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Die Initiative Neunkirchen räumt auf sammelt Müll

Neunkirchen räumt auf : Nur vom Jammern wird’s nicht sauberer

Mit ihrer Initiative „Neunkirchen räumt auf“ sorgt Andrea Fegert dafür, dass es im und ums Stadtgebiet sauberer ist. Am Samstag sind ihre und ihre Mitstreiter beim World-Clean-up-Day wieder unterwegs.

Es spielt eigentlich keine Rolle, wo man sich aufhält: Müll gibt es überall. Ein Blick auf den Boden genügt und schon sieht man hier eine Plastiktüte, da eine Burger-Verpackung, Zigarettenstummel, Trinkbecher und und und man regt sich darüber auf. Das ging Andrea Fegert nicht anders. Auch sie ärgerte sich über die Mengen an Müll, die ihr bei Spaziergängen ins Auge fielen und entschied sich vor knapp einem Jahr dazu, etwas dagegen zu unternehmen. „Nur jammern bringt ja nichts. Also habe ich mir gedacht: Ich muss selbst etwas tun. Mit meiner Meinung allein kann ich ja nichts verändern. Das gelingt nur durch Taten“, sagt die 43-Jährige.

Von dem Zeitpunkt an nahm Andrea Fegert stets eine Tüte und Handschuhe mit in den Wald und sammelte den Müll auf. Eigentlich ganz einfach. Mitstreiter fanden sich rasch in ihrer Familie. Sohn Moritz (6) und Tochter Marleen (13) fanden die Idee gut und begaben sich mit ihrer Mutter auf eine „Schatzsuche der etwas anderen Art“. Die fand zunächst vor der eigenen Haustür am Neunkircher Biedersberg statt. Und obwohl die drei wussten, dass der Wald von vielen als Mülleimer missbraucht wird, waren sie erstaunt darüber, welche Menge an Müll zusammenkommt, wenn man einen Radius von 500 Metern gezielt danach absucht. „Die Leute sagen ja oft Sachen wie: Ich kann die Welt ja eh nicht verändern. Das mag stimmen. Aber ich kann meine Welt schon verändern, und das ist die, die vor meiner Haustür liegt“, erzählt die Bürokauffrau, die es anfangs Überwindung kostete, den Müll anderer anzufassen. „Uns wird ja schon als Kinder beigebracht, dass man nichts aufheben soll, was auf der Straße liegt“, sagt Andrea Fegert, aber darauf zu warten, dass derjenige, der den Müll weggeworfen hat, zurückkommt und ihn aufhebt, sei auch keine Option.

Im Laufe der Zeit wurden die Fegerts immer „professioneller“. Aus Tüten wurden Stoffsäcke („Tüten reißen zu schnell, wenn Glas oder scharfkantiges Plastik darin landet“), Grillzangen und Greifer sorgten für mehr Distanz zum Weggeworfenen und ein Bollerwagen erleichtert die Abfuhr aus dem Wald. Am Ende wird dann alles sauber getrennt, und über das Flaschenpfand freut sich Sohn Moritz.

Weniger erfreulich sind ganz andere Funde, die gemacht werden. „Tote Haustiere, eingewickelt in Tücher und Säcke, finden wir immer wieder. Auch Windeln, und nicht nur von Babys, sind keine Seltenheit. Wir haben sogar schon mal eine Urne gefunden“, erzählt Andrea Fegert, die die gute Zusammenarbeit mit dem Neunkircher Betriebshof lobt. Der wird nach einer
Sammelaktion darüber informiert, wo die Säcke abgestellt wurden und sorgt dann für deren Abfuhr.

Dass Andrea Fegert mit ihrem Vorhaben nicht alleine ist, stellte sie nach kurzer Recherche im Internet fest. „Clean-up Saarland“ nennt sich eine Initiative, in der sich freiwillige Helfer engagieren und in ihren jeweiligen Wohnorten dafür sorgen, dass es dort sauberer ist. Dieser Initiative schloss sie sich an und gründete auf Facebook die Ortsgruppe „Neunkirchen räumt auf“. Dort bekommt sie zwar viel Lob und Likes, viele Mitstreiter hat sie allerdings bislang nicht gefunden.

Woran es liegt? „Müll sammeln sehen viele noch als eine Art Strafe an. Das ist in den Köpfen so drin. Es ist ja sogar heute noch in den Schule so, dass zur Strafe auf dem Schulhof Müll gesammelt werden muss. Da muss ein Umdenken passieren. Es wäre viel sinnvoller, die zu belohnen, die dort Müll sammeln.“ Kommentare nach dem Motto „Was habt ihr denn verbrochen“ oder „Habt ihr nichts Besseres zu tun“, hört Andrea Fegert immer mal wieder, wenn sie in Arbeitskleidung und Handschuhen, mit Zange in der einen und Sack in der anderen Hand durch den Wald marschiert. Aber in der Regel erfahre sie viel Lob, und auch viele Eltern würden ihren Kindern dann erklären, wie wichtig es sei, die Umwelt sauber zu halten.

Das wollen Andrea Fegert und ihre Clean-up-Mitstreiter auch großen Konzernen beibringen und diese in die Verantwortung nehmen. Daher machen sie sich die Mühe, und führen unter anderem Statistiken darüber, welche Mengen an Müll etwa allein von einer Fastfood-Kette zusammenkommen. Darunter viel Plastik, und Plastik hält sich. Nun haben Andrea Fegert und andere „Aufräumer“ online ein „Müllmuseum“ mit Fotos von besonders alten Funden ins Leben gerufen. „Wir haben schon Müll gefunden, der 70 Jahre alt ist. Wenn man bedenkt, dass in all den Jahren niemand auf die Idee gekommen ist, den aufzuheben, ist das schon traurig.“

Aber Tristesse und Trübsal sind nun gar nicht das Ding von Andrea Fegert. Sie engagiert sich aus freien Stücken und tut dies auch mit Freude.

Wobei sie natürlich nicht traurig darüber wäre, wenn sie eines Tages ohne Müllsack durch den Wald gehen könnte, weil niemand mehr seinen Müll dort entsorgt.

Wer mehr über „Neunkirchen räumt auf“ erfahren möchte, muss nur auf Facebook danach suchen. Mehr Infos zu allen Clean-up-Initiativen im Saarland, darunter auch Illingen, Ottweiler und Eppelborn, finden sich online unter:

 Sohn Moritz mit dem Ergebnis einer Sammelaktion.
Sohn Moritz mit dem Ergebnis einer Sammelaktion. Foto: Andrea Fegert
 Ein ständiges Ärgernis: illegal abgelagerter Müll an Containerstellplätze.
Ein ständiges Ärgernis: illegal abgelagerter Müll an Containerstellplätze. Foto: Andrea Fegert

www.cleanup.saarland