Kolumne Apropos : Selbst das www kann den Kaufwunsch enttäuschen

Wie es sich anfühlt, wenn das Tracking meines Kundenwunsches schon im Voraus geschieht. Und das Geschäft dann doch nicht klappt.

Das Netz merkt sich alles: Kaum haben wir mal aus der Not heraus eine Kaffeemühle über den Glasfaser-Äther bestellt (und nicht beim Kaffeemühlen-Experten vor Ort gekauft), schon bombardiert uns das www wochenlang kübelweise mit den neusten Modellen des zeitgemäßen Kaffeegenusses. So als wollte jeder Käufer mit der ersten Anschaffung eines Objektes eine Sammlung beginnen, über die spätere Generationen staunend die Augen aufreißen werden.

Doch dieses Tracking, das freundliche Verfolgen all’ unserer geheimsten Wünsche, gehört schon halb der Vergangenheit an. Stellen Sie sich vor, die Klimadiskussion der vergangenen Jahrzehnte habe einen nachhaltigen Eindruck bei Ihnen hinterlassen. Sie sind wild entschlossen, Ihren Teil zu einer guten Zukunft Ihrer Kinder und Kindeskinder zu leisten. Zum Beispiel, eine Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach zu installieren. Und just in dieser Phase der verschärften Überlegung klingelt das Telefon. Sie ahnen es schon? Ein bundesweiter Anbieter lässt einen freundlichen jungen Mann mitteilen, zufällig seien die Mitarbeiter ganz in der Nähe und könnten gerne einen Termin für die kommenden Tage abmachen. Gibt’s nicht? Doch, gibt es. Ist geschehen!

So ein bisschen seltsam fühlt es sich dann schon an, mit dem netten Herren über Alter des Hauses, Stromkasten im Keller, zur Verfügung stehende Dachfläche mit Südwest-Ausrichtung zu reden. Kann das alles Zufall sein? Sind höhere Mächte im Spiel? Oder die alte Matrix-Kinoklamotte schlussendlich bittere Realität? Wer um alles in der Welt hat da seine Finger im Spiel? Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Wie viele Kilowattstunden Strom wir im Jahr verbrauchen? Unter 2000? Der Mensch oder Algorithmus auf der anderen Seite der Leitung verstummt. Dann äußert er mit Grabesstimme: „Das ist zu wenig. Da können wir leider niemanden zu ihnen schicken.“ Eine Vorgabe im Unternehmen. Es tue ihm leid. Aber Moment: Ging es nicht bei der Sonnenenergie darum, erst mal den Planeten zu retten? Wir wollen so schnell nicht aufgeben. Was, wenn wir demnächst ein E-Auto kauften? Dann wäre unser Verbrauch mindestens doppelt so hoch. Er denkt. Er windet sich. Er verspricht, seinen Chef zu fragen. Wir haben nie wieder von ihm gehört.

Was bleibt außer Staunen und Enttäuschung? Vielleicht schauen wir uns nochmal die neusten Kaffeemühlen im Netz an. Ein Ersatzmodell kann nie schaden.