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Boutique Königreich in Wellesweiler hat es gut durch die Krise geschafft

Serie: Klein aber oho : Hier ist nicht nur der Kunde König (mit Bildergalerie und Kurzinterview)

Wer den Schritt in die Selbstständigkeit wagt, der geht immer ein Risiko ein. Kommt dann noch eine unvorhersehbare Krise wie die Pandemie dazu, kann es schon mal richtig schwierig werden. Da gilt es erfinderisch zu sein. Viele kleine Läden im Landkreis haben der Krise getrotzt und überlebt. Wie die kleine Boutique im Herzen von Wellesweiler.

Besser spät als nie, so dachte sich Petra König. Und so hat sie sich im Jahr 2017 ihr eigenes Reich geschaffen. Im wahrsten Wortsinne. Denn damals eröffnete sie in Wellesweiler eine kleine Kleiderboutique: das „Königreich“. Und damit auch jeder weiß, wo er hier ist, gibt es in der mit ausgefallener Deko, sehr stylisch und mit pinken Hinguckern eingerichteten Boutique überall Hinweise: Kleine Kronen an der Wand, eine große Krone als Taschenständer – und sogar direkt am Eingang die Säule für die Hand-Desinfektion, natürlich in Pink. Wer König sieht, der glaubt es kaum: 56 Jahre alt war sie, als sie den Schritt in die Selbstständigkeit gemacht hat. „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“, sagt sie beim Treffen mit der SZ. König kommt eigentlich aus der Gastronomie, hat auch bis zur Selbstständigkeit immer in dem Bereich gearbeitet. Doch dann hörte sie von dem Leerstand in der Ortsmitte von Wellesweiler, direkt gegenüber von Stengelkirche und Stengelplatz, an der Hauptstraße des Neunkircher Stadtteils, Ecke Homburger Straße/Pestalozzistraße. Vor Jahren war hier mal ein Eiscafé. „Eigene Kleider, die man anziehen kann. Das ist doch ein Mädchentraum“, sagt König. Und so hat sie sich ihren Kindheitstraum erfüllt.

Auslieferung im ersten Lockdown

Ahnung vom Metier hatte sie erst einmal nicht. „Außer, dass ich mich schon immer gerne modisch gekleidet habe“, lacht sie. Ihre Bekannten waren deshalb auch anfangs skeptisch, erinnert sie. Allerdings hat es sich schnell gezeigt, dass König wohl ein gutes Näschen hat. Sie selbst führt ihren Erfolg darauf zurück, dass sie einfach ein durch und durch optimistischer Mensch ist. „Ich habe das ganz alleine aus dem Boden gestampft, ohne Förderung. Natürlich hätte das theoretisch auch schief gehen können“, was aber keine Option für König war. „Es gibt keine Probleme, nur Lösungen.“ Und dann kam Corona. Da kam selbst Königs Optimismus kurzzeitig ins Wanken. „Das war ein Schock. Damit hatte ja keiner gerechnet. Ich dachte, jetzt ist alles vorbei.“ Der erste Lockdown. „Jetzt hieß es: umdenken.“ Da hat es sich bezahlt gemacht, dass König seit der Geschäftsgründung in den sozialen Medien unterwegs war. Von Anfang an beginnt ihr Tag damit, dass sie hier postet: Täglich ein Outfit, das man über Facebook anfragen und reservieren kann. Im ersten Lockdown hat sie die Kunden angefahren und die gewünschte Ware geliefert, alles ganz kontaktlos und Corona-konform. Dann kam Click and Collect. Eine anstrengende Zeit. Bei höherem Arbeitsaufwand geringeres Einkommen. „Aber es war nie eine Option, nichts zu tun.“  Mittlerweile genügt zum Einkaufen eine Maske, auch die Zeiten von gültigem Test und Terminvergabe sind momentan überstanden. „Ich lasse nur sechs Leute rein“, sagt König. So könne man sich super aus dem Weg gehen und habe ausreichend Platz.

Regelmäßige Spenden

Und dann muss sie es aber endlich mal los werden, das Lob an ihre Kunden. „Ich habe die besten Kunden der Welt. Die haben auch gekauft, als sie ganz sicher nicht wirklich was Neues gebraucht hätten.“ Möglicherweise ein kleines Dankeschön an König, die in Nicht-Corona-Zeiten gerne mal auch die Kunden verwöhnt. Da gibt es Feiern zu Muttertag, am Weltfrauentag, an Fastnacht oder dem Jahrestag der Eröffnung. Was zu Schnäken steht immer bereit, bei einem Getränk kann man auch einfach mal im Sessel Platz nehmen, drinnen oder auch vor der Tür, und viel gelacht wird hier sowieso. Dass das den Kunden gefällt, zeigt die stets gut gefüllte „Kaffeekasse“. Was hier rein wandert, spendet König immer für soziale Zwecke, meist vor Ort. Gerade gingen 400 Euro an die Flutopferhilfe – 200 aus der Kasse, 200 aus dem privaten Geldbeutel.

„Schwätzverkäuferin“

Königs Kunden – von 16 bis 90 („das ist tatsächlich so), Durchschnittsalter um die 50 – kommen längst nicht nur aus dem Ort oder der nahen Umgebung. Viele Kunden kommen gezielt, wohnen in Bad Dürkheim, Kaiserslautern, Frankreich, sogar in Saarbrücken. Die Lage nennt König selbst eine 1b-Lage: Keine Laufkundschaft aber an der Hauptstraße. Auch nach den schwierigen Lockdown-Zeiten: In den Versandhandel einzusteigen, ist keine Option für König. „Ich bin eine Schwätzverkäuferin.“ Heißt? „Ich rede gerne mit den Kunden. Und ich sehe sie gerne in den Kleidern, berate gern.“

Ursel Braun, die gute Seele

Helfend zur Seite steht ihr Ursel Braun, „die gute Seele des Hauses“. Wenn König unterwegs ist beispielsweise. Denn etwa alle 14 Tage geht es zum Einkaufen. „Das darf man sich aber nicht so vorstellen wie eine Shoppingtour“, macht die Geschäftsfrau klar. Den Nachschub für den Laden holt sie im Großhandel in Frankfurt in Ein-Tages-Touren oder in Düsseldorf. Dort dauert das dann schon mal zwei, drei Tage.  Gerade in Zeiten der Krise waren diese Touren für König wichtig. „Da trifft man ja viele Menschen, die in der selben Situation sind. Da tauscht man sich aus. Mal gebe ich einen Tipp, mal bekomme ich einen.“ Was anfangs Neuland war, ist längst Routine geworden. Den Schritt in die Selbstständigkeit würde Petra König jederzeit wieder machen. „Das war eine Chance, die ich nicht vorbeigehen lassen durfte, das wäre eine Katastrophe gewesen. Das hätte ich mir nie verziehen.“