmen der Waldbewirtschaftung eine Einnahmequelle für die Eigentümer, so auch für unsere Gemeinde. Diese wichtigen Funktionen müssen im Rahmen der Diskussionen rund um unseren Wald angemessen berücksichtigt werden. Dies trifft somit auch zu, wenn es um die Ausweisung von Wildnisgebieten geht. Folglich müssen auch Vertreter der Interessengruppen und Fachleute mit an den Tisch, denn unser Wald erfüllt derzeit viele Funktionen, die weit über die Ausweisung eines Wildnisgebietes hinausgehen.

Skeptisch standen Sie der Größe von 360 Hektar gegenüber. Warum?

UHLENBRUCH Wildnisgebiete im Sinne der Zentralen Ziele der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) sind ausreichend große, (weitgehend) unzerschnittene, nutzungsfreie Gebiete, die dazu dienen, einen vom Menschen unbeeinflussten Ablauf natürlicher Prozesse dauerhaft zu gewährleisten. Insoweit soll die Flächengröße eine Mindestgröße von 1000 Hektar in flussbegleitenden Auwäldern, Mooren und an Küsten von mindestens 500 Hektar vorgegeben (Die Wild Europe Initiative empfiehlt für „wilderness areas“ eine Mindestgröße von 3000 Hektar). Eine Ausweisung einer solchen Flächengröße halte ich für unsere Gemeinde, auch auf Grund der besonderen Strukturen, als für nicht geeignet.