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Neunkirchen präsentiert "seine Marie": Musical-Premiere in Gebläsehalle

Meine Damen und Herren: Marie : Musical-Rückkehr begeistert Neunkircher

Die Wiederaufnahme von „Meine Herren und Damen: Marie“ in der Neunkircher Gebläsehalle ist geglückt. Zuschauer lobten die Performance der Laien-Schauspieler. Auch das Bühnenbild überzeugte.

Nach zwei Jahren Pause brachte das Musicalprojekt Neunkirchen „seine Marie“ wieder auf die Bühne. Das Auftragsprojekt der Awo über die Gründerin Marie Juchacz feierte am Freitag die Premiere seiner Wiederaufnahme. „Meine Herren und Damen: Marie!“ wird wieder achtmal auf der Bühne der Gebläsehalle gespielt – alle Vorstellungen sind bereits ausverkauft.

Wie bei jeder Wiederaufnahme des seit 2003 in Neunkirchen beheimateten Projekts, konnte man neue Gesichter im Ensemble entdecken, aber die Hauptrollen des Stückes blieben gleich. Nina Sepeur und Hannah Cottone überzeugten wie im Jahr 2019 als „aufmüpfige Schwestern“ Marie und Elisabeth, die in diesem Stück nie die Bühne verlassen dürfen. Das Setzkastensystem, das den Darstellern kleine Rückzugsorte bietet, gleichzeitig aber auch jederzeit für den Zuschauer sichtbar ist, kreierte der Künstler Jochen Maas. Im Publikum hörte man immer wieder Stimmen von Zuschauern, denen diese Idee eines Bühnenbildes unglaublich gut gefällt: „Das Bühnenbilld ist so vielseitig und kreativ, so etwas habe ich vorher noch nie gesehen. Ich komme jedes Jahr zu den Vorstellungen des Musicalprojekts und dieses Jahr war ich besonders froh, endlich mal wieder raus zu dürfen“, sagt Sylvia Müller aus Neunkirchen. „Mir hat das Stück schon vor zwei Jahren richtig gut gefallen und auch dieses Mal hatte ich vor allem bei Karl, dem Ehemann von Elisabeth, Gänsehaut. Er spielt einfach stark und man kriegt fast Angst vor ihm“, erzählt die Zuschauerin nach der Vorstellung.

Tobias Schmitt, der den Karl darstellt, ist auch schon seit einigen Jahren im Projekt dabei und begeistert durch sein Schauspiel und seine wandelbare Stimme. Auch sein „Opfer“ Paula, gespielt von Michelle Ebert, bringt eine eindringliche Intensität auf die Bühne, sodass der Zuschauer ihr am liebsten zur Hilfe eilen würde. Eine Gänsehaut brachte an dieser Premiere auch das kleine Gretchen, das zum Ende des ersten Aktes an einer Lungenkrankheit stirbt. Das letzte Röcheln vor dem Tod des kleinen Mädchens (gespielt von Myla Kist), ausgelöst bei der Arbeit durch giftige Dämpfe in einer Fabrik, bringt sogar bei seiner Musical-Mutter Victoria Ohlmann ein paar Tränen hervor.

Generell hat das Stück unter der Regie von Matthias Stockinger einige Momente zu bieten, bei denen der Zuschauer sehr nachdenklich wird. Gerade auch die Bilder und kurzen Videos aus den Zeiten der Marie Juchacz, die auf zwei LED-Wänden immer wieder eingeblendet werden, versetzen einen zurück in eine schwierige Zeit. Man hat sogar das Gefühl, dass in diesem Jahr alle Szenen noch etwas ernster oder sarkastischer geworden sind. Die einzeln eingestreuten Witze kommen daher nicht wirklich zum Tragen, außer ein Seitenhieb auf die SPD, der dem Publikum sogar einen Szenenapplaus entlockt.

Maria Becker aus Ottweiler und Susanne Potens aus Neunkirchen-Kohlhof hat das Musicalprojekt jetzt auch für sich gewinnen können: „Wir sind total begeistert von dem Stück und den Darstellern. Wir haben bisher nur die Best Of Show im Frühjahr gesehen und sind dann auf den Geschmack gekommen. Man merkt überhaupt nicht, dass hier Laien auf der Bühne stehen! So starke Stimmen und tänzerische Leistungen und das Bühnenbild ist einfach toll!“ Diese Begeisterung des Publikums merkt man auch am Schlussapplaus, denn hier bleibt kein Zuschauer auf seinem Stuhl sitzen. Stehende Ovationen würdigen die Arbeit der vielen Darstellerinnen und Darsteller und natürlich auch des Kreativteams.

Die Musik von Francesco Cottone und Amby Schillo ließ die Zuschauer mit dem ein oder anderen Ohrwurm aus der Gebläsehalle laufen und die künstlerische Leiterin Ellen Kärcher zeigte sich bei ihrer Rede auf der Premierenparty sehr zufrieden: „Ihr wart einfach wieder großartig und der Zusammenhalt in unserem Ensemble ist etwas ganz Besonderes, wie man heute wieder gemerkt hat.“ Nachdem sie auch Grüße von Regisseur Matthias Stockinger ausgerichtet hat, der am Premierenabend in Füssen selbst auf der Bühne steht, wendete sich auch Oberbürgermeister Jörg Aumann an die Gäste: „Die Kultur leidet immer noch stark und ich finde, das Club-Konzept hier in der Gebläsehalle hat sich bewährt, um der Kultur eine Bühne zu bieten. Ich finde es einfach super, dass das Team des Musicalprojekts auch in diesen schweren Zeiten so gut zusammenarbeitet und etwas auf die Bühne bringt. Ihr seid einfach unkaputtbar, danke!“

 Die Oberschicht feiert, während Arbeiter am Hungertuch nagen. Im Hintergrund erkennt man die Setzkästen, in denen die Schauspieler sitzen, wenn sie gerade nicht performen.
Die Oberschicht feiert, während Arbeiter am Hungertuch nagen. Im Hintergrund erkennt man die Setzkästen, in denen die Schauspieler sitzen, wenn sie gerade nicht performen. Foto: Sibille Sandmeyer

Zum Schluss der Ansprachen verriet Produktionsleiter Nico Schneider, dass es auch im nächsten Jahr ein Musical geben wird. Man darf also gespannt sein.