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Schausteller im Kreis Merzig-Wadern hoffen auf das Oktoberfest Merzig

Kostenpflichtiger Inhalt: Schausteller im Kreis Merzig-Wadern : Ihre Hoffnung liegt auf Merzigs Oktoberfest

Die Schausteller wollen beweisen, dass Volksfeste unter Corona-Bedingungen möglich sind. Gleichzeitig gibt es Kritik an den Vorgaben der Politik.

„Wir möchten zeigen, dass wir auch unter Einhaltung der gegebenen Hygienevorgaben eine Kirmes veranstalten können“, sagt Thomas Sonnier. Der Besseringer ist Verbandschef der saarländischen Schausteller und pocht darauf, zum ersten Mal in diesem Corona-Jahr mit seinen Wägen zu einem Volksfest fahren zu können. Die erste Gelegenheit dazu hofft er ab dem 19. September zu haben. Dann, so der Plan, soll das Merziger Oktoberfest eröffnet werden.

Wie genau das ablaufen soll, ist noch nicht klar. Nur eines steht bereits seit Wochen fest: Das Festzelt, in dem Mallorca-Größen wie Loona und die Atzen auftreten sollten, wird in diesem Jahr nicht auf dem Festplatz neben der Stadthalle aufgebaut.

„Es ist unmöglich, die derzeit geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen in einem solch großen Festzelt einzuhalten“, sagte Bürgermeister Marcus Hoffeld bereits Anfang Juli. „In gewohnter Form“ würden allerdings Fahrgeschäfte und Verkaufsstände das Oktoberfest prägen. Wie genau das Konzept zur Durchführung des Fests aussieht, wird erst unmittelbar vor der Eröffnung am 19. September entschieden. „Die Kreisstadt Merzig hat verschiedene Szenarien ausgearbeitet, um im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten ein Oktoberfest durchzuführen. Sobald feststeht, auf welcher dann gültigen Rechtsgrundlage eine Veranstaltung durchgeführt werden kann, wird die Kreisstadt Merzig das dann greifende Hygienekonzept vorstellen“, sagt Hoffeld.

Für Thomas Sonnier und seine Schaustellerkollegen gehe es unabhängig von der konkreten Ausgestaltung darum, „endlich an den Start zu gehen“. Seit neun Monaten hätten er und seine Kollegen kaum eine Möglichkeit gehabt, Einnahmen zu generieren. „Wir müssen uns momentan an jeden Strohhalm klammern. Wir sind bereit, jeden Schritt mitzugehen.“ Trotz der Bereitschaft, sich an vorgegebene Auflagen zu halten, sieht der Verbandschef jedoch eine Schwachstelle in der aktuellen Begrenzung, Veranstaltungen unter freiem Himmel mit bis zu 900 Menschen stattfinden zu lassen. Denn gesetz dem Fall, dass sich bis 16 Uhr in Summe 900 Leute auf dem Festgelände aufgehalten hätten, müssten er und seine Kollegen ihre Fahrgeschäfte bereits nachmittags abschließen. „Da ist ein Denkfehler drin“, sagt Thomas Sonnier und ruft die Landesregierung dazu auf, eine sinnvollere Lösung zu finden.

Sein Kollege Andreas Ettelbrück aus Thailen nimmt genau diese Regelung zum Anlass, mit seinem Pizzaverkauf nicht am Merziger Oktoberfest teilzunehmen. Er gibt zu bedenken, dass von den 900 Teilnehmern die Schausteller und ihre Mitarbeiter abgezogen werden müssten. Die effektive Besucherzahl sei danach so gering, dass ein lukratives Arbeiten kaum möglich sei. In seinen Augen „lässt die Landesregierung uns hinten runterfallen“. Normalerweise habe er in jedem Jahr fünf vollbeschäftigte Mitarbeiter. Seit Beginn der Pandemie halte sich Ettelbrück mit einem Hähnchenverkauf über Wasser. Dabei steht er selbst hinter dem Verkaufstresen. Mitarbeiter musste er mangels Arbeit in diesem Jahr nicht anheuern.

Für seinen Berufsstand hoffe er nun vor allem auf die Weihnachtsmärkte, die bei manch einem Schausteller 50 Prozent des Jahresumsatzes ausmachten. Besonders hoffnungsvoll gibt sich der Thailener dabei allerdings nicht. Er glaubt, dass sich die Situation für die Schausteller auch über den Jahreswechsel nicht verbessern wird. Dann, wenn es Richtung Ostern geht, und die Kirmes-Saison normalerweise startet, werde es finanziell für viele Familien in der Branche eng. „Wir Schausteller unter uns sind wie ein kleines Dorf“, sagt Ettelbrück, „wir kennen uns alle von Kindesbeinen an“. Deswegen sei die Solidarität untereinander groß. Trotz aller gegenseitigen Hilfen gehe es aber mittlerweile um Existenzen.

Zwei saarländische Schaustellerfamilien hätten ihr Geschäft bereits aufgegeben, erzählt Verbandschef Thomas Sonnier. Diese stünden nun vor der Herausforderung, ihre Fahrgeschäfte loszuwerden. „Aber finden sie in dieser Krise mal jemanden, der ihnen so etwas abkauft.“ Die übrigen Schausteller im Land blickten nun gespannt nach Merzig, wo das Oktoberfest einen ersten Eindruck davon liefern könnte, wie Volksfeste unter Corona-Bedingungen aussehen könnten.