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Die Senioren-Wohnalnage Merchtalblick in Merchweiler wird gebaut

Umstrittener Bau : Zustimmung für „Merchtalblick“, aber auch Unmut

Während der Gemeinderat einstimmig hinter dem Bauvorhaben steht, wehrt sich eine Bürgerinitiative weiterhin dagegen.

Es ist schon eine etwas merkwürdige Situation, wenn die Sitzung eines Gemeinderates online stattfindet, und interessierte Zuhörer diese gemeinsam in einem Raum verfolgen. Im Kuppelsaal von Wemmetsweiler war dies am Donnerstagabend der Fall. Während alle Mitglieder des Rates dem Bebauungsplan „ASB-Servicewohnen Merchtalblick“ zustimmten (wir haben berichtet), gab es unter dem Dutzend Zuschauer, überwiegend Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Merchtalblick für Anwohner“, Unmutsbekundungen in Richtung Rat, der diese allerdings nicht hören konnte. Auch Jochen Wagner, Sprecher der Initiative, verfolgte die Sitzung im Kuppelsaal und gab sich im Anschluss kämpferisch.

Die BI werde nun den Satzungsbeschluss überprüfen, alle Akten sichten, „und dann werden wir entscheiden, wie wir weiter vorgehen“, so Wagner, der betonte, dass es nicht das Ziel der Initiative sei, den Bau gänzlich zu unterbinden, sondern diese vielmehr daran interessiert sei, gemeinsam mit der Gemeinde und dem Bauträger, dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), eine Lösung zu finden. Bis heute hätte es allerdings keinerlei Gespräch mit der BI gegeben. „Wir wehren uns gegen die Art und Weise, wie die Anwohner hierbei überfahren werden“, so Wagner, der von einem „juristischen Kniff“ vonseiten des ASB spricht. Es sei nämlich kein Seniorenheim geplant, sondern Wohnungen für Senioren und Menschen mit einer Behinderung, ohne dass dabei von einer Altersangabe oder einem Grad der Behinderung die Rede sei. „Theoretisch kann also jeder, der eine Brille, also eine Sehschwäche hat, dort einziehen, also quasi jeder“, sagt der Sprecher der BI mit rund 60 Mitgliedern. Das sei vom ASB clever gemacht, denn „ein normales Mietshaus dürfte an der vorgesehenen Stelle niemals gebaut werden“.

Der ASB-Landesvorsitzende Guido Jost zeigte sich „hocherfreut“ über den Beschluss des Gemeinderates, der den Weg zum Bau der „seniorengerechten Wohnanlage“ mit 50 Wohnungen ebnet. „Uns ist es wichtig, dass Ortsrat, Bauausschuss und Gemeinderat einstimmig in der Sache beschlossen haben. Es braucht eine starke Rückendeckung, um ein solches Projekt in die Tat umzusetzen“, so Jost, der noch keine Prognose zum Baubeginn abgeben möchte, zumal ein solches Bauvorhaben auch bei der Unteren Bauaufsicht nicht an der Tagesordnung sei. Die Planungen seien vonseiten des ASB nahezu fertig, im Januar könnten die Bauunterlagen eingereicht werden und eine Ausschreibung unter „großen Holzbauern“ erfolgen. Die ganze Anlage soll bis auf die Treppen und die Stahlträger aus Holz gefertigt werden. Von einem „Betonbau“ könne also keine Rede sein. Etwa zwölf Millionen Euro will der ASB darin investieren.

Der Ärger darüber, dass Anwohnern die freie Sicht aufs Merchtal verbaut werde, sei verständlich, sagte Dr. Michael Marx, Sprecher der CDU im Gemeinderat. Eine breite, offene Diskussion mit dem Bauträger und der Verwaltung hätte leider nicht stattgefunden. Dennoch stehe auch seine Partei hinter dem Bauvorhaben.

Von einem „tollen Projekt für die Gemeinde“ sprach Albin Hanstein (SPD). Ab und an sei die Diskussion in der Sache „hochgekocht“, ein ordentliches Miteinander sei aber nur möglich, wenn alle Beteiligten gut miteinander umgingen. Wie Guido Jost zeigte auch er sich sehr erfreut über die breite Zustimmung.

Für Hans Peter Meisberger (Die Linke) ist die Senioren-Wohnanlage ein „Leuchtturmprojekt für die Kommune“, das auch in der Bevölkerung auf „überdurchschnittliche Akzeptanz“ stoße.

Für viel Diskussionsbedarf im Merchweiler Gemeinderat sorgte die Grüngutannahmestelle, die gemeinsam mit der Gemeinde Schiffweiler betrieben wird.