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Saisonfinale beim Formel-1-Museum von Motorsport-Koryphäe Walter Koster

Saisonfinale in Rathen : „Ich bezeichne mich gerne als einen Ferraristi“

Die Leidenschaft von Ferrari-Superfan Walter Koster ist die Formel 1. Seine Garage in Rathen hat er deswegen zu einem Museum umgebaut.

Ein letztes Mal brüllten, jaulten und heulten die Zwölf-Zylinder-Motoren von Ferrari am vergangenen Sonntag auf höchster Drehzahl in der Formel 1-Museumsgarage von Ferrari-Fan Walter Koster. Nach dem irren Formel 1-Finale in Abu Dhabi hat der für dieses Projekt eigens zum Mitmachen animierte „Museums-Hausmeister“ sowie Elektro- und Tonexperte Ambrosius Hahn noch einmal die komplizierte Hightech-Anlage mit Motorensound und alten Formel-1-CDs in Gang gesetzt. Ein letztes Mal hallte Formel 1-Atmosphäre und Feeling durch die offene Garage hinaus über Kosters Heimatort Rathen, jetzt ist mit dem Motorengeheul und -gebrüll Ruhe eingekehrt. Vorerst.

Nach dem Ende jedes Qualifikationslaufes am Samstag vor dem Rennen musste Hausmeister Ambrosius den CD-Spieler bedienen und die Ferrari-PS-Pferde loslassen „Egal, wer den ersten Startplatz mit welchem Motor herausgefahren hat, Walter bestand immer darauf, dass ein kreischender Ferrari-Motor zu hören war“, sagte der technische Museumschef, der auch beim sonntäglichen SZ-Gespräch im F1-Museum dabei war. Die Ferrari-Motorgeräusche von Rathen waren für deren Piloten sicherlich nicht berauschend oder siegbringend.

So muss Koster der abgelaufenen Saison dem nicht errungenen Weltmeistertitel wegen wohl nachtrauern, zumal er nicht damit gerechnet hatte. „Wette verloren, ich hatte auf Hamilton wegen seiner enormen Erfahrung in Finalrennen als alten und neuen Weltmeister getippt. Schließlich ist ihm zu verdanken, dass er mit seinem Sieg im vorletzten Rennen in Saudi-Arabien den Punktegleichstand und somit das Finale Furioso, das Duell Mann gegen Mann, ermöglicht hat. Fairerweise gönne ich aber Max Verstappen seinen ersten WM-Titel, wenn dieser auch einem Wunder gleichkam“, lautete Kosters Fazit. Das junge Ausnahmetalent habe anfangs und Mitte der Saison Sieg um Sieg eingestrichen, „es hat mich begeistert, wie er einen siebenmaligen Weltmeister Hamilton öfters abgezockt und abgebrüht in die Knie gezwungen hat“, lobt Koster. Der frühere Heißsporn und „Mad Max“ habe eine erstaunliche Entwicklung durchgemacht und sei verdammt gereift, findet Koster. Eines hätten der neue Weltmeister und der entthronte Champion gemeinsam: Beide könnten auf der Strecke ordentlich austeilen, jeder auf seine Art, findet der frühere SZ-Rennsport-Experte. „Als Ferraristi konnte ich bei den übermächtigen Teams Red Bull und Mercedes von den Roten nicht mehr erwarten.“ Immerhin sei Ferrari in der Teamwertung auf Platz drei, also „Best of the Rest“.

 Für Walter Koster (rechts) nach wie vor eines der großen Idole der Formel 1: der Belgier Jacky Ickx
Für Walter Koster (rechts) nach wie vor eines der großen Idole der Formel 1: der Belgier Jacky Ickx Foto: Erich Brücker

Walter Koster kam aus dem Resümieren gar nicht mehr heraus, lieferte eine ebenso umfassende wie kompetente Analyse der Saison: „Erstaunt hat mich, dass Neuzugang Carlos Sainz auf Anhieb auf Augenhöhe mit Teamkollege Charles Leclerc fuhr, der schon in der dritten Saison in Diensten von Ferrari ist.“ In der Fahrerwertung sei der Spanier als Fünfter sogar zwei Plätze vor dem Monegassen gelandet. Dabei gelte Leclerc als eines der größten Formel 1-Talente und wurde bei den Italienern schon als neuer Messias gefeiert. Aber: „Die Schumi-Zeiten mit fünf WM-Titeln in Folge für Ferrari werden so schnell nicht wiederkommen. Sainz und Leclerc sind nicht aus dem Holz wie der siebenmalige Champion Michael Schumacher geschnitzt“, blickte Koster traurig zurück.

Mit Beginn der diesjährigen Formel 1-Saison Ende März hatte der SZ-Rentner in seiner 14 Meter langen Garage ein kleines Formel 1-Museum eröffnet. Dort hat der langjährige Sportredakteur der Saarbrücker Zeitung unzählige, verrückte und originelle Erinnerungsstücke und Devotionalien von unzähligen Dienstreisen aus seiner Formel 1-Zeit ausgestellt. Seit Anfang der 70er Jahre hat er sich mit voller Leidenschaft der „PS-Champions-League“, wie er die Königsklasse des Motorsports bezeichnet, verschrieben. „Ja, ich war bei knapp 200 Formel 1-Rennen live vor Ort, habe für die SZ über Tragödien, Triumphe, Siege und Sensationen berichtet. Und all diese Erlebnisse mit positiven aber auch negativen Erfahrungen habe ich versucht, in einer bestimmten Art und Weise wiederzugeben und darzustellen. Daher wollte ich den Motorsport Interessierten, speziell den Formel 1-Fans mal einen kleinen Einblick in diese spezielle, eigenartige Welt geben“, erklärte der Motorsport-Experte und Ferraristi seine private Ausstellung gegenüber seinen Formel 1-Fans. „Ganz ehrlich, ich bezeichne mich gerne als einen Ferraristi. Das sind die Ober-Ferrari-Fans, die noch einen Tick verrückter sind als die üblichen“, klärt der „rote“ Koster auf.

 Die Garage in Walter Kosters Privathaus in Rathen ist vollgepackt mit ganz besonderen Erinnerungsstücken aus der großen Ära der Formel 1. Foto: Erich Brücker
Die Garage in Walter Kosters Privathaus in Rathen ist vollgepackt mit ganz besonderen Erinnerungsstücken aus der großen Ära der Formel 1. Foto: Erich Brücker Foto: Erich Brücker

Und das hat sich herumgesprochen. So sind in den vergangenen Monaten Ferrari-Klamotten wie Mützen, Jacken, Strickhemden, Hosen und rote Latschen eingetroffen.

Am Anfang, mit Saisoneröffnung seines F 1-Museums, musste Museums-Direktor Koster seinen Besuchern zeit- und teilweise sogar absagen. „An den ersten Wochenenden im April und Mai hatten sich bis zu 18 Interessierte telefonisch für einen Museumsbesuch angemeldet. Doch aufgrund der erforderlichen Corona-Bestimmungen musste ich die Besucher auf Ausweichtermine vertrösten oder ich konnte ihnen kurzfristig einen Ausfalltermin anbieten“, erinnert sich der Museums-Chef. Interessant sei gewesen, als er in den Sommermonaten seine Garage tagsüber durchgehend geöffnet hatte und die unzähligen Spaziergänger vorbeimarschierten. „Durch den Sound der Ferrari-Zwölfmotoren, die quasi Tag und Nacht im Hintergrund brüllten, haben die Vorbeigehenden ihren Kopf in die Garage gestreckt und wurden neugierig“, berichtet Koster und klärt die Neugierde auf: „Da ich ja ständig um Haus, Hof und Garten herumwusele, hab ich der neugierigen Kundschaft gesagt, mit wem sie es zu tun haben.“

Und dann musste er anhand der Fotos viel erklären: „Wer ist Jacky Ickx, was hat er erreicht, wann war Mario Andretti Weltmeister, erzähl was aus dem Liebesleben von James Hunt oder stimmt es, dass Formel 1-Pilot Kimi Räikkönen 16 Tage lang am Stück nur gesoffen hat und beim nächsten Rennen Dritter wurde?“ Solche und ähnliche Fragen, aber auch viele Fragen über technische Details prasselten auf den F1-Fachmann nieder, er konnte sie aber alle kompetent und zur Zufriedenheit seiner Museums-Gäste beantworten, intime Fragen zuweilen elegant umschreiben.

Interessant auch, was Koster weiter erzählt: Etliche junge Formel 1-Fans haben viele seiner mehr als 300 Formel 1-Bücher durchgeblättert, ohne zu wissen, mit wem sie es auf den Bilderseiten zu tun hatten. „Hauptsache, ich hab mein Idol Kimi Räikkonen mit Frau und Kindern mal privat auf einem Foto gesehen“, freute sich die 17-jährige Sarah aus Heusweiler. Völlig überrascht war Koster von Anrufen aus Lichtenstein und Österreich. Beide Male waren es Formel 1-Superfans. Von ihren Vätern hatten sie von der Museumsgeschichte in der SZ erfahren. Die beiden konnten sich aber auf die Schnelle nicht für einen Heimataufenthalt mit Museumsbesuch loseisen. Bis nächstes Jahr, wenn das Motorsport-Museum nach dem Formel 1-Auftakt am 19./20. März in Bahrain wieder öffnet, müssen sich die beiden F 1-Fans noch gedulden.