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Corona-Regeln im Saarland: Einzelhandel in Neunkirchen übt schwere Kritik

Neue Corona-Regeln im Saarland : Einzelhandel in Neunkirchen übt schwere Kritik an 2G-Regel und Kommunikation

Seit dem 6. Dezember gilt laut der neuen Corona-Verordnung auch im Einzelhandel 2G. Vor allem an der Kommunikation der Regeln gibt es jetzt schwere Kritik. Wir haben nachgefragt, wie sich Einzelhändler in Neunkirchen jetzt organisieren.

Der Ministerrat hat verschärfte Corona-Regeln für das Saarland beschlossen. Diese sehen neben einer Ausweitung der Maskenpflicht und Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte auch mehr 2G- beziehungsweise 2G-Plus Regelungen vor. Die 2G-Regel im Einzelhandel tritt am Montag, 6. Dezember, in Kraft. Bis dahin hat die Kaufmannschaft in der Region die Möglichkeit, entsprechende Vorkehrungen zu treffen.

Bereits am 30. November hatte Nicole Giese, Managerin des Saarpark-Centers, Gelegenheit, mit den Mietern über die neue Herausforderung zu sprechen. „Normalerweise warten wir mit den Gesprächen mit den Mietern, bis die neue Verordnung erschienen ist“, sagte Giese auf SZ-Anfrage. Aber am Dienstagmorgen sei ohnehin die jährliche Mieterversammlung gewesen, deshalb habe man schon das künftige Vorgehen besprochen. Da Geschäfte des täglichen Bedarfs ausgenommen seien, könne das Center-Management nicht bereits an den Eingängen die 2G-Regeln kontrollieren. Außen vor sind nämlich unter anderen die Drogeriemärkte, Optiker, das Reformhaus und Geschäfte, die Lebensmittel verkaufen, Apotheken sowie alle Gastronomiebetriebe mit Außerhaus-Verkauf. „Deshalb haben alle anderen leider die Aufgabe, die Kontrolle an ihrem Eingangsportal selbst durchzuführen“, sagte Nicole Giese. Die Center-Managerin erwartet, dass vor dem Weihnachtsgeschäft die Frequenz wieder sinken werde, was ja auch so gewollt sei. Es sei „sehr unglücklich und enttäuschend, dass die Politik das nicht schon im Oktober vorausgesehen und entsprechend gehandelt hat.“ Viele Händler seien bereits in ihrer Existenz bedroht. Dass man ihnen jetzt das wichtigste Geschäfts des Jahres quasi wegnimmt, sei schon sehr bitter.

„Jeder muss sich jetzt organisieren“, erklärt Marion Strempel, die Vorsitzende der Ottweiler Kaufmannschaft, zu den neuen Herausforderungen im Einzelhandel. Vor allem seien noch keine Details der neuen Verordnung bekannt, etwa ob es eine Aufzeichnungspflicht der Kontrollen gebe. „Alles ist besser als eine Schließung“, ist Strempel überzeugt. Allerdings seien die Kundinnen und Kundinnen sehr verunsichert. „Viele halten sich zurück, das haben wir schon am ersten Adventswochenende gemerkt“. Hinzu komme das nicht gerade einladende Wetter. Ob es am nächsten Wochenende mehr Betrieb in der Stadt gebe, weil dann noch nicht die 2G-Regel gelte, kann sie nicht einschätzen. Aber es nütze alles nichts: „Wir müssen da durch.“

Ähnlich äußerte sich Petra Köbrich. Die Chefin von Schäfer Moden in Illingen beurteilt das erste Adventswochenende als „sehr verhalten“. Ob an diesem Wochenende mehr Menschen zum Shopping in die Gemeinde kommen werden, könne sie nicht abschätzen. „Die Leute rufen bei uns im Geschäft an, weil sie nicht wissen, was aktuell gilt.“ Die mangelnde Information sei ganz klar ein Versäumnis der Politik. Verunsichert seien auch die Einzelhändler. Sie selbst habe von der neuen Verordnung am Mittwoch in der Zeitung gelesen. Letztes Jahr sei am 15. Dezember die Tür zugegangen. Viele fragten sich jetzt, ob das wieder passiere. „Deshalb schauen wir von Tag zu Tag“, sagte Petra Köbrich. Im Übrigen werden die Kontrollen am Eingang des Modegeschäftes laufen wie bisher: Ab Montag werde eben nicht nur das Tragen einer Maske, sondern auch der Impfnachweis kontrolliert.

Wie sehr es mit der Kommunikation über die jeweils gültige Verordnung hapert, zeigt die Nachfrage bei Christian Brunneke. Der Geschäftsinhaber vom Ottweiler Modehaus Neufang Rennwald zeigt sich am Mittwochnachmittag überrascht, dass die 2G-Regel nicht schon zum Donnerstag, 2. Dezember, im saarländischen Einzelhandel greift. „Ich dachte, es wäre ab morgen schon so“, sagt er. Sein Personal sei komplett geimpft, die persönliche Kontrolle am Eingang des Modegeschäftes jetzt kein größeres Problem. Allerdings habe die Kundenfrequenz bisher schon deutlich abgenommen. Das werde durch die 2G-Regel erst recht so sein. Am Mittwoch hätten schon einige ungeimpfte Kundinnen und Kunden bei ihm angerufen, weil sie befürchteten, nicht mehr vor Ort einkaufen zu können. Da in seinem Modehaus der Kundenkontakt ohnehin sehr persönlich sei, laufe auch die Kommunikation gut. Grundsätzlich blicke sein Team aber optimistisch in die Zukunft. „Trotz allem“.