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ASB plant Wohnkomplex in Merchweiler

ASB will in Merchweiler bauen : Projekt Merchtalblick: ASB betont Öko-Aspekt

Der Arbeiter-Samariter-Bund plant ein Vorzeige-Objekt am Rand der Gemeinde Merchweiler. Kosten: Zwölf Millionen Euro.

Es ist eine atemberaubend schöne Aussicht. Und eine Aussicht, um die der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) die Anwohner an der Hauptstraße berauben will. Das weiß auch Guido Jost, Vorsitzender des Wohlfahrtsverbandes: Er räumt unumwunden ein: „Es ist eine Einschränkung für jeden, der hier wohnt.“ Allerdings ist es eine geringe Zahl an Häusern und Haushalten am Ortsausgang von Merchweiler/Ortseingang Göttelborn, deren freie Sicht hinunter ins Merchtal verschwunden wäre, sollte der ASB sein Projekt für „Service-Wohnen“ an dieser Stelle verwirklichen. Wobei einige dieser Anwohner hinterm Haus schon heute hohe Hecken haben. Der Merchweiler Gemeinderat hat jüngst zugestimmt, das Verfahren für den ASB-Bau auf den Weg zu bringen (die SZ berichtete). Die Fraktionssprecher von CDU und SPD sowie Bürgermeister Patrick Weydmann äußerten sich angetan. Handelt es sich doch um ein Zwölf-Millionen-Euro-Projekt. Eine beachtliche Summe im Vergleich zu dem, was sonst so in der kleinen Kommune bewegt wird und bewegt werden kann. Anwohner hatten dagegen vor der Sitzung protestiert. Sie haben sich in der Bürgerinitiative „Merchtalblick für Anwohner“ zusammengeschlossen, sprechen von der Zerstörung der Naturflächen und gewachsener Einfamilienhausstruktur.

Der ASB weiß um die massive Veränderung, betont aber die ökologische und gesellschaftliche Komponente seines Projektes. Und spricht vom „Abwägungsprozess“, der natürlich bei jedem Bauvorhaben stattfinden müsse. Vor Ort erläutern Jost und ASB-Geschäftsführer Bernhard Roth, was genau der Bund am Rande Merchweilers plant. „Service-Wohnen“ ist das Zauberwort. Also jenseits althergebrachter und nicht über die Maßen beliebter Seniorenwohnheime das Leben in Wohnungen, die ältere Menschen vom ASB mieten und dabei in einem Komplex residieren, der auch bei zunehmenden Einschränkungen wegen Alter oder Krankheit ein möglichst selbstbestimmtes Leben ermöglicht. 63 Wohnungen soll es geben, zwischen 37 und 62 Quadratmeter groß. Ein ambulanter Pflegedienst wird im zur Straße gerichteten Flügel des Komplexes angesiedelt, eine Tagesstätte für hilfsbedürftige Menschen ist ebenfalls im Städtebaulichen Konzept vermerkt.

Die Planung stellt kein Neuland dar für den ASB. In Kirkel betreibt der Wohlfahrtsverband bereits eine Wohnanlage unter dem Label des serviceorientierten Wohnens. Unter dem Eindruck des demografischen Wandels (die Gesellschaft altert rasant) wird es in den kommenden Jahren mehr solcher Einrichtungen geben müssen.  Das neue Projekt in Merchweiler geht noch einen Schritt weiter als das in Kirkel. Jost: „Wir sind hier am Rande des Lik-Nord-Gebietes.“ Lik-Nord, das Naturschutzgroßvorhaben, hat im Kreis verschiedene Naturlabore. Die Bewohner des ASB-Komplexes könnten vom Fenster aus zuschauen, wie sich das Projekt „Vogelzug und wilde Weiden“ entwickelt. Aufgrund der Nähe zum Naturschutzvorhaben will der ASB sein Gebäude ökologisch vorbildlich bauen, wie der Vorsitzende sagt. Das heißt: Bis auf die Betontreppen soll alles aus Vollholz gezimmert werden. Auf dem abschüssigen Wiesengrundstück werde der tiefere Teil aus Stelzen gesetzt, um möglichst wenig Fläche zu versiegeln. Mit dem Umweltcampus Birkenfeld ist der Verband zudem im Austausch, um ein ökologisches Energiekonzept zu erarbeiten. Zugleich sprechen die ASB-Vertreter von erschwinglichen Preisen. Die sechzig Quadratmeter große Wohnung solle demnach unter 1000 Euro im Monat kosten. Wer Pflege benötigt, kann die „dazukaufen“.

Die Service-Wohnanlage ist L-förmig geplant, die senioren- und behindertengerechten Wohnungen im talwärts gelegenen dreigeschossigen Flügel (Westflügel) sollen alle einen Blick hinunter ins Merchtal haben. Neben dem ambulanten Pflegedienst ist in dem ebenfalls dreigeschossigen Trakt Richtung Straße (Südflügel)  auch Platz für Verwaltungsräume und weitere Wohnungen. Es sind Ruhe- und Therapieräume sowie ein Gemeinschaftsraum mit Bistroküche vorgesehen. Der langgezogene Baukörper talwärts hat stolze 140 Meter. Die in den Unterlagen verzeichnete viergeschossige Bauweise sei brandschutztechnischer Natur, erläutern die ASB-Herren. Die Freifläche unter dem Haus werde als Geschoss gezählt.

Für die Anlieger an der Hauptstraße ist der breite Riegel mithin eine enorme Veränderung. Auch wenn das Gelände abschüssig ist. Die im Planungsverfahren vorgesehene Bürgerbeteiligung will Guido Jost nicht als Pflichtveranstaltung missverstanden wissen: „Das ist für uns keine Einbahnstraße. Es hilft uns, wenn Ideen der Bürger einfließen.“ Ob die Bürgerinitiative das auch so sieht, bleibt abzuwarten.

 Am Ortseingang von Göttelborn nach Merchweiler: Beide Orte trennt nur dieses Wiesengrundstück. Der Gebäudekomplex des ASB wird, wenn er gebaut wird, von dort talwärts führen und weiter unten im rechten Winkel nach Westen fortgeführt werden.
Am Ortseingang von Göttelborn nach Merchweiler: Beide Orte trennt nur dieses Wiesengrundstück. Der Gebäudekomplex des ASB wird, wenn er gebaut wird, von dort talwärts führen und weiter unten im rechten Winkel nach Westen fortgeführt werden. Foto: Michael Beer

Am Montag, 29. Juni, gibt es ab 18 Uhr zu dem Bauvorhaben des Arbeiter-Samariter-Bundes eine Informationsveranstaltung im Quierschieder Kulturzentrum „Q.lisse“, um mit Bürgern über Details der Planung zu sprechen.