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Rinder, Pferde und Büffel auf den "Habichtsweiden" bei Merchweiler

Interview Uli Heintz, LIK.Nord-Geschäftsführer : Hier entsteht „ein Leuchtturm für Nachhaltigkeit“

Die „wilden Weiden“ im Merchtal sind attraktives Ausflugsziel. Ein ökologisch ausgerichtetes Landschaftskonzept.

Das Projekt „Habichtsweiden“ ist eine Partnerschaft zwischen dem Naturschutzgroßprojekt „Landschaft der Industriekultur Nord“ und lokalen Landwirten. Irgendwie ein bisschen „Saarengeti“, nennt es Uli Heintz, Geschäftsführer des Zweckverbandes LIK-Nord.

 LIK-Nord-Geschäftsführer Uli Heintz.
LIK-Nord-Geschäftsführer Uli Heintz. Foto: Claudia Emmerich

Ein Jahr Projekt „Habichtsweiden“ – Ihr Zwischenfazit?

Heintz: Mein Vorgänger Detlef Reinhard hat das Projekt immer als das Emotionalste aller Einzelprojekte von LIK-Nord bezeichnet. Das ist es auch, aber auch mehr. Ganz sicher ist es das mit der größten Wahrnehmung durch die Bevölkerung. Aber es hat sich darüber hinaus auch zu einem Leuchtturm für Nachhaltigkeit im Umgang mit Landschaft entwickelt. Es verknüpft nämlich vorbildlich die Erhöhung der Artenvielfalt mit Speicherung von CO2 in den Weideböden, Beitrag zum Erosionsschutz und Wasserrückhalt und artgerechter Tierhaltung. Und ganz am Ende helfen uns die Landwirte mit ihren Tieren, dass dieser Zustand ohne größere Investitionen zukunftsfähig ist.

 Die Weidefläche begann zunächst mit 23 Hektar, als die Taurusrinder kamen. Ziel 150 Hektar. Stand heute?

Heintz: Wir sind heute bei rund 56 Hektar eingezäunter Fläche. Aktuell sind weitere rund 30 Hektar im Genehmigungsantrag und werden bis zur Jahreshälfte spätestens dazu gekommen sein. Perspektivisch soll natürlich der Schlammweiher angebunden werden.

 Wie klappt denn das Miteinander der drei Herden?

Heintz: Das funktioniert bestens, da es eine gut erkennbare Hierarchie gibt: Taurusrinder – Wasserbüffel – Pferde. Die Hierarchie macht sich am meisten bemerkbar, wenn es um zeitlich knappe Ressourcen geht, etwa Wasser oder Winterfütterung. Ansonsten verläuft das Miteinander sehr entspannt.

Gibt es eine Weide oder getrennte Areale?

Heintz: Die aktuell noch zwei Teilflächen sind mit einem Übergang versehen, den die Tiere zwischenzeitlich mit großer Selbstverständlichkeit benutzen. Ein solcher Übergang wird auch bei der Einrichtung der Teilfläche drei installiert werden.

Es kam ja schon zum Ausbüxen durch Zaunlücken...

Heintz: Das Ausbüxen von jungen Kälbern hat zwar nur einmal stattgefunden, kann aber immer mal wieder vorkommen. Die untere Zaunhöhe ist immer ein Kompromiss zwischen Durchgängigkeit auch für Wildtiere, Pflegeaufwand und Sicherung. Auch auf unserer anderen Fläche in Schiffweiler sind die Ausbrecher immer wieder zurückgekommen.

Die Habichtsweiden sind ein Besuchermagnet. Wären Sie reich, wenn jedes geschossene Foto zehn Cent bringen würde?

Heintz: Ja, das mit den zehn Cent wäre ein prima Vorschlag. Aber wichtig für alle am Projekt Beteiligten ist am Ende auch die Begeisterung der Menschen und damit Akzeptanz. Irgendwie ein bisschen „Saarengeti“, oder?

Was macht das Projekt Aussichtsturm?

Heintz: Der Aussichtsturm soll spätestens 2022 kommen, vielleicht klappt es auch noch 2021. Noch sind Grundstücksfragen zu klären.