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Der Merchweiler Bürgermeister Patrick Weydmann ist in der Freizeit Historiker

Historisches aus Merchweiler : Was Weydmanns Oma Blondine noch wusste

Patrick Weydmann ist nicht nur Bürgermeister von Merchweiler, er ist auch Historiker und Archivar der Geschichte seiner Gemeinde, die sogar auf Facebook sehr viel Anklang findet.

Dass Patrick Weyd­mann als Bürgermeister von Merchweiler über seine Gemeinde bestens informiert ist, versteht sich von selbst. Dieses Wissen reicht bei dem 56-Jährigen aber weit, weit, zurück, und einmal angesprochen auf die Geschichte und damit verbunden natürlich auf Geschichten rund um Merchweiler und Wemmetsweiler, sprudelt es aus dem Historiker Weydmann heraus. Er beginnt zu erzählen: vom Teufelsbrunnen und von der Puppenmühle, vom Bunker und von Zinkweiler, von Rittergrab (siehe unten), von seiner Oma, Blondine Martin, und und und.

Die deutsche und die europäische Geschichte, sagt Weydmann, hätten ihn schon in frühester Jugend interessiert. „Ich war zwar nicht in allen Fächern so gut, aber in Erdkunde und Geschichte hatte ich immer eine eins“, erzählt er mit einem Lachen. Prägend dafür sei neben seinen Stiefvätern Willi Schuhmacher und Josef Martin, beide historisch sehr interessiert, auch der Unterricht in der Grundschule Wellesweiler gewesen. „Der damalige Rektor Klein hat viel Wert auf Heimatkunde gelegt. Sein Slogan damals: Was hat Neunkirchen über seine Grenzen hinweg bekannt gemacht? Die Schloss-Brauerei, das Eisenwerk und die Borussia.“

Und schon damals, als junger Schulbub, hatte er einen Bezug zu der Gemeinde, der er seit 2015 als Bürgermeister vorsteht. „Ich erinnere mich noch ganz genau an ein Bild im Heimatkundebuch, das Merchweiler Bergmannsbauern zeigte. Das waren Bergarbeiter, die nach der Schicht noch einen Hof mit Feldern bewirtschafteten. Und der Vater meines Stiefvaters Josef Martin war ein solcher Bergmannsbauer. Im Krieg konnte er dadurch natürlich seiner Familie helfen“, sagt Weydmann, der mit 18 von Wellesweiler nach Merchweiler zog, wo sein Interesse für die Geschichte des Ortes immer größer wurde. „Als junger Mann habe ich mir immer die Heimatblätter gekauft. Ich fand das spannend und interessant. Wie viel Geschichte manchmal an einem Haus hängt. Woher die Namen kommen, für Orte, Bauwerke und Menschen“, sagt Weydmann und erzählt „die wunderschöne Geschichte“ von der Puppenmühle. Die geht zurück auf die Zeit der Napoleonischen Kriege und einen Soldaten, der in Nancy seiner Liebsten, eine etwas besser gestellte Dame, etwas vorflunkerte und sich als Großgrund- und Mühlenbesitzer anpries. Als das Paar dann hier ankam und die Bedingungen nicht ganz so glamourös waren, zog es die Dame aus Nancy vor, ihr Leben in der Mühle zu fristen. „Sie wollte sich offenbar nicht ins Dorfleben integrieren, also nannte man sie ‚das Püppchen’. Und daraus ergab sich der Name Puppenmühle.“

Überhaupt kein Püppchen war Weydmanns Oma Blondine Martin. „Das war ihr echter Name, hergeleitet von der seligen Schwester Blandine.“ Und diese Oma, Jahrgang 1913, war „ein echtes Merchweiler Original“. Morgens arbeitete sie in der Bäckerei, tagsüber im Lebensmittelladen und am Abend in der Gastwirtschaft. „Sie kannte sich gut aus und hat mir viel über den Ort und die Menschen erzählt.“ Und sie hat ihm einen Rat mit auf den Weg gegeben, den er heute noch beherzigt. „Sie sagt immer: Patrick, morgens komme die Frauen zu mir in die Bäckerei und klagen ihr Leid über ihre Männer. Und abends kommen die Männer zu mir in die Wirtschaft und klagen über die Frauen. Man sollte sich immer beide Seiten anhören“, erzählt der Historiker Weydmann, der sein Wissen gerne weitergibt.

In unzähligen Stunden hat er über 200 Berichte über Menschen, Gebäude und Geschichten digitalisiert und archiviert und diese auf Facebook veröffentlicht. Mit großem Erfolg. Im Schnitt erreicht er damit 5000 Personen, viele treten mit Weydmann in Kontakt. „Die Leute reagieren sehr emotional und ergänzen die Geschichten dann mit ihrem Wissen.“ Und es kommt auch schon mal vor, dass sich hochrangige EU-Kommissare bei ihm melden, weil sie mehr über eine der Geschichten erfahren möchten. Oder die Dame aus Helsinki, die früher hier gelebt hat und Weydmann auf Facebook folgt. „Als sie über ihre alte Schule gelesen hat, kam die Anfrage, ob sie die mal besuchen könne. Das machen wir natürlich gerne“, sagt Weydmann, der sich über den Zuspruch und das Interesse freut. 4300 Abonnenten hat er auf Facebook. Platz zwei unter den saarländischen Bürgermeistern, knapp hinter dem Saarbrücker OB Uwe Conradt. Im Vergleich: Merchweiler hat rund 9700 Einwohner, Saarbrücken 170 000 mehr.

„Geschichte ist für mich Hobby und Leidenschaft. Und ich freue mich, dass andere diese Leidenschaft teilen“, sagt Weydmann.